Uganda nach dem Bürgerkrieg: Viele Menschen müssen das Leben neu lernen

Die Kirche hilft Flüchtlingen, die zurückkehren wollen

| 1467 klicks

KÖNIGSTEIN/ALOKOLUM, 23. August 2008 (KIN/ZENIT.org).- Der Regens des Priesterseminars von Alokolum (Norduganda), Mons. Cosmas Alule, hat in einem Gespräch mit dem internationalen katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ darauf aufmerksam gemacht, dass viele Flüchtlinge, die infolge des Bürgerkrieges in Uganda schon seit 20 Jahren in Lagern leben, kein „normales Leben“ mehr gewöhnt seien. Fast eine ganze Generation sei bereits in Flüchtlingslagern geboren oder aufgewachsen. Zwar würden mittlerweile viele in ihre Dörfer zurückkehren, aber zahlreiche Menschen hätten Angst vor der Rückkehr, da sie nicht wüssten, wie sie ein Leben außerhalb des Lagers gestalten können.



„Die ganze Arbeitskultur ist zerstört worden, die Leute haben jeden Tag ihre Essensrationen empfangen und wissen nicht mehr, wie man sich seinen Lebensunterhalt verdient“, erklärte Alule. Hier müsse die Kirche Hilfe leisten und die Menschen beraten, da dem Staat diese Problematik nicht wirklich bewusst sei. Die Regierung gebe den Rückkehrern zwar etwas Baumaterial und Saatgut, aber damit ist sei es nicht getan. Es gehe darum, „den Menschen dabei zu helfen, ihr Leben auch in seelischer, kultureller und spiritueller Hinsicht wiederherzustellen“.

Die Untätigkeit, zu der die Menschen in den Lagern verurteilt seien, führe zudem auch zu einem verstärkten Alkoholkonsum und zu sexueller Unmoral, was wiederum in den Lagern eine mindestens dreimal höhere HIV/AIDS-Rate als in der übrigen Bevölkerung zur Folge habe. Insgesamt sei die Infektionsrate in Uganda zwar durch kirchliche und staatliche Programme gesunken, in manchen Flüchtlingslagern sei allerdings mehr als ein Fünftel der Menschen infiziert.  „Wir müssen retten, was zu retten ist“, so Alule.

Das größte Problem bestehe jedoch darin, dass viele Menschen schwerst traumatisiert seien. „Sie haben gesehen, wie ihre Kinder entführt, ihre Schwestern, Mütter, Töchter und Frauen vergewaltigt und Menschen getötet worden sind“, berichtete der Geistliche.   In dem Priesterseminar von Alokolum, das sich auf dem Gelände eines Flüchtlingslagers befindet, so dass die Seminaristen das Leben der Flüchtlinge teilen, werden die angehenden Priester besonders dafür ausgebildet, den Traumatisierten beizustehen und ihnen zu helfen. Allerdings hätten manche der zur Zeit 171 Seminaristen selbst Traumata erlitten. Dies stelle eine Herausforderung für die Ausbilder dar. Die geistlichen Begleiter der Seminaristen würden sich besonders intensiv mit diesen Problemen befassen. Es sei jedoch auch gut, dass „zukünftige Priester die Erfahrungen der Bevölkerung geteilt haben“, denn „wir brauchen Priester, die wissen, was Leid ist“, so der Regens. Wenn jemand diese schmerzlichen Erfahrungen gemacht habe und in der Lage sei, daran nicht zu zerbrechen, könne er anderen viel besser helfen.

Die Kirche in Norduganda versucht die Flüchtlinge auch dazu anzuleiten, sich gegenseitig zu helfen. Die Älteren, die noch gelernt haben, Felder zu bewirtschaften und einen Haushalt zu führen, sollen den Jüngeren dieses Wissen vermitteln. Die Menschen sollen lernen, sich gegenseitig zu unterstützen. Die katholische Kirche setze auf eine „Strategie der Solidarität“. Die Priester teilen das Leben der Gläubigen, identifizieren sich damit und sind somit in der Lage, die Gläubigen zu verstehen und zu ermutigen.

Angesichts des in Aussicht stehenden Friedensabkommens, das den Bürgerkrieg auch offiziell beenden soll, äußerte Alule einen „tiefen Optimismus“, dass der Frieden kommen werde. Er sei davon überzeugt, dass der Frieden nicht nur durch einen Vertrag zustande komme, sondern dass „Gott den Frieden gebracht hat, indem er bewirkt hat, dass die Menschen des Krieges überdrüssig sind“.  „Wir haben das Gefühl, dass der Krieg zu Ende ist“, fügte er hinzu.

Seit 1988 herrscht in Norduganda Bürgerkrieg zwischen der ugandischen Regierung und den Rebellen der Lord’s Resistance Army. Mittlerweile wurden mehrere Teilfriedensabkommen unterzeichnet. Die Unterzeichnung des endgültigen Friedensabkommens steht jedoch noch aus.