Uganda: „Unser Priesterseminar platzt aus allen Nähten“

Akuter Magel an Räumlichkeiten im Seminar für Spätberufene in Kampala

| 2088 klicks

KÖNIGSTEIN, 7. September 2009 (ZENIT.org/KIN).– Das Seminar für Spätberufene in Kampala kann die vielen Kandidaten, die Priester werden wollen, kaum noch unterbringen.

Wie der Rektor des Seminars, Pater Joseph Sserunjogi, dem internationalen katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ mitteilte, seien aufgrund des großen Andrangs mittlerweile schon Büros im Seminar und Räume eines nahegelegenen Klosters zu Schlafräumen umfunktioniert worden. Dennoch müssten sich 15 Personen ein Schlafzimmer von 15 Quadratmetern teilen, was kein menschenwürdiger Zustand sei.

In manchen Räumen gibt es nach Angaben von P. Sserunjogi keine frische Luft, und so komme es zu Krankheiten. Berufungen aufgrund des Platzmangels abzulehnen, falle ihm aber dennoch schwer, bekannte der Priester. Für das im September beginnende neue akademische Jahr hatten sich 48 Männer beworben. Das Seminar habe nur 28 davon annehmen können – was „sehr bedauerlich“ sei, denn „überall werden Priester gebraucht, und dann kann man diejenigen, die sich berufen fühlten, aus Platzmangel nicht aufnehmen“.

Man versuche alles, um möglichst wenige Interessenten abweisen zu müssen. In Zukunft müsse allerdings angebaut werden, denn man könne es sich nicht erlauben, Berufungen zu verlieren.

Das Seminar für Spätberufene wurde 1976 eröffnet, da das Gebäude der Diözese zur Verfügung stand und der damalige Bischof von Kampala erkannt hatte, dass es viele Männer gibt, die bereits einen Beruf erlernt haben, sich jedoch zum Priestertum berufen fühlen. Alles begann mit einigen wenigen Seminaristen. Von den 17 Kandidaten „der ersten Stunde“ seien neun zum Priester geweiht worden, und zwei davon seien sogar Bischöfe geworden. Seit Beginn seines Bestehens sind aus dem Seminar 180 Priester hervorgegangen.

Aktuell bereiten sich in dem Seminar 155 Männer auf das Priestertum vor, und es werden immer mehr. Bevor sie in das Seminar eingetreten sind, haben sie andere Berufe erlernt. Viele seien Lehrer gewesen, manche Büroangestellte, Polizisten oder Tierärzte. Der älteste Kandidat, der mittlerweile zum Priester geweiht worden ist, war 56 Jahre alt. Die meisten der Kandidaten sind zwischen 24 und 31 Jahre alt und stammen aus 15 Diözesen in Uganda und aus den Nachbarländern Kenia, Tansania, Ruanda und dem Sudan, berichtet der Rektor.

Der Vorteil der späten Berufungen liege seiner Erfahrung nach darin, dass die Männer „schon reifer“ seien und ihre Entscheidung selbständig und bewusst getroffen hätten. Andererseits bräuchten sie bisweilen länger als die ganz jungen Seminaristen, um sich an das Leben in dem Priesterseminar zu gewöhnen. Am wichtigsten sei es in jedem Fall, die Freude am Priestertum zu vermitteln.

Es sei auch von Bedeutung, die angehenden Priester auf die reale Situation, in der sie als Priester in Uganda wirken werden, vorzubereiten. Viele Menschen in Uganda leben in extremer Armut, sie haben keine Schuhe, keine Uhren, aber sie nehmen stundenlange Fußmärsche in Kauf, um zur heiligen Messe zu gelangen. Ihre Sehnsucht nach Gott sei groß. Wenn der Priester aufgrund der dramatisch schlechten Straßenverhältnisse verspätet in ein Dorf kommt, warten die Gläubigen geduldig viele Stunden lang auf ihn. Sie erwarten aber auch sehr viel vom Priester. „Sie denken, er müsse für alles sorgen“, erklärte der Rektor gegenüber „Kirche in Not“. Es könne für einen Priester auch eine große Herausforderung sein, für viele in jeder Hinsicht die einzige Hoffnung zu sein, und er müsse den Menschen vermitteln, dass es vor allem um Jesus Christus gehe.

Die Seminaristen lernen aber beispielsweise auch, wie sie mit dem in manchen Regionen noch verbreiteten Glauben an Hexerei richtig umgehen. Denn es sei nicht wirkungsvoll, diese Praktiken zu verbieten, sondern der richtige Weg sei es, den Menschen zu zeigen, dass der christliche Gott der wahre Gott sei, der alles ist, was sie brauchen, so Sserunjogi. „Manche glauben zum Beispiel, ein bestimmter Stein gebe Regen“, erläutert er. „Wir müssen vor allem etwas für die Menschen tun, damit sie verstehen, dass das Christentum die wahre Religion ist. Unsere Taten sind hier wichtiger als unsere Worte!“ Wichtig sei dabei auch das soziale Engagement, denn „ein Hungriger wird unserer Predigt nicht zuhören“.

Insgesamt steigt in Uganda die Zahl der Berufungen von Jahr zu Jahr an. Nach Angaben des Vatikans stammt mittlerweile jeder fünfte Seminarist der Welt aus Afrika. Zugleich steigt aber auch die Zahl der Katholiken, so dass es noch immer in vielen Gebieten zu wenige Priester gibt. „Kirche in Not“ setzt sich daher besonders für die Ausbildung der angehenden afrikanischen Priester ein und unterstützt Seminaristen in ganz Afrika. Außerdem hilft das Werk beim Bau, Ausbau und der Renovierung von Seminaren.