Ukraine: Einsatz der Gemeinschaft Sant'Egidio für Obdachlose

Immer weniger staatliche Fürsorge

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LEMBERG, 5. Oktober 2011 (ZENIT.org). - Eine Delegation der Gemeinschaft Sant‘Egidio aus Lemberg (Ukraine) hat während der 4. Ökumenischen Sozialwochen der Ukraine zum Thema „Reformen durch Vertrauen" an einer Diskussionsrunde teilgenommen und einen Vortrag mit dem Titel „Die Herausforderung einer neuen Menschlichkeit - Liebe zu den Armen ist Liebe zum eigenen Land" gehalten, wie die Gemeinschaft mitteilt.

Bei dieser Gelegenheit seien Gedanken über die Bedeutung des Dienstes an den Armen und Schwachen auf der Grundlage der Erfahrungen im Einsatz für Obdachlose vorgestellt worden, den Sant‘Egidio seit über einem Jahrzehnt in der Ukraine durchführt.

Denn in diesen Zeiten der globalen Wirtschaftskrise führten städtische Verwaltungen immer weniger Projekte für Ärmere durch. Zudem bereiteten die Nöte der Obdachlosen den Normalbürgern immer weniger Sorgen.

In dieser Hinsicht sei die Verteilung von warmen Mahlzeiten und Kleidung an verschiedenen Punkten von Lemberg, an der sich viele Jugendliche beteiligen, eine wichtige Hilfe der Gemeinschaft Sant'Egidio für die Obdachlosen, vor allen Dingen im Hinblick auf den strengen Winter in dieser Gegend.

In der Ukraine sei Obdachlosigkeit sehr verbreitet, vor allen Dingen in der Hauptstadt Kiew und in den anderen größeren Städten. Die Geschichten dieser Menschen sind sehr unterschiedlich, viele sind alte Menschen und wurden Opfer des wirtschaftlichen Zusammenbruchs der Sowjetunion. Dazu seien in den vergangenen Jahren Jugendliche gekommen, die Opfer der seit Jahren auf dem Land lastenden Wirtschaftskrise würden.

Der Dienst der Gemeinschaft Sant‘Egidio gebe eine Antwort auf die dringendsten Bedürfnisse, möchte den Betroffenen aber auch ihre Würde wiedergeben, indem Beziehungen aufgebaut und eine Beteiligung am gesellschaftlichen Zusammenleben ermöglicht würden. So habe die örtliche Gemeinschaft Sant'Egidio in der westukrainischen Provinzhauptstadt Ivano-Frankisvk am 28. September ein Picknick mit einer Gruppe von Obdachlosen in einem Park im Stadtzentrum organisiert.

Dabei habe ein Restaurant der Stadt ein warmes Essen und einige traditionelle Süßspeisen vorbereitet und gespendet, um eine Zusammenkunft in einem heiteren und familiären Klima zu ermöglichen. Am Ende habe jeder ein Paket mit Lebensmitteln, persönlichen Hygieneartikeln und warmer Kleidung geschenkt bekommen. 

Die Gemeinschaft Sant‘Egidio entstand im Jahr 1968 in Rom in den Jahren nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Heute ist sie eine Laienbewegung, zu der mehr als 60.000 Personen gehören. Sie setzt sich in Rom, in Italien und in mehr als 73 Ländern der Welt für die Weitergabe des Evangeliums und im Dienst an den Armen ein. Sant’Egidio ist ein „Öffentlicher Verein von Gläubigen“ in der Kirche.