Um die „Gabe der Beharrlichkeit“ bitten: Papstbesuch im römischen Priesterseminar

Benedikt XVI. über menschliche Schwäche und göttliche Berufung

| 911 klicks

ROM, 27. Februar 2007 (ZENIT.org).- Christus berufe „diejenigen, die wissen, dass sie voller Fehler sind“, hob Benedikt XVI. am 17. Februar bei einem Besuch im römischen Priesterseminar hervor. Zugleich gab er den Seminaristen den Rat, den Herrn jeden Tag aufs Neue um die „Gabe der Beharrlichkeit“ zu bitten, das einem bereits zugesag sei.



Gianpiero Savino, Priesteramtskandidat aus der Diözese Tarent in Apulien, wollte vom Heiligen Vater wissen, was man angesichts der eigenen Schwächen und Fehler tun könne, um „einer so anspruchsvollen Berufung“ wie der des Priesters, eines „Hirten des Volkes Gottes“, zu entsprechen. „Die anderen sehen in uns junge Männer, die standhaft und mutig Ja sagen und alles zurücklassen, um dem Herrn zu folgen. Wir aber wissen, dass wir weit davon entfernt sind, diesem Ja ganz treu zu sein. Als Söhne gestehen wir Ihnen, dass wir auf den Ruf Jesu nur zum Teil antworten.“

Auf diese vertrauensvollen Worte erwiderte Benedikt XVI. Mit der Feststellung, dass es gut sei, sich der eigenen Schwäche bewusst zu sein und sie anzuerkennen. „So wissen wir, dass wie der Gnade Gottes bedürfen.“ Und der Herr schenke dem Menschen seinen Trost. „Der Herr selbst zeigt uns, dass keiner von uns einfach auf der Höhe dieses großen Ja steht“, fuhr der Heilige Vater fort. Niemand werde der Tatsache gerecht, dass er „in persona Christi“ wirken und „mit Christus in dessen Sendung als Priester vereint“ sein dürfe.

Um uns zu trösten, habe uns der Herr unter anderem auch das Gleichnis vom Acker hinterlassen, „auf dem das Korn wächst, aber auch das Unkraut. Er lässt uns wissen, dass er gekommen ist, um uns gerade in unserer Schwachheit zu helfen; dass er nicht gekommen ist, wie er sagt, um die Gerechten zu berufen; diejenigen, die beanspruchen, schon vollkommen gerecht zu sein, nicht der Gnade zu bedürfen …, sondern diejenigen, die wissen, dass sie voller Fehler sind“. Christus sei gekommen, um jene zu aufzurütteln, „die wissen, dass sie jeden Tag der Vergebung des Herrn und seiner Gnade bedürfen, um weiterzugehen“.

Benedikt XVI. hob hervor, dass es wichtig sei „anzuerkennen, dass wir einer ständigen Bekehrung bedürfen, dass wir nie einfach angekommen sind“. In diesem Zusammenhang unterstrich er die Notwendigkeit, immer wieder das Sakrament der Versöhnung zu empfangen. „Es ist nicht richtig zu denken, dass wir so leben sollten, als bedürften wir nie der Vergebung. Wir müssen unsere Gebrechlichkeit akzeptieren, aber auf dem Weg bleiben; wir dürfen uns nie geschlagen geben, sondern müssen weitergehen – und durch das Sakrament der Versöhnung kehren wir immer wieder um zu einem Neuanfang: um in unserer Gemeinschaft mit dem Herrn zu wachsen und für ihn zu reifen.

Darüber hinaus sei es vonnöten, „sich nicht zu isolieren, nicht zu denken, dass man alleine weitergehen kann“. Jeder brauche die Gesellschaft von Freunden, Priestern und Laien, „die uns begleiten, uns helfen“. Gerade in der Pfarrei sei dass sehr wichtig; so könne der Priester wahrnehmen, „dass ihm die Menschen vertrauen und dass er zusammen mit ihrem Vertrauen auch ihre Großherzigkeit erfährt, weil sie ihm seine Schwächen verzeihen. Die wahren Freunde fordern uns heraus und helfen uns, auf diesem Weg treu zu sein.“

Papst Benedikt erwähnte einen „sehr schönen Brief“, den er von Kardinal Martini empfangen habe: „Ich hatte ihm meine Glückwünsche zu seinem 80. Geburtstag übermittelt – wir sind Altersgenossen. In seiner Antwort hat er mir geschrieben: ‚Ich danke dem Herrn vor allem für die Gabe der Beharrlichkeit. Heute‘, so schrieb er, ‚tut man auch das Gute eher ad tempus, ad experimentum. Das Gute kann man seinem Wesen nach aber nur in endgültiger Weise tun; um es aber endgültig zu tun, bedürfen wir der Gnade der Beharrlichkeit; ich bete jeden Tag darum, dass mir der Herr diese Gnade gewährt‘, so schloss er.“

Der heilige Augustinus hat nach Worten des Papstes eine ähnliche Erfahrung gemacht: „Anfänglich war er zufrieden über die Gnade der Umkehr. Dann jedoch entdeckte er, dass er eine weitere Gnade brauchte, die Gnade der Beharrlichkeit, um die wir den Herrn jeden Tag bitten müssen.“

In diesem Sinn bekräftigte Benedikt XVI.: „Mir scheint, dass wir auf diese Gabe der Beharrlichkeit vertrauen müssen. Gleichzeitig aber müssen wir den Herrn hartnäckig, demütig und geduldig darum bitten, dass er uns beistehe und uns mit der Gabe der wahren Endgültigkeit beistehe; dass er uns Tag für Tag begleite bis zum Ende, auch wenn der Weg durch finstere Täler führen sollte. Die Gabe der Beharrlichkeit gibt uns Freude. Es gibt uns die Gewissheit, dass wir vom Herrn geliebt werden und dass uns diese Liebe trägt; dass sie uns hilft und uns nicht unseren Schwächen überlässt.“