Um ein neues geistvolles Frauenbild bittend

Impuls zum 6. Ostersonntag 2014

Münster, (ZENIT.org) Msgr. Dr. Peter von Steinitz | 424 klicks

Es wird behauptet, die Bild-Zeitung habe ihr Ohr am Puls der Zeit, und daher gebe sie ziemlich genau die Auffassungen der Bundesbürger wieder.

Sollte das tatsächlich so sein, dann gnade uns Gott, denn dann wären wir ein schadenfrohes, habgieriges und egoistisches Volk, eine Nation von Neidhammeln und Genussmenschen. Jeden Tag werden da die Laster der Menschen ausgebreitet, aber nicht um zu warnen und zu bessern, sondern um sie genüsslich zum Sich-Entrüsten oder zur Nachahmung zu servieren.

Jemand hat gesagt, wenn der Mann verdorben wird, so ist das schlimm, wenn aber die Frau verdorben wird, ist das der Tod der Gesellschaft. Fast hat man den Eindruck, dass Letzteres ein Hauptanliegen mancher Medien ist: die Frau zu erniedrigen und das als Befreiung hinzustellen.

Neuester Gag der Bildzeitung: „Die neue Lust der Frauen“ und „Warum Frauen Porno mögen“.

Wenn man das als normal empfindet, sollte man versuchen, die europäische Lebensart von heute mit den Augen der Russen, der Asiaten oder Afrikaner zu betrachten.

Sie sind entsetzt.

Aber ist das wirklich die Einstellung der Leute hierzulande? Sind sie denn wirklich darauf aus, möglichst viel Genuss aus diesem Leben herauszuholen? Und sind alle überkommenen Regeln überholt? Was früher als moralisch schlecht galt – so wird uns von den einschlägigen Medien suggeriert – ist heute gut. Toleranz genügt nicht, Akzeptanz muss es sein. Nietzsche lässt grüßen („Umwertung der Werte“).

Das alles zu beklagen, ist gerechtfertigt, führt aber nicht weiter. Es gilt, dem Ungeist der Zeit etwas entgegen zu setzen, das ganzen aufgeblasenen Unfug wegpustet.

Im Evangelium dieses Sonntags vor Christi Himmelfahrt hören wir eindringliche Worte über den Heiligen Geist, dessen Fest wir ja in Kürze feiern.

Jesus selbst bietet uns eine positive „Umwertung der Werte“ an: statt des aktuellen Ungeistes der Dekadenz, des Hedonismus, der Ideologie: den Geist Gottes, der alles vermag. Selbst wenn die Welt nicht erfüllt wäre von geistlosen Ideen, würden wir seiner bedürfen, da wir aus eigener Kraft nicht zur Wahrheit gelangen können, zur Wahrheit, die uns frei macht. Es ist der „Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt“ (Joh 14,17).

Wie aber soll der Geist der Wahrheit erkannt werden, wenn wir ihn nicht sehen können?

Die unbefleckte Jungfrau ist die ganz und gar menschliche Instanz, die uns zum Erfassen des  göttlichen Geistes hinführen kann. Sie ist in unvergleichlicher Weise mit dem Heiligen Geist verbunden.

Der heilige Maximilian Kolbe hatte, so wird berichtet, in den letzten Tagen seines Martyriums im Hungerbunker von Auschwitz tiefe Erkenntnisse über Maria und den Heiligen Geist. Er verstand das Wort Mariens in Lourdes „Ich bin die Unbefleckte Empfängnis“ als eine Aussage über die Beziehung der Jungfrau Maria zum Heiligen Geist. Danach wäre Maria das geschöpfliche Abbild des Heiligen Geistes, ähnlich wie Christus das ungeschaffene Abbild des Vaters ist. Der Heilige Geist geht vom Vater aus durch ‚Hauchung’, was Maximilian als ‚Conceptio’ verstand. Der Umstand, dass Maria auf die Frage Bernadettes, wer sie sei, ihren ‚Namen’ auf Patois, also im Dialekt der Gegend aussprach: „Que soy era Inmaculado Concepciou“, was grammatisch eine maskuline, nicht feminine Form darstellt, würde diese Interpretation unterstreichen.

Für unser christliches Leben im Alltag kann ein solcher Gedanke dahingehend hilfreich sein, als er uns auf die einzigartige Stellung Mariens im Heilsplan hinweist. Wir sehen aber gleichzeitig, dass Maria mitten in unserem Leben stehen will, denn sie ist von Christus selbst den Menschen als Mutter gegeben, nicht als abstraktes Theologoumenon, sondern als liebevolle Mutter eines jeden von uns.

Ist es nicht so, dass der Gedanke, dass eine solch erhabene himmlische Person meine zärtliche Mutter ist, die alles für mich zu tun bereit ist, zugleich die Wertschätzung, die ich von mir selbst habe, kraftvoll steigert? Dass sie uns heraushebt aus der von der Ideologie verordneten Enge und Banalität. Da ist die wahre Würde des Menschen, von der man gerne spricht, die aber in Wahrheit oft fehlt.

Komm, Heiliger Geist!

Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den hl. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“ und „Leo - Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich).