UN-Ausschuss fordert Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs in Andorra

Vereinte Nationen seien "voller Sorge" für die Rechte der Frauen

Madrid, (ZENIT.org) Iván de Vargas | 238 klicks

Der Ausschuss für die Beseitigung der Diskriminierung der Frau (CEDAW) der Vereinten Nationen hat kürzlich ein Rundschreiben herausgegeben, in dem das Fürstentum Andorra aufgefordert wird, Schwangerschaftsabbrüche zu legalisieren. In diesem Schreiben weist der Ausschuss „voller Sorge“ darauf hin, dass „die Interpretation des Rechts auf Leben, so wie sie in der Verfassung dieses Landes verankert ist, eine Einschränkung der sexuellen und gesundheitlichen Rechte der Frauen“ darstelle. Daher die Aufforderung an das Pyrenäenland, „Schwangerschaftsabbrüche nicht mehr strafrechtlich zu verfolgen und den Zugang zu legalen Schwangerschaftsabbrüchen bei Gefahr für das Leben und die Gesundheit der schwangeren Frau, Vergewaltigung, Inzest oder schwerwiegender Missbildung des Ungeborenen zu erleichtern.“

Diese Aufforderung sei eine Folge des Treffens zwischen der Delegation des Fürstentums Andorra und dem UN-Ausschuss vergangen Monat in Genf, ließ die Tageszeitung „Diari d’Andorra“ letzte Woche wissen. Dasselbe Dokument der UN-Kommission fordere den kleinen Staat auch auf, „den Frauen und jungen Mädchen einen Zugang zu den modernen Verhütungsmethoden zu gewähren und sie über die Risiken einer Schwangerschaft in zu jungem Alter und der Ansteckung mit Geschlechtskrankheiten, besonders AIDS, aufzuklären.“

Das CEDAW führt eine Agenda mit dem Ziel, die Gender-Ideologie und das vermeintliche Recht auf Abtreibung in der ganzen Welt durchzusetzen. In diesem Sinn erwartet das Komitee, dass seine Forderungen bis zum nächsten Treffen mit den Vertretern Andorras im Oktober 2017 angenommen werden. Obwohl die Delegation des kleinen Fürstentums mit einem Verweis zu diesem Thema gerechnet hatte, gehen die Forderungen der Vereinten Nationen weit über die Befürchtungen hinaus, denn sie greifen sogar in das Grundgesetz des Landes ein, maßen sich an, das Recht auf Leben neu zu definieren, und fordern die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen.

Andorra ist seit 1278 ein unabhängiges Land, dessen Amtssprache Katalanisch ist und das an der Grenze zwischen Spanien und Frankreich liegt, nördlich von Katalonien und mitten in den Pyrenäen. Mitglied der UNO ist Andorra seit 1993, dem Jahr, als die neue Verfassung, die durch einen Volksentscheid gewählt worden war, in Kraft trat. Seit 1607 stehen dem Fürstentum zwei „Kofürsten“ vor, die herrschen, aber nicht regieren: Es handelt sich um den Bischof von Urgell und den Staatschef Frankreichs (früher der König, heute der Präsident), der sich durch den Präfekten des Départements der Ost-Pyrenäen vertreten lässt. Bis 1981 lag die Exekutivmacht beim „Generalrat der Täler“, der seitdem die Legislativmacht übernommen hat, während der Chef der damals neu gegründeten Landesregierung die Exekutivmacht übernommen hat und vor dem Generalrat dafür verantwortlich ist. Seit Andorra eine moderne demokratische Verfassung besitzt, wird die Regierung von einem Parlament ernannt, dessen Mitglieder von allen wahlberechtigten Bürgern des Landes gewählt werden.

Das System der Kofürsten erlaubt es dem Bischof von Urgell, gemeinsam mit dem Präsidenten der französischen Republik das Amt des Staatsoberhauptes von Andorra zu bekleiden. Joan-Enric Vives, der seit dem 16. Juni 2003 Bischof von Urgell ist, stammt aus Barcelona, war Sekretär des Erzbischofs von Tarragona und wurde später Weihbischof in Urgell unter dem damaligen Bischof Joan Martí Alanis, der eine der Schlüsselfiguren der politischen Modernisierung Andorras war.