"Unbequeme" kirchliche Denkmale

Katholischer Beitrag zum "Tag des offenen Denkmals" am 8. September 2013

Rom, (ZENIT.org) | 205 klicks

In knapp 2.000 katholischen Kirchen und weiteren kirchlichen Bauten in 24 Diözesen werden anlässlich des bundesweiten „Tag des offenen Denkmals“ am Sonntag, den 8. September 2013, Sonderprogramme und Führungen für Besucher angeboten. Gezeigt werden auch Bereiche, die normalerweise nicht öffentlich zugänglich sind. 

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat den „Tag des offenen Denkmals“ 2013 unter das Motto „unbequeme Denkmale“ gestellt. Hierzu kann die katholische Kirche viel beitragen: Unter ihren zahlreichen Denkmalen befinden sich Asylstätten für Verfolgte, Ruhestätten für Märtyrer sowie Mahnmale für Freiheit – allesamt sperrige Monumente gegen Ideologien. Beispielsweise kann man heute die bildstockartigen „Asylzeichen“ zur Markierung des Schutzbezirks eines ehemaligen Kirchenasyls immer wieder entdecken. Dass die Kirche oft auch unbequeme Aufgaben für das Gemeinwesen wahrgenommen hat, belegen ihre teilweise schon im Mittelalter gegründeten Hospize, Frauenhäuser, Suppenküchen, Wärmestuben, Waisenhäuser und Einrichtungen für psychisch Kranke und Behinderte. Diese „unbequemen Denkmale“ sind – denkmalgerecht modernisiert – vielerorts bis heute in Betrieb. 

„Unbequem“ sind auch die kunstvollen Altäre und gläsernen Sarkophage mit Märtyrer- und Heiligen-Skeletten in katholischen Kirchen. Sie sind nicht nur Glaubenszeugnisse, sondern rütteln auch zum „Memento mori!“ auf. Ebenfalls unbequeme Orte sind die kirchlichen Gedenkstätten für die zahlreichen katholischen Märtyrer des 20. Jahrhunderts: Ihrer Erinnerung sind in Deutschland etliche katholische Kirchen gewidmet. 

Die „Unbequemlichkeit“ des katholischen Kirchbaus der 1930er und 1940er Jahre – herausragende Baumeister waren etwa Dominikus Böhm, Rudolf Schwarz oder Hans Rummel – diente auch später zum Vorbild: Der Nachkriegs-Kirchenbau entwickelte den asketischen Stil weiter, wandte sich vom früheren „Burg“-Modell (Bollwerke gegen den weltlichen Totalitarismus) dem neuen Modell des „Zeltes“ (Pilgerschaft des Volkes Gottes) zu und nutzte die optimierten Werkstoffe Stahlbeton und Glas großzügig in allen Varianten. Einige dieser „Betonkirchen“ stehen heute aufgrund städteplanerischer Wandlungsprozesse leer. Für sie angemessene Nachnutzungskonzepte zu finden, ist eine zwar unbequeme, aber auch sehr spannende Aufgabe für die Kirche. 

Hinweis:

Eine Liste ausgewählter kirchlicher Denkmale, die am 8. September 2013 geöffnet sind, ist dieser Pressemitteilung angehängt sowie zum Herunterladen auf www.dbk.de verfügbar.

Alle Denkmale der katholischen Kirche, die am „Tag des offenen Denkmals“ öffentlich zugänglich sind, finden Sie unter www.tag-des-offenen-denkmals.de/programm. Auf einer Deutschlandkarte sind dort die einzelnen Denkmale durch ein Kirchen-Symbol kenntlich gemacht.