...und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war (Lk 2,6 f)

Christsein bedeutet hinausgehen aus dem, was alle denken und wollen, aus den herrschenden Maßstäben

| 1076 klicks

VATIKANSTADT, 12. Dezember 2012 (ZENIT.org). – Betrachtung zum Weihnachtsevangelium von Papst Benedikt:

Beginnen wir unsere Auslegung bei den letzten Worten dieses Satzes: In der Herberge war kein Platz für sie. Das gläubige Bedenken dieser Worte hat in dieser Feststellung eine innere Parallele zu dem gedankentiefen Wort des Johannes-Prologs gefunden: „Er kam in sein Eigentum und die Seinen nahmen ihn nicht auf“ (Joh 1,11). Für den Retter der Welt, für den, auf den hin alles geschaffen ist (vgl. Kol 1,16), ist kein Platz da..Der außerhalb der Stadt gekreuzigt wurde (vgl. Hebr 13, 12), ist auch außerhalb der Stadt zur Welt gekommen.

Das mag uns nachdenklich machen, hinweisen auf die Umkehrung der Werte, die in der Gestalt Jesu Christi, in seiner Botschaft liegt. Von Geburt an gehört er nicht dem Bereich dessen zu, was weltlich wichtig und mächtig ist. Aber gerade dieser Unwichtige und Ohnmächtige erweist sich als der wahrhaft Mächtige, als der, auf den letztlich alles ankommt. So gehört zur Christwerdung das Hinausgehen aus dem, was alle denken und wollen, aus den herrschenden Maßstäben, um ins Licht der Wahrheit unseres Seins zu finden und mit ihm auf den rechten Weg zu kommen.

Joseph Ratzinger/Benedikt XVI.: Jesus von Nazareth, Prolog: Die Kindheitsgeschichten, Herder, Freiburg 2012, S. 76