"Und mit deinem Geiste"

Einblick in Sinn und Bedeutung der Grußformel

Rom, (ZENIT.org) Edward McNamara LC | 2842 klicks

P. Edward McNamara, Professor für Liturgie am Päpstlichen Athenäum „Regina Apostolorum“ in Rom, beantwortet Leserfragen.

Fragestellung: Vor drei Jahren hat der Heilige Stuhl die englische Übersetzung der dritten Ausgabe des Römischen Messbuchs approbiert, die daraufhin nach und nach in den englischen Sprachgebieten eingeführt wurde. Es war festgelegt worden, dass die Antwort des Volkes auf die Grußformel „Der Herr sei mit euch“ nicht wie vorher „Und mit dir“ („And also with you“), sondern „Und mit deinem Geiste“ („And with your spirit“), lauten musste.

In Bezug auf diese Änderung der liturgischen Praxis bat H. T. aus Kundiawa, Papua New Guinea, P. Edward McNamara um eine gute, theologisch und geschichtlich fundierte Erklärung, die er seinen Gläubigen weiter vermitteln könnte. Er fragte, warum eigentlich so sehr der Geist betont werde und ob nicht auch das Volk den Geist besitze.

P. Edward McNamara: Wie allgemein bekannt ist, hat der Heilige Stuhl darum gebeten, die lateinische Formel „Et cum spiritu tuo“, die als Antwort auf Grußformeln wie „Dominus vobiscum“ benutzt wird, stets wörtlich mit „Und mit deinem Geiste“ zu übersetzen.

In den meisten bedeutenderen Weltsprachen war diese Formel schon wörtlich übersetzt worden. Die Übersetzungen für den englischen Sprachraum und für das portugiesische Sprachgebiet in Brasilien bildeten hierzu eine bedeutsame Ausnahme.

Die Kurzform dieses Dialogs („Der Herr sei mit euch.“ — „Und mit deinem Geiste“) stammt aus dem Buch Ruth (2,4) und aus dem zweiten Timotheusbrief (4,22). Wahrscheinlich hatte das Christentum diese Formeln direkt so übernommen, wie sie in der Synagoge in Gebrauch waren – z. B. beim hl. Hippolytus (100-165) ist klar dokumentiert, dass Christen sie von Anfang an benutzten.

Seit frühester Zeit hatte man also diese Ausdrücke in ihrer ursprünglichen Form beibehalten – und das, obgleich sowohl die Mentalität der Griechen als auch die der Römer den Christen fremd war. Dies spricht dafür, dass die Ausdrucksweise in unseren derzeitigen Übersetzungen unverändert beibehalten werden sollte. Man stellt damit eine lebendige Verbindung zu den geschichtlichen Ursprüngen des Christentums her, wie das auch bei der Beibehaltung von hebräischen Formeln und Ausdrücken wie „Amen“, „Halleluja“ und „Hosanna“ geschieht.

Die Formel „sei mit dir“ („be with you“) wird als Gruß betrachtet, mit dem Wohlwollen signalisiert und eine Tatsache anerkannt wird: Der Herr ist gegenwärtig. Die Antwort „Und mit deinem Geiste“ in semitischer Sprache bedeutet sinngemäß „Und auch mit dir“, da „dein Geist“ wörtlich „deine Person“ bedeutet. Deshalb könnte man sagen, dass die ehemalige englische Übersetzung den hebräischen Grundgedanken korrekt wiedergab.

Historisch gesehen war der Ausdruck jedoch schnell aus dem Kontext, den er bei den Juden besaß, herausgelöst worden. Die Kirchenväter haben ihn in dem Sinne ausgelegt, dass mit dem Geist jener Geist gemeint sei, den der Bischof oder Priester bei der heiligen Weihe empfangen hatte. So nimmt z.B. der hl. Johannes Chrysostomus in seiner Predigt über den zweiten Timotheusbrief (in II Tim. sermo, 10,3. PG 62, 659 ff.) Bezug auf „deinen Geist“, indem er von der Einwohnung des Geistes spricht: „Es gibt kein besseres Gebet als dieses. Seid nicht betrübt, weil ich weggehe. Der Herr sei mit euch. Und er sagt nicht mit euch, sondern mit eurem Geiste. Es gibt also einen doppelten Beistand, die Gnade des Geistes und Gott, der nachhilft. Andernfalls wird Gott nicht mit uns sein, wenn wir nicht in geistlicher Gnade stehen. Denn wenn die Gnade uns verließe, wie sollte er dann mit uns sein?“ In seiner ersten Pfingstpredigt (PG L 458 ff.) sieht Johannes Chrysostomus in diesem zur Antwort gehörenden Begriff „Geist“ eine Anspielung auf die Tatsache, dass der Bischof das Opfer in der Kraft des Heiligen Geistes vollstreckt.

Solche unter den Kirchenvätern vorzufindende Gedanken führten dazu, dass man von früher Zeit an den Gruß „Dominus vobiscum“ denjenigen vorbehielt, die die höheren Weihen empfangen hatten: Bischöfe, Priester und Diakone. Die liturgische Grußformel bleibt auch heute noch Personen vorbehalten, die die Weihe empfangen haben. Laiengläubige, die z.B. einen Wortgottesdienst mit Spendung der hl. Kommunion oder das Stundengebet leiten, dürfen den Gruß mit seiner Antwortformel nicht benutzen.

Das bedeutet aber nicht etwa, dass Laien der Geist fehle oder dass sie lediglich passive Zuschauer der liturgischen Handlung wären. Durch ihre Antwort wird die Zusammenkunft zur liturgischen Versammlung, der der Priester im Namen des Herrn vorsteht und die so ihre Antwort auf den Ruf des Herrn artikuliert. Wie der große Liturgiewissenschaftler und Jesuit Josef Andreas Jungmann schrieb:

„Am besten können wir das ‚Und mit deinem Geiste‘ als eine Zustimmung des Volkes zum Wirken des Priester verstehen, nicht in dem Sinne, dass die Gemeinde dem Priester Autorität oder Macht verleihen würde, um an ihrer Stelle zu handeln, sondern dass die Gemeinde ihn einmal mehr als Sprecher anerkennt, unter dessen Leitung sich die versammelte Gemeinschaft dem allmächtigen Gott naht. So haben wir im Gruß und in seiner Antwort einen Doppelklang, der am Ende des Tagesgebets wieder erschallt; das ‚Dominus vobiscum‘ scheint der Vorläufer des am Ende des Tagesgebets verwendeten ‚per Christum‘ zu sein; das ‚et cum spiritu tuo‘ ist seinerseits ein Vorläufer der Zustimmung des Volkes, die mit dem ‚Amen‘ zum Ausdruck kommt“ (The Mass of the Roman Rite, Vol. I, p. 365 – deutsches Originalwerk: Missarum Sollemnia. Eine genetische Erklärung der Römischen Messe. Band I).

Obwohl es für uns heute schwierig ist, die Dynamik, die in diesem kurzen Austausch enthalten ist, zu erfassen, könnte die neue Übersetzung einen ausgezeichneten Anlass dafür bieten, um die aktive Teilnahme der Glaubenden an der Liturgie und den wahren theologischen Sinn hierarchischer Gemeinschaft in der katechetischen Unterweisung zu unterstreichen.

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Nachfolgeartikel zu: „Und mit deinem Geiste“

Auf meine Erklärungen hinsichtlich der Antwort „Und mit deinem Geiste“ hin, hat ein Leser aus Missouri auf respektvolle Weise darauf hingewiesen, er stimme nicht mit meinem Kommentar überein, wonach die ehemalige Übersetzung „Und mit dir“ („And also with you“) den hebräischen Grundgedanken korrekt wiedergegeben hätte.

Obwohl die erwähnte Aussage nicht zum Hauptthema gehörte, glaube ich dennoch, dass der Kommentar unseres Lesers unseren Artikel in korrekter Weise ergänzt. Er schreibt: „Nach einem von Paulinus Milner in ‚Studies in Pastoral Liturgy‘, Bd. 3, veröffentlichten und von Placid Murray, OSB (Dublin: The Furrow Trust, 1967) herausgegeben Artikel bedeutet das hebräische Wort ‚nephesh‘ ‚Seele‘ oder ‚Geist‘ – wobei es sich aber auch auf das eigene ‚Selbst‘ (Ich) beziehen kann. Die Texte, die am ehesten diese Übersetzungsweise in einer semitischen Sprache wiedergeben (vgl. Syrische Übersetzung der Traditio Apostolica), benutzen jedoch nicht ein ‚nephesh‘ gleichbedeutendes Wort, sondern vielmehr ‚ruah‘, was lediglich ‚Atem‘ oder ‚Geist‘ bedeutet. Außerdem wird das griechische Wort ‚pneuma‘ in der Septuaginta nie benutzt, um das hebräische Wort ‚nephesh‘, sondern um ‚ruah‘ wiederzugeben. Daher stellt die liturgische Ausdrucksweise ‚Und mit dir‘ (‚And also with you‘) keine korrekte Übersetzung des hebräischen Grundgedankens dar.“ 

Übersetzt von P. Thomas Fox, LC aus den englischen Originalartikeln "And With Your Spirit" und What "Consubstantial" Means.