Und sie legten ihn in eine Krippe

Krippendarstellungen in der Heiligen Stadt

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Von Jan Bentz

ROM, 5. Dezember 2011 (ZENIT.org). – Krippenszenen, eine der am meisten verbreiteten Traditionen weihnachtlichen Brauchtums, sind bei den Italienern besonders beliebt. Der Vatikan macht es vor: Auf dem Petersplatz wird alljährlich eine lebensgroße Krippenszene aufgebaut, immer mit verschiedenen Motiven und von unterschiedlichen Künstlern inspiriert. Obwohl es sich wohl um die größte Krippe in Rom handelt, ist es keinesfalls die einzige an zentralen Plätzen der Stadt. In der Heiligen Stadt werden auf zahlreichen öffentlichen Plätzen die schönsten Krippen zur Schau gestellt.

Die prächtigste Krippe außerhalb des Vatikans befindet sich auf der Piazza Navona, gestellt und auch aufgebaut von der „Associazione italiana amici del Presepio“ („Italienische Gesellschaft Freunde der Krippe“). Die Gesellschaft baut ihre herrlichen Krippenlandschaften aber auch an weniger atmosphärischen, jedoch genauso geschäftigen Orten auf, wie beispielsweise auf dem römischen Flughafen „Fiumicino“, wo in diesem Jahr Krippendarstellungen aus allen fünf Erdteilen zu bewundern sind.

Auch in den meisten Kirchen wird keine Mühe gescheut, um die „eigene“ Krippe ganz besonders prachtvoll zu gestalten. So bietet ein pilgernder Streifzug durch die Kirchen Roms in der Weihnachtszeit wahre Leckerbissen von Krippenlandschaften jeder Größe und Ausstattung, meistens mit wertvollen Figuren.

Schon in frühchristlicher Zeit finden sich Darstellungen, die das Weihnachtsgeschehen in Bildern erfassen. Die figürliche, plastische Krippe jedoch entstand um einiges später, man führt sie auf Franz von Assisi zurück. In Italien verbreitete seit dem Ende des 15. Jahrhunderts die Krippenkultur besonders von Neapel aus, wo sie zunächst beim Adel und in den Kirchen zu finden war.

Krippendarstellungen lassen sich in zwei große Kategorien einteilen: die „orientalischen Krippen“, Darstellungen, die historisch präzise die Kultur zurzeit von Jesu Geburt in Bethlehem nachempfinden möchten, und die „Volkskrippen“, zu denen alle andern Krippenvarianten gehören, die Landschaften, Kleidung und auch Dinge des alltäglichen Lebens des jeweiligen Herkunftsortes nachbilden. Die weltberühmtesten sind wohl die neapolitanischen Krippen, die mit einer unendlichen Detailfreudigkeit alle Dinge des Alltags mit einbeziehen, vom Kochtopf bis zum Gemüsebündel. Die „Hauptpersonen“ tragen liebevoll ausgestaltete und - wie die heiligen drei Könige - meist prachtvoll verzierte, kostbare Gewänder.

Die „Italienische Gesellschaft Freunde der Krippe“ wurde 1953 in Rom gegründet und rechtlich 1967 anerkannt. Sie macht sich zur Aufgabe, die Tradition der Krippe weiterleben zu lassen, zu verbreiten und all ihre Aspekte zu studieren und zu vertiefen: religiöse, historische, folkloristische und technische.

Das offizielle Organ der Gesellschaft ist die Quartalsschrift „Il Presepio“ („Die Krippe“), einzigartig in ihrer Art in Italien, eine Veröffentlichung, die historische, technische und bibliographische Nachrichten beinhaltet wie auch Nachrichten über alle Arten der krippenbezogenen Aktivitäten auf der ganzen Welt.

Durch etwa sechzig Anlaufstellen in ganz Italien organisiert die Gesellschaft technische Kurse des Krippenbaus, Ausstellungen und Konferenzen sowie jedes Jahr auch einen nationalen Kongress.

Die Gesellschaft gehört der „Universalis Foederatio Praesipistica“ an, die alle Krippen-Gesellschaften in ungefähr 20 Ländern der Welt zusammenfasst und alle vier Jahre einen internationalen Kongress ausrichtet.

In der Nähe des Sitzes der Gesellschaft befindet sich im Zentrum von Rom das überaus sehenswerte „Internationale Krippenmuseum“, eine private Initiative, benannt nach „Angelo Stefanucci“. Es umfasst eine Sammlung von ca. 1000 antiken und modernen Krippen aus aller Welt und in jeder Größe. Der Eingang befindet sich in der Kirche "Chiesa dei Ss. Quirico e Giulietta“ in der Nähe des antiken Forum, Via Tor de' Conti 31/a. Geöffnet mittwochs und samstags, in der Weihnachtszeit ab 25.12. täglich.

Um mehr Informationen zu erhalten, besuchen Sie die Webseite der Gesellschaft: www.presepio.it.

Deutsche Krippenvereine finden Sie hier