Unerklärliche Heilung öffnet Weg zur Seligsprechung von Schwester Dulzura

Postulator für Selig- und Heiligsprechung erzählt die Geschichte der argentinischen Schwester

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Von H. Sergio Mora

ROM, 7. Februar 2012 (Zenit.org). – Bei den Mitschwestern ihrer Ordensgemeinschaft ist sie als „Schwester Süße“ bekannt und eine unerklärliche Heilung, die ihrer Fürsprache zugeschrieben wird, hat nun den Weg für ihre Seligsprechung eröffnet.

„Schwester Dulzura“, was übersetzt „Süße“ bedeutet, heißt die argentinische Ordensfrau María Pérez Crescencia in der Erinnerung ihrer Mitschwestern der Kongregation „Figlie di Maria Santissima dell'Orto“. Bald wird sie selig gesprochen werden, doch steht bisher noch kein genauer Termin fest.

Am 19. Dezember vergangenen Jahres beglaubigte Benedikt XVI. die Verkündung eines Dekrets, das ein Wunder dank der Fürsprache von Schwester Crescencia bezeugt.

Dr. Enrico Venanzi, Postulator des Seligsprechungsprozesses, sprach mit ZENIT über die Schwester.

ZENIT: Es scheint, als habe dieser Seligsprechungsprozess das öffentliche Interesse in Argentinien und Chile geweckt.

Venanzi: Ja, sogar auf höchster Ebene. Im Jahr 1997 erklärte das argentinische Abgeordnetenhaus den Seligsprechungsprozess zum „parlamentarischen Interesse“ und forderte die Regierung der Republik auf, eine „Erklärung von nationalem Interesse“ abzugeben, welche am 25. August 2000 mit einem Dekret öffentlich bekannt gegeben wurde. Darüber hinaus hat die chilenische Botschaft beim Heiligen Stuhl bei mehreren Gelegenheiten auf das aufmerksame Interesse hingewiesen, mit dem dieser Seligsprechungsprozess in Chile verfolgt wird.

ZENIT: Was weiß man über die letzten Momente ihres Lebens?

Venanzi: Laut Zeugenaussagen von Menschen, die sich zum Zeitpunkt ihres Todes bei ihr befanden, waren ihre letzten Worte: „Herz Jesu ich bitte Dich um einen besonderen Segen für Chile, da es Gottes Wille ist, dass ich hier sterbe. Mit Freude opfere ich mich für Frieden und Ruhe dieser Nation auf.“

ZENIT: Wo wurde sie geboren? Was ist über ihre Familie bekannt?

Venanzi: Ihre Eltern waren spanische Einwanderer; unter ihren engen Verwandten gab es einen Priester und drei Nonnen.

Sie wurde im Jahre 1897 in San Martín in der Provinz Buenos Aires geboren. Bis zum Alter von 10 Jahren lebte sie bei ihrer Familie. Dann ging sie nach Pergamino, um an der Schule der Ordensschwestern „Figlie di Maria Santissima dell'Orto“ zu studieren. Dort erkannte sie ihre religiöse Berufung.

ZENIT: Und dann?

Venanzi: 1919 legte sie ihr Ordensgelübde ab und nahm den Namen Crescencia an; ihr Taufname war Maria Angelica.

Sie arbeitete an der Schule, die gleich neben dem Ordenshaus in Buenos Aires lag, und diente am Estela Otamendi Institut in San Fernando. Schließlich wurde sie an die in der Rincón-Strasse angesiedelte Schule der Kongregation versetzt.

Von 1924 bis 1928 hielt sie sich in Mar del Plata auf, wo sie im Marítimo-Krankenhaus in der Kinderabteilung arbeitete, obwohl sich ihr Gesundheitszustand stetig verschlechterte. Später ging sie nach Chile in den Ort Quillota, und kam schließlich an ihre letzte Wirkungstätte, dem Nicolás Naranjo Krankenhaus in Vallenar. Dort verstarb sie im Jahre 1932.

ZENIT: Was haben Sie im biographischen Profil über sie geschrieben?

Venanzi: Im Vorwort ihres biographischen Profils schrieb ich: „Das Leben der Ordensfrau entfaltete sich auf sehr begrenztem geographischen Gebiet:  Ihr Leben war nicht reich an großen äußeren Ereignissen, die Spuren im bürgerlichen Leben hinterlassen. Sie blieb von derartigen Ereignissen unberührt, verborgen in der Einhaltung der Ordensregeln. Sie war ausgewählt, den Ruf des Herrn zu erhören und Ihm das eigene Leben zu weihen. Daher wird man vergeblich nach Elementen suchen, die sie mit ihrer Epoche in Verbindung bringen. Ihr Leben war von großem inneren Reichtum geprägt, vollkommen beseligt und verzehrte sich buchstäblich in ihrer Hingabe an Gott und an ihre Nächsten, besonders an die Kranken. Dies steht ganz im Geiste der „Gianellina"-Ordensfrauen, und dies spiegelt zweifellos den Geist von Schwester Maria Crescencia Pérez wider.“


ZENIT: Erzählen Sie uns etwas über die Kongregation „Figlie di Maria Santissima dell'Orto“.

Venanzi: Der Orden wurde 1829 von einem ligurischen Priester, Antonio Maria Gianelli (1779-1846) gegründet, der im Jahre 1838 zum Bischof von Bobbio ernannt wurde. Er war ein bedeutender Zeuge des Evangeliums, und wurde folglich 1925 selig und im Jahr 1951 schließlich heilig gesprochen.

ZENIT: Ist für die Seligsprechung nicht ein Wunder notwendig?

Venanzi: Das Wunder geschah im Jahr 1997. Eine unerklärliche Heilung, denn es handelte sich um einen komplizierten Fall von akuter Hepatitis A, der von Organschwäche und insulinbedingtem Diabetes erschwert wurde.

ZENIT: Weshalb bat die Patientin ausgerechnet Schwester Crescencia um ein Wunder?

Venanzi: Kurz zuvor hatte sie im Krankenhaus, wo die Gemeinschaft der Gianellina- Nonnen arbeitet, die Geschichte von Schwester „Dulzura“  und von der Kongregation  der „Figlie di Maria Santissima dell'Orto“ gehört. Die Ordensfrauen beteten um ihre Fürsprache.

ZENIT: Wann wurde sie geheilt?

Venanzi: Die plötzliche Heilung vollzog sich im italienischen Krankenhaus, wo sich der Gesundheitszustand in nur wenigen Stunden verbesserte.

Die Patientin sagte, dass sie während einer im Krankenhaus durchgeführten Biopsie „mitten im großem Leid plötzlich das Gefühl hatte, als ob alles aus meinem Leben verschwunden sei, und ich war von einem unendlichem Frieden erfüllt. War dies der Moment, in dem Schwester Crescencia mir die Gnade der Heilung geschenkt hatte?“

Innerhalb von 48 bis 72 Stunden war sie vollständig geheilt. Die Heilung wurde als unerklärlich bezeichnet. Ein Arzt der Abteilung für Intensivmedizin äußerte, die Heilung sei „wirksam und in außergewöhnlicher Geschwindigkeit erfolgt.“

ZENIT: Wo und wann wird die Seligsprechung stattfinden?

Venanzi: Diese Fragen sind rein organisatorischer Natur. Die Seligsprechung wird in Argentinien stattfinden, wahrscheinlich in Pergamino. Dies hängt von vielen Faktoren ab. Wenn es ihm möglich ist, wird Kardinal Angelo Amato anwesend sein, obwohl noch nichts von alldem mit Sicherheit fest steht.

[Übersetzung des italienischen Originals von Sabrina Toto]