Unfreiwillige Immigration: Guatemalas Bischöfe fordern radikale Lösungen

Zuwanderer sind Brüder im Glauben und Mitglieder derselben Familie Gottes

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GUATEMALA, 2. September 2009 (ZENIT.org).- Die Bischöfe Guatemalas haben die Regierungsbehörden aufgefordert, „radikale Lösungen für das Phänomen der unfreiwilligen Immigration“ zu suchen. Die Behörden werden um mehr „Achtsamkeit im Hinblick auf Gruppen des organisierten Verbrechens“ gebeten, „die entlang der Grenzen und im Inneren unserer Länder tätig sind“, wobei es insbesondere um Drogenhändler und Schlepperorganisationen geht.

Angesichts des Mangels an Maßnahmen in der Migrationspolitik, die die ganze Komplexität dieses Phänomens in Betracht ziehen, „wirkt sich die Immigration auch sehr negativ auf die Stabilität der Familien aus“, insbesondere wenn die weitverbreitete Gleichgültigkeit gegenüber den Zuwanderern damit einhergehe und man vergesse, dass es sich um „Brüder im Glauben und Mitglieder derselben Familie handelt“, bekräftigen die lateinamerikanischen Oberhirten in ihrem Hirtenbrief „Immigration und Glaube“.

Der Vorsitzende der bischöflichen Kommission für menschliche Mobilität, Bischof Alvaro Ramazzini von San Marcos, fordert mit Blick auf den Tag des Migranten, der in Guatemala am kommenden 6. September begangen wird, dass Zuwanderer „als Brüder und Schwestern betrachtet“ werden müssten und „fürsorglich aufgenommen werden sollten“.

In dem Hirtenbrief, der von der Nachrichtenagentur Fides vorgestellt worden ist, heißt es auch, dass „Tausende Christen, Katholiken und Nichtkatholiken das Leid, die Schwierigkeiten, die Sorgen, Träume, Illusionen und Hoffnungen der Zuwanderer zwar kennen“, dass dies aber das eigene Gewissen und Gefühlsleben nicht beeinflusse. Deshalb müsse bekräftigt werden, dass „die bevorzugte Option für die Armen“, die von den Bischöfen in Aparecida (Brasilien) bekräftigt worden sei, als Realität „alle unsere pastoralen Strukturen durchziehen muss“. Wo immer es Personen gebe, die Opfer einer „ungerechten“ Gesellschaft sind; Männer und Frauen, die „unter dem Mangel an Möglichkeiten leiden“, dort seien Christen dazu berufen, ihren Beitrag zu leisten und ihren Glauben „auf echte Weise umzusetzen“.

Nach Ansicht von Erzbischof Ramazzini „hilft der Glaube uns, das Phänomen der Immigration als einzigartige Möglichkeit zur Umsetzung des Mitgefühls und der Liebe des Guten Samariters zu betrachten“. Weshalb eine „rein helfende Vision überwunden werden muss, obschon diese notwendig ist, um gemeinsam als Kirche, als Gottesvolk, als Leib des Herrn Wege und Möglichkeiten zu finden, damit Migrationspolitiken entwickelt werden, die die Würde achten und das Leben der Immigranten schützen.“

„Wenn wir Gläubige sein wollen, die das leben, was sie glauben, dann dürfen wir nicht über die gegenwärtige Lage der Zuwanderer hinwegsehen, die jeden Tag angesichts der Gefahren, mit denen sie auf der Reise konfrontiert werden, ihr Leben aufs Spiel setzen“, heißt es in Hirtenbrief.

Zugleich weist der Bischof von San Marcos darauf hin, dass „wir Gott für das apostolische Engagement aller danken müssen, die ihre Zielländer erreicht haben“ und „dort das Evangelium verkünden und ihren Glauben weitergeben“. Durch ihr apostolisches und missionarisches Handeln würden sie helfen, „die Kirche als strahlende Braut darzustellen, ohne Makel und Falten“.

Die Botschaft endet mit einer herzlichen Einladung an die christlichen Gemeinden in den Diözesen und Vikariaten des Landes, den Tag des Migranten zu begehen „und sich in besonderer Weise der Angehörigen anzunehmen, die unter der Ferne ihrer Lieben leiden“. Alle Bürger Guatemalas sollten die „Nächstenliebe des Barmherzigen Samariters“ durch Gesten der Solidarität umsetzen.