Ungarn: 14 von 358 Religionsgemeinschaften vom Staat anerkannt

Ein neues Gesetz sieht diese dramatische Einschränkung vor, um Betrügereien zu vermeiden

| 1108 klicks

BUDAPEST, Mittwoch, 14. September 2011 (ZENIT.org).- Am 1. Januar 2012 wird in Ungarn ein umstrittenes neues Gesetz in Kraft treten, durch das die Zahl von 358 staatlich anerkannten Religionsgemeinschaften auf 14 reduziert werden soll.

Das neue Gesetz erkenne die katholische Kirche an, deren Gläubige mehr als die Hälfte der Bevölkerung ausmachten, lasse jedoch Religionsgemeinschaften wie die traditionellen islamischen Gemeinden und Methodisten im „Abseits“, mit der Möglichkeit einer erneuten Anerkennung, so der „Osservatore Romano“ am Dienstag.

Deshalb habe eine Gruppe von politischen Ex-Dissidenten während der kommunistischen Jahre einen Appell an die Leiter der europäischen Institutionen gerichtet, in welchem sie den Respekt vor dem Recht auf religiöse Freiheit forderten.

Die Ungarische Katholische Bischofskonferenz befasste sich mit dieser Frage in ihrer Sitzung am 6. und 7. September. Der Nuntius, Erzbischof Alberto Bottari de Castello, hob hervor, dass „dieses Gesetz zwar ein Gesetz zur Religionsfreiheit genannt wird, es bezieht sich jedoch lediglich auf den rechtlichen Status von Kirchen und Religionsgemeinschaften“.

In der Praxis behalte sich der Staat die Definition ihres rechtlichen Status vor, was die katholische Kirche als Haltung des „Sorgfalt und Respekt“ beurteile, so der Nuntius.

In der Tat hat das neue Gesetz zum erklärten Ziel, die enorme Verbreitung von Verbänden einzuschränken, die in den letzten zwanzig Jahren beziehungsweise seit dem Ende des totalitären Regimes von der öffentlichen Unterstützung profitiert haben, indem sie sich zu einer Kirche oder Religionsgemeinschaft erklärt hatten.

Die von der Liste ausgeschlossenen Gruppierungen können eine erneute Anerkennung beantragen, wofür die Zustimmung einer Zweidrittelmehrheit der Parlamentsmitglieder und die Erfüllung verschiedener Bedingungen nötig sei, wie zum Beispiel die deutliche Darlegung der eigenen Glaubensinhalte, das Aufzeigen einer Organisationsstruktur und der Nachweis einer mindestens 20-jährigen Präsenz in Ungarn.

Eine Korrektur im Gesetzesvorschlag in letzter Minute strich das Erfordernis von mindestens tausend Anhängern.

Das ungarische Parlament verabschiedete das Gesetz am 12. Juli mit 254 Ja-Stimmen und 43 Gegenstimmen. Jedoch wurde eine Reihe von Protesten als Reaktion hervorgerufen. Sechzehn kleinere Religionsgemeinschaften, die dazu bestimmt waren, ihre offizielle Anerkennung zu verlieren, appellierten an das Verfassungsgericht und richteten einen Brief an die wichtigsten politischen Behörden des Landes.

Darüber hinaus richteten fünfzehn Schriftsteller, Intellektuelle und Politiker, die in den siebziger und achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts in der Oppositionsbewegung gegen den Kommunismus eingebettet waren, einem offenen Brief an einige Beamte der Europäischen Union, in dem sie ein entschlossenes Handeln zur Verteidigung der Religionsfreiheit und anderer Grundfreiheiten forderten.

Der für die Kommunikation zuständige Staatssekretär der Regierung, Zoltán Kovács, hob in seiner Antwort klar hervor, dass das neue Gesetz das „unveräußerliche Recht des Einzelnen, eine Religion zu wählen und auszuüben“ voll anerkenne.

Er fügte hinzu, dass der Staat die Identität von vierzehn Konfessionsgemeinschaften festgestellt habe, um ihnen spezielle finanzielle Unterstützung für ihre eingenommene Rolle im humanitären Bereich zu gewähren.

[ZENIT-Übersetzung des spanischen Originals]