Universales Heil, das die Kirche vermittelt, ist untrennbar von der sakramentalen Identität des Priesters

Beiträge über die Unterwanderung des Bildungssystems, Angriffe durch biblische Fundamentalisten und die Stellung des Priesters

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Von Jan Bentz

VATIKANSTADT, 12. Oktober 2012 (ZENIT.org). – Nach dem Morgengebet und einer kurzen Besinnungspredigt seiner Exzellenz John Onaiyekan, Erzbischof von Abuja in Nigeria, hat die Bischofssynode mit ihrer heutigen 7. Generalsitzung begonnen.

Kardinal Mauro Piacenza, Präfekt der Kongregation für den Klerus, widmete sich Nr. 109 des „Instrumentum Laboris“, den ordentlichen Amtsträgern der Kirche und der Evangelisierung. Bei diesen ordentlichen Amtsträgern handle es sich um die Priester. Kardinal Piacenza hob hervor, dass die sinkende Zahl der Berufungen keinen Anlass geben dürfe, Lösungsvorschläge vorzubringen, die der Natur des Priestertums entgegengesetzt seien, sie schwächten oder verschleierten. Das universale Heil, das die Kirche der Welt vermittle, sei wesentlich mit der ontologisch-sakramentalen Identität des Priesters verbunden. Priester hätten eine „nicht austauschbare spezifische Rolle“. Dabei dürfen vor allem in zwei Punkten keine Reduktionen vorgenommen werden: zunächst in der Rolle des Priesters, seiner Stellung in der Kirche, des übernatürlichen Ursprungs des Priestertums und seiner unvergleichlichen Verbindung mit der Eucharistie. Unter die konstituierenden Elemente zähle auch der Zölibat. Zweitens dürfe die priesterliche Identität nicht verschleiert werden. Eine zahlenmäßige Abnahme der Christen brauche keine „klerisierten“ Laien, sondern vielmehr eine Vertiefung des Glaubens jedes Einzelnen, auch des Glaubens der Priester.

Bischof Enrico dal Covolo, Rektor der Lateranuniversität, spezifizierte die Anforderungen und Herausforderungen der Neuevangelisierung in katholischen Schulen und Universitäten. Schulen und Universitäten seien gleichermaßen mehr und mehr dem Staat unterworfen. Dies geschehe nicht nur durch „sogenannte Reformprogramme“ sondern auch durch die Inhalte der Schul- und Textbücher. Dadurch würde den Studenten die Bildung einer christlichen Weltanschauung erschwert; immer öfter würden ihnen sogar Inhalte vermittelt, „die diametral den christlichen Lehren entgegengesetzt“ seien. Dal Covolo nannte den „Bologna Prozess“ ein explizites Beispiel einer verstaatlichenden Bildungsreform. Ein weiteres Problem seien Professoren und Lehrer, die an staatlichen Universtäten ausgebildet würden, um dann an kirchlichen Institutionen zu lehren. Einige wären ein „Trojanisches Pferd“, das untergrabende Lehren und Missverständnisse in das Herz der katholischen Bildungsinstitutionen bringe. Eine Neuevangelisierung müsse in der Familie beginnen, in der Schule weitergeführt und in der Universität vollendet werden, damit gerade junge Erwachsene für ein überzeugendes Glaubenszeugnis ausgebildet würden.

Als letzter Sprecher der heutigen Vormittagssitzung trug Patrick Pinder, Erzbischof von Nassau, vor. Pinder drückte den Wunsch aus, dass die Synode konkrete Vorschläge zur Umsetzung der Strategien für die Neuevangelisierung vorbringen werde. Er reihte sich zudem in die Reihe derer ein, die während der Synodenvorträge eine solides Glaubenswissen als Voraussetzung für eine Neuevangelisierung gefordert hatten.

Die Säkularisierung und Herausforderungen der Globalisierung seien in allen Kulturen sichtbar. „Menschen sind unsicher, was die Wahrheit ist; sie driften vom Glauben weg und sind nicht fähig, ihren Glauben zu verteidigen“, so der Erzbischof. Menschen suchten nach Substanz, nach Führung und einer klare Linie für ihr Leben. Einige Menschen würden von der katholischen Kirche weg zu den biblisch fundamentalistischen Gruppen getrieben, da sie sie dort vermeindlich einen überzeugteren Glauben fänden. Die Kirche lehne aber eine fundamentalistische Interpretation der Bibel ab.

Erzbischof Pinder: „Die Kirche hat diese Bewegungen untersucht und sie nicht als authentische Wege zum Heil erkannt.“ Die Neuevangelisierung stelle den Christen also die Aufgabe, eine geistliche Sicherheit zu bieten, die die Menschen suchten. Jeder einzelne Christ müsse überzeugter Zeuge und Apostel seines Glaubens werden, mit Kenntnis des Katechismus und fähig, Glaubensinhalte zu erklären. Beispielhaft sei die Stelle des Matthäusevangeliums, in der vom Hausherrn die Rede ist, der „Altes und Neues aus seinem Speicher hervorholt“.