Universität Regensburg: Papst-Benedikt-Lehrstuhl eingerichtet

Erforschung und Herausgabe einer kritischen Gesamtausgabe des theologischen Lebenswerkes von Joseph Ratzinger

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REGENSBURG, 27. Februar 2007 (ZENIT.org).- Der Regensburger Diözesanbischof Dr. Gerhard Ludwig Müller gab am Freitagvormittag im Beisein von Rektor Professor Dr. Alf Zimmer im Senatssaal der Universität Regensburg offiziell die Einrichtung des Papst-Benedikt-Lehrstuhls bekannt.



Der Lehrstuhl, der von der Papst-Benedikt-Stiftung der Diözese Regensburg getragen wird, wolle das akademische Lebenswerk Papst Benedikts XVI. würdigen, erläuterte Bischof Müller. „In einem Brief hat der Heilige Vater die Idee eines Stiftungslehrstuhls begrüßt, da somit die beste Voraussetzung für das Projekt seiner Opera omnia geschaffen wird.“ Der Papst habe in dem Schreiben darauf hingewiesen, „dass sich die Arbeit nicht einfach an meinem persönlichen Werk festmachen muss, sondern von da aus um den Fortgang einer gesunden und gläubigen Theologie überhaupt ringen soll.“ Den Bischof von Regensburg habe er beauftragt, sich mit den organisatorischen Fragen zu befassen, „die zur Umsetzung des Projekts führen sollen“.

Wie Bischof Müller berichtete, wird sich der Papst-Benedikt-Lehrstuhl „der Herausgabe einer kritischen Gesamtausgabe des theologischen Lebenswerkes des Heiligen Vaters widmen und eine vertiefende Forschung der Theologie Joseph Ratzingers und ihrer Wirkungsgeschichte anregen, denn er ist zweifellos einer der bedeutendsten theologischen und philosophischen Denker der Gegenwart“.

Der Einrichtung waren Gespräche mit dem bayerischen Wissenschaftsminister Dr. Thomas Goppel und Rektor Zimmer vorausgegangen. Der Schülerkreis Professor Ratzingers wird die Stiftung mittragen. Internationale Aktivitäten sollen dadurch auf Regensburg zentriert werden, teilte Dr. Ludwig Weimer vom Schülerkreis mit. Zustiftungen werden möglich sein. Die Finanzierung des Lehrstuhls werde nicht zu Lasten der bisherigen Aufgaben des Bistums etwa in den Bereichen von Caritas, Verkündigung und Pfarrei sein, teilte Bischof Gerhard Ludwig mit.

Professor Dr. Alf Zimmer nannte die Einrichtung, zu der auch ein wissenschaftlicher Mitarbeiter und eine Sekretariatskraft gehören werden, „eine großherzige Gabe der Diözese Regensburg an die Universität“.

In seiner Zeit als Professor hatte Joseph Ratzinger wiederholt auf die Bedeutung der Geistes-, Kultur- und Gesellschaftswissenschaften im Sinne einer ganzheitlichen Sicht des Menschen hingewiesen. Bischof Gerhard Ludwig betonte, die Initiative stärke die Geisteswissenschaften in einer Zeit, da „manche ‚Bildungspolitiker‘ Wissenschaft mit bloß ökonomischen Effektivitätskriterien bemessen wollen“. Diese Verengung des Menschenbildes auf das Machbare und finanziell Lohnende erreiche jedoch nicht die Würde des Menschen, die sich aus christlichen Prinzipien ergibt.

In der Theologie Joseph Ratzingers finden sich nach Worten des Bischofs „immer wieder bedeutsame Ansätze, die drängenden Fragen von Politik und Gesellschaft zu erörtern“. Die Theologie des jetzigen Papstes bleibe nicht „am Rande der gesellschaftlichen Entwicklung“ stehen. „Sie begibt sich in den Disput mit allen Geistes- und Naturwissenschaften und kann so zum Bindeglied in einer sich zunehmend differenzierenden Welt werden. Auch in der Regensburger Vorlesung , die neben den unguten Reaktionen, als Meilenstein des Dialogs zwischen dem Islam und dem Christentum in die Geschichte eingehen wird, klingt diese universale Funktion der Theologie an.“