UNO: Vatikan denunziert Machtmissbrauch

Hilfe muss bei Missachtung von Menschenrechten geprüft werden

| 1776 klicks

NEW YORK, 30. September 2009 (ZENIT.org). - Der Heilige Stuhl hat lautstark gegen die Tatsache von „Machtmissbrauch" protestiert: wenn Entwicklungshilfe auch dann zugesagt wird, wenn ein Land keine Bereitschaft zeigt, die Praxis der Missachtung von Menschenrechten aufzugeben.

Erzbischof Celestino Migliore, Ständiger Beobachter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen in New York, warnte die UN-Vollversammlung in seiner auf Englisch gehaltenen Rede gestern, Dienstag, mit klaren Worten gegen einen solchen Missbrauch.

Der Vertreter des Vatikans legte eine Liste von Forderungen vor, die von den Vereinten Nationen eingehalten werden sollten, um gemäß ihrer Charta zu leben. Die UNO existiere, um „den Glauben an die grundlegenden Menschenrechte zu bekräftigen, den Glauben an die Würde und den Wert der menschlichen Person, an die Gleichberechtigung von Männern und Frauen und von großen und kleinen Nationen.“

Erzbischof Celestino Migliore betonte, dass der grundlegende Charakter von Entwicklung berücksichtigt werden müsse: „Wir sollten immer darauf hinweisen, dass wahre Entwicklung notwendigerweise mit einer ganzheitlichen Achtung des menschlichen Lebens verbunden ist, die nicht von der Entwicklung der Völker getrennt werden kann."

Er bedauerte, dass in einigen Teilen der Welt vorherrschende Prinzip, „Entwicklungshilfe eher an die Bereitschaft der Empfängerländer zu bewilligen, deren Programme das demografische Wachstum der Bevölkerung durch bestimmte Methoden und Praktiken reduzieren wollen, die die menschliche Würde und Rechte ignorieren". In diesem Zusammenhang sei es auch „zynisch und bedauerlich", dass häufig Versuche unternommen würden, eine solche Mentalität zu fördern. „Eine solche Praxis beruht von Natur aus nicht auf Gegenseitigkeit, sondern auf Zwang; dabei werden Entscheidungen vorweggenommen, um Entwicklungshilfe nur bei Annahme einer solchen Politik zu gewähren - das ist schlicht Machtmissbrauch!“

Rechte sollten mit Verantwortung verknüpft werden, erklärte Erzbischof Migliore. „Der Ursprung vieler der gegenwärtigen globalen Krisen liegt im Selbstbetrug der Staaten und einzelner Personen, dass nur sie Rechte haben, und in ihrer Abneigung, Verantwortung für ihre eigene ganzheitliche Entwicklung zu übernehmen und die der anderen".

Oft spiegle sich in der Tätigkeit der internationalen Organismen eine Inkonsistenz wieder, „die in den entwickelten Gesellschaften bereits weit verbreitet ist: Auf der einen Seite werden Eingaben mit Anspruch auf angebliche Rechte gemacht, die in sich willkürlich und in ihrer Natur nicht wesentlich sind. Dies wird von der Forderung begleitet, dass sie erkannt und gefördert werden..., während auf der anderen Seite Grundrechte und elementaren Rechte, die bereits ausdrücklich in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte festgelegt worden sind, nach wie vor nicht anerkannt und in weiten Teilen der Welt verletzt werden."

Rechte und Pflichten, so Erzbischof Migliore, hingen nicht von Verträgen und Abkommen ab, sondern fänden „ihren letzten Grund in der gleichen Würde jedes Mannes und jeder Frau, seien es Bürger oder Ausländer".

Letzten Endes müsse man den wahren Multilateralismus und Dialog zwischen den Kulturen fördern, und das müsse auch mit der Übernahme von der Verpflichtung des Einsatzes für die Entwicklung aller Menschen einhergehen. „Wir dürfen nicht vergessen, dass die geteilte Übername der gegenseitigen Pflichten eine stärkere Motivation zum Handeln bietet als die bloße Behauptung von Rechten."