"Unsere Freude ist Christus, seine treue und unerschöpfliche Liebe!"

Die Worte des Papstes beim Angelus-Gebet

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 453 klicks

Der Heilige Vater Franziskus zeigte sich heute um 12.00 Uhr am Fenster seines Arbeitszimmers im Apostolischen Palast, um gemeinsam mit den auf dem Petersplatz versammelten Gläubigen und Pilgern das Angelus-Gebet zu sprechen.

Zur Einführung in das Mariengebet sprach der Papst die folgenden Worte, die wir hier in einer eigenen Übersetzung dokumentieren.

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[Vor dem Angelus:]

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Heute ist der dritte Adventssonntag, der auch „Gaudete“ genannt wird, das heißt, der Sonntag der Freude. In der Liturgie erklingt diese Aufforderung zur Freude mehrmals. Doch worüber sollen wir uns freuen? Darüber, dass der Herr nahe ist. Weihnachten ist nahe! Die christliche Botschaft hat einen Namen; sie heißt „Evangelium“, und das bedeutet „frohe Botschaft“; eine gute Nachricht für das ganze Volk. Die Kirche ist kein Zufluchtsort für traurige Menschen; sie ist das Haus der Freude! Wer traurig ist, findet in ihr die Freude, die wahre Freude!

Doch die Freude des Evangeliums ist nicht irgendeine Freude. Sie hat ihren Grund darin, dass wir uns von Gott aufgenommen und geliebt wissen. Der Prophet Jesaja (vgl. 35,1-6a.8a-10) erinnert uns heute daran, dass Gott kommt, um uns zu retten, und dass er vor allem den Bedrängten zur Hilfe eilt. Sein Kommen unter uns macht stark, gibt Mut und Festigkeit, lässt Wüste und Steppe jubeln; dass heißt, unser Leben wenn es kahl und unfruchtbar geworden ist. Und wann wird unser Leben unfruchtbar? Wenn ihm das Wasser des Wortes und des liebenden Geistes Gottes fehlt. Ganz gleich, wie groß unsere Grenzen und Fehler auch sein mögen: Es ist uns nicht erlaubt, schwach zu sein und angesichts der Hürden und unserer eigenen Schwächen zu zögern. Im Gegenteil, wir sind dazu aufgerufen, unsere Hände zu stärken, unsere Knie zu festigen, Mut zu fassen und uns nicht zu sorgen, weil unser Gott uns immer die Größe seiner Barmherzigkeit zeigt. Er gibt uns die Kraft, weiterzumachen. Er ist immer mit uns und hilft uns, weiterzumachen. Gott liebt uns; deshalb ist er mit uns, um uns zu helfen, uns zu stärken und die Kraft zu geben, weiterzumachen. Also Mut! Machen wir weiter! Dank seiner Hilfe sind wir in der Lage, immer wieder aufs Neue zu beginnen. Wie? Neu beginnen? Manche werden sagen: „Nein, ich habe zu viel falsch gemacht… Ich bin ein großer Sünder, eine große Sünderin… Ich kann nicht neu beginnen!“ Doch das ist ein Irrtum! Du kannst neu beginnen! Warum? Weil er auf dich wartet, weil er dir nah ist, weil er dich liebt, weil er barmherzig ist und vergibt, weil er dir die Kraft zum Neubeginn gibt! Er gibt sie uns allen! Durch ihn sind wir in der Lage, unsere Augen wieder aufzuschlagen, unsere Traurigkeit zu überwinden und einen neuen Gesang anzustimmen. Diese echte Freude bleibt uns immer erhalten, auch in den Prüfungen, auch im Leid, denn es ist keine oberflächliche Freude, sondern eine, die tief im Menschen verwurzelt ist, der sich Gott anvertraut und sich auf ihn verlässt.

Die christliche Freude, wie auch die Hoffnung, liegt in der Treue Gottes begründet, in der Gewissheit, dass er immer hält, was er verspricht. Der Prophet Jesaja will denen Mut machen, die ihren Weg verloren haben und verzweifeln; er fordert sie auf, ihr Vertrauen in die Treue des Herrn zu setzen, denn sein Heil wird nicht auf sich warten lassen. Alle, die auf ihrem Lebensweg Christus begegnet sind, tragen in ihren Herzen eine Ruhe und eine Freude, die niemand ihnen mehr nehmen kann. Unsere Freude ist Christus, seine treue und unerschöpfliche Liebe! Das bedeutet auch, dass ein Christ, der traurig wird, sich von Jesus entfernt hat. Aber gerade dann darf man ihn nicht allein lassen! Wir müssen für ihn beten und ihn die Wärme der Gemeinschaft spüren lassen.

Die Jungfrau Maria helfe uns, eiligen Schrittes nach Betlehem zu gehen, um das Kind zu treffen, das für uns geboren wurde, zur Rettung und Freude aller Menschen. Zu ihr sagte der Engel: „Freue dich, du Begnadete, der Herr ist mit dir“ (Lk 1,28). Möge sie für uns erreichen, dass wir die Freude des Evangeliums zu Hause, am Arbeitsplatz, in unserer Pfarrgemeinde und jedem anderen Umfeld erleben können. Eine innige Freude, die aus Verwunderung und Zärtlichkeit besteht. Dieselbe Freude, die eine Mutter empfindet, wenn sie ihr neugeborenes Kind betrachtet und spürt, dass es ein Geschenk Gottes ist, ein Wunder, für das wir nur danken können!

[Nach dem Angelus:]

Liebe Brüder und Schwestern!

Es tut mir leid, dass ihr im Regen steht! Doch ich bin mit euch, auch ich stehe hier… Ihr sein mutig! Danke!

Heute geht mein erster Gruß an die Kinder der Stadt Rom, die für den traditionellen „Kindersegen“ gekommen sind, eine Initiative der Römischen Oratorien. Liebe Kinder, wenn ihr zu Hause vor eurer Krippe betet, denkt dabei auch an mich, so wie ich an euch denke. Danke! Frohe Weihnachten!

Ich grüße die Familien, Pfarrgruppen, Vereine und alle Pilger, die aus Rom, aus Italien und aus der ganzen Welt gekommen sind, besonders aus Spanien und aus den Vereinigten Staaten von Amerika. Herzlich grüße ich auch die Jugendlichen aus Sambia, denen ich wünsche, „lebendige Steine“ für den Bau einer menschlicheren Gesellschaft zu werden. Diesen Wunsch dehne ich auch auf alle anderen jungen Menschen aus, die heute hier sind, besonders auf die Jugendlichen aus Piscopio und Gallipoli und auf die Studenten der lukanischen „Azione Cattolica“.

Ich grüße die Chöre aus Vicenza, l’Aquila und Mercato San Severino; die Gläubigen aus Silvi Marina und San Lorenzello, und auch die Mitglieder der CRAL Telecom und ihre Angehörigen.

Euch allen wünsche ich einen schönen Sonntag und eine gesegnete Mahlzeit. Auf Wiedersehen!