"Unsere Kirchen müssen Frieden verkünden"

Bartholomeos I. über den ökumenischen Dialog und die Kirche im Nahen Osten

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 304 klicks

In einem Interview mit ZENIT berichtete der griechisch-orthodoxe Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomeos I., über den Dialog mit der katholischen Kirche und die Kirche im Nahen Osten.

Die Frage, wie nah wirklich die Einheit der Kirche sei und insbesondere, ob die christlichen Kirchen (West und Ost, orthodox und römisch-katholisch) mit zwei Lungen atmen könnten, sei sehr wichtig. „Es gibt keinen Zweifel, dass unsere „Schwester-Kirchen“ heute näher seien als im ganzen letzten Jahrtausend, dank des „Dialogs der Liebe" und des „Dialogs der Wahrheit'“. Man könne sagen, die Schritte Richtung Wiedervereinigung und zu einem Prozess theologischen Dialogs seien in den letzten Jahrzehnten vollzogen worden. „Dennoch sind wir noch fern von der Einheit, die wir im ersten Jahrtausend des Kirchenlebens teilten. Das wichtigste für uns ist immer, uns den Wunsch und das Gebot unseres Herrn vor Augen zu halten, ‚dass Seine Jünger vereint seien und die Kirche eine einzige sei‘.“ Es sei ein Skandal, dass die Anhänger Jesu in einem Moment getrennt seien, in dem sie, heute mehr als je zuvor, zu einem gemeinsamen Zeugnis aufgerufen seien.

Bartholomeos I. geht im folgenden auf die Probleme der Kirche im Nahen Osten ein. Die Kirche befinde sich in einem schwierigen Umfeld mit zunehmender Gewalt unter der Bevölkerung im Nahen Osten. „Unsere Kirchen müssen Frieden verkünden, wo es Krieg gibt, Liebe verkünden, wo Hass herrscht, und Toleranz, wo es Diskrimination gibt.“ Das gelte sowohl für andere religiöse Glaubensrichtungen als auch für die Christen in der Region. Die politische Situation sei sehr beunruhigend, die Zunahme der Gewalt vor allem in Palästina, Ägypten, Irak und jüngst in Syrien bereite Sorgen. „Wir sind zutiefst enttäuscht von der unentschuldbaren Gleichgültigkeit und der ungerechtfertigten Untätigkeit der zivilen und politischen Autoritäten, die darin versagt haben, die christliche Bevölkerung und allgemein die Bürger zu schützen. Die christlichen Anführer müssen unsere maximale Solidarität und unsere Treue zum Evangelium im Nahen Osten versichern und gleichzeitig kategorisch jede Form von Gewalt und Blutvergießen verurteilen. Wir müssen betonen, dass alle Kultorte heilige Tempel des einzigen lebenden Gottes sind, so wie auch alle Menschen heilige Tempel des in Gott lebenden Geistes sind.“

Nach dem Besuch in Jerusalem wird Papst Franziskus der Einladung des Ökumenischen Patriarchen nach Istanbul folgen. Bartholomeos I. erklärt dazu: Als sie eingeladen worden seien, an der Einsetzungsmesse des neugewählten Papstes auf dem Peterplatz teilzunehmen, hätten sie Papst Franziskus in den Phanar und zu einer gemeinsamen Reise nach Jerusalem eingeladen. Die Begegnung mit Papst Franziskus lasse sie hoffen, dass die enge Beziehung zwischen der katholischen und der orthodoxen Kirche gestärkt werde. 1964 war es nach dem Schisma von 1054 zu einer Begegnung zwischen den damaligen Kirchenoberhäuptern, Papst Paul VI. und Athenagoras, gekommen; diese leitete den Annäherungsprozess ein. Jahre später wurde eine Kommission zum Dialog zwischen beiden Kirchen eingerichtet.