Unterdrückung der Religion

US-Jahresüberblick über den Stand der Religionsfreiheit

| 1215 klicks

Von P. John Flynn LC



ROM, 29. Oktober 2008 (ZENIT.org).- Nach dem aktuellen Jahresbericht des US-Außenministeriums werden auch heute noch zahlreiche Menschen aufgrund ihrer Religion verfolgt. Am 19. September 2008 wurde der „Jahresbericht 2008 über internationale Religionsfreiheit” von Außenministerin Condoleezza Rice der Öffentlichkeit vorgestellt.

In dem Überblick, der den zwölfmonatigen Zeitraum bis zum 30. Juni 2008 umfasst, wird zunächst auf die 60-Jahr-Feier der Unterzeichnung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte in diesem Jahr hingewiesen sowie auf die Tatsache, dass sich für die Vereinigten Staaten die Verabschiedung des Gesetzes über die internationale Religionsfreiheit („International Religious Freedom Act“) zum zehnten Mal jährt. Dieses Gesetz war es, das die US-Regierung zu einem stärkeren Einsatz für Religionsfreiheit bewegt hat.

Die Veröffentlichung des alljährlich erscheinenden Berichts kommt der steigenden Wachsamkeit weiter Teile der Weltöffentlichkeit gegenüber der Unterdrückung der Religion in einigen Ländern entgegen. China ist eines jener Länder, die in dieser Hinsicht traurige Schlagzeilen machen. Nach Angaben des US-Außenministeriums hat sich die staatliche Unterdrückung der Religion in einigen Regionen der Volksrepublik verschärft, etwa in Tibet und in der autonomen Region Xinjiang Uighur (Xuar).

In dem Bericht wird außerdem hervorgehoben, dass unregistrierte protestantische religiöse Gruppen in Peking im Vorfeld der olympischen Spiele im Sommer 2008 verschärften Schikanen seitens der kommunistischen Behörden ausgesetzt gewesen seien. Dasselbe hätten auch katholische Priestern der so genannten „Untergrund“-Kirche zu spüren bekommen, vor allem aufgrund ihrer erklärten Loyalität gegenüber dem Vatikan.

In Shanghai waren im Mai katholische Pilger von Funktionären daran gehindert worden, das Marienheiligtum in Sheshan zu besuchen.

Die staatlich kontrollierte „Katholische Patriotische Vereinigung” gibt nach dem Bericht an, dass 5,3 Millionen Personen in ihren Kirchen den Gottesdienst besuchten. Es gebe jedoch Schätzungen, denen zu Folge zusätzliche 12 Millionen oder mehr Personen die Gottesdienste in nicht registrierten, nicht der „patriotischen“, regierungshörigen Vereinigung angeschlossenen, katholischen Kirchengemeinden die Gottesdienste besuchten.

Gebete für den Papst

Auch wenn das Verhältnis zwischen der chinesischen Regierung und dem Vatikan weiterhin von Konflikten belastet sei, besonders hinsichtlich der Ernennung von Bischöfen, sei die Grenzlinie zwischen der Katholischen Patriotischen Vereinigung und der unregistrierten romtreuen Untergrundkirche mit der Zeit weniger scharf geworden. In einigen offiziellen („patriotischen“) katholischen Kirchen, so heißt es im Bericht, beten Priester für den Papst, und man findet dort auch Bilder des Papstes.

Weiterhin gebe es jedoch Restriktionen durch die Behörden, zum Beispiel hinsichtlich der Finanzierung und der Zahl der Priester. Obwohl die Regierung die Finanzierung für den Bau neuer Gebetsstätten für registrierte Gemeinschaften zugesagt habe, entspreche die Zunahme der Tempel, Kirchen und Moscheen nicht dem Zuwachs an Gläubigen. Außerdem herrsche im Allgemeinen ein gravierender Mangel an ausgebildeten Geistlichen, sowohl für die registrierten als auch für die nicht registrierten religiösen Gruppen.

Indien ist ein weiteres Land, in dem die Religionsverfolgung in den letzten Wochen Schlagzeilen gemacht hat. Der Bericht des „State-Department“, wie das US-Außenministerium genannt wird, enthält ausführliche Informationen über die dortige Situation.

So hätten zum Beispiel einige indische Staaten sogenannte „Anti-Konversionsgesetze“ in Kraft gesetzt und vorhandene Gesetze geändert. Hinzu komme, dass die Polizei und Vollstreckungsorgane häufig nicht schnell effektiv gegen Angriffe, die von extremistischen Gruppen auch gegen religiöse Minderheiten verübt wurden, eingeschritten seien.

Extremisten

In dem Bericht wird betont, dass die große Mehrheit der Personen, die religiösen Gruppen angehören, in Indien friedlich zusammenlebe, zugleich wird aber auch eingeräumt, dass schwere Zusammenstöße vorgefallen seien.

Die Gesetzgebung sehe zwar im Allgemeinen Maßnahmen bei Verstößen gegen die Religionsfreiheit vor, diese seien jedoch in vielen Fällen religiös motivierter Gewalt nicht rigoros und entschieden umgesetzt worden. Diese halbherzige Gesetzesanwendung ermutige einige Extremisten. Sie sähen – trotz der Bemühungen der Regierung, die Harmonie unter den verschiedenen Gruppen zu fördern – die ineffektiven Ermittlungen und strafrechtlichen Verfolgungen der Angriffe auf religiöse Minderheiten, besonders auf bundesstaatlicher und kommunaler Ebene, weiterhin als Signal an, dass sie solche Gewalt ungestraft begehen könnten.

In den vergangenen Weihnachtsferien hatten Hindu-Extremisten im Kandhamal-Distrikt christliche Dörfer und Kirchen angegriffen. Rund 100 Kirchen und christliche Einrichtungen wurden beschädigt, 700 christliche Häuser dem Erdboden gleichgemacht. Die Bewohner mussten in die nahen Wälder fliehen.

Wie verschiedene Nicht-Regierungsorganisationen berichteten, ist die Gewalt verschiedener Bevölkerungsgruppen gegen religiöse Minderheiten Teil einer umfassenderen nationalistischen Strategie, die mit der immer noch andauernden bundesstaatlichen Wahlpolitik zusammenhängt.

Nach einer amtlichen Volkszählung aus dem Jahr 2001 machen Hindus 80,5 Prozent der indischen Gesamtbevölkerung aus, Muslime 13,4 Prozent, Christen 2,3 Prozent, Sikhs 1,8 Prozent und die übrigen, darunter Buddhisten, Jains, Parsen (Zoroastrianer), Juden und Baha'is, 1,1 Prozent.

Örtliche Behörden, so erfährt man, haben zahlreiche Christen auf Grund von bundesstaatlichen Anti-Konversionsgesetzen wegen angeblicher Beteiligung an Bekehrungen mit Gewalt, Lockmitteln oder Betrug verhaftet.

Hindu-Nationalisten behaupteten häufig, so wird im Bericht erläutert, dass christliche Missionare Hindus aus niederen Kasten mit Angeboten kostenloser Ausbildung und Gesundheitsbetreuung angelockt hätten, und setzten solche Initiativen mit gewaltsamen Bekehrungen gleich.

Die Christen hätten den Spieß umgekehrt und dem entgegengehalten, dass die Hindus aus niederen Kasten sich aus freiem Willen bekehrt hätten und dass Hindugruppen selbst bei ihren Versuchen, diese neuen Christen zum Hinduismus „zurückzubekehren“, Belohnungen angeboten und damit betrügerisch gehandelt hätten.

Verbesserungen im Vietnam

Ein weiteres Land, in dem die Presse in jüngster Zeit von Problemen mit der Religionsfreiheit berichtet hat, ist Vietnam. Doch laut Bericht des State-Department ist die Achtung vor der religiösen Freiheit und Praxis der Gläubigen im vergangenen Jahr gewachsen.

Von Seiten der katholischen Kirche, verschiedener protestantischer Gemeinschaften und anderer kleinerer religiöser Gruppen erfährt man, dass sie sich inzwischen freier versammeln und Gottesdienste feiern können. Die katholische Kirche berichtete zudem, dass die Regierung der Errichtung eines zusätzlichen Seminars zugestimmt habe, allerdings nur eines einzigen.

In diesem Land ist nach Schätzungen mehr als die Hälfte der Bevölkerung zumindest nominell buddhistisch; katholisch sind acht bis zehn Prozent der Bevölkerung. Nach US-Angaben leben rund acht Millionen Katholiken in Vietnam, nach offiziellen Angaben sind es weniger, nämlich 5,9 Millionen.

Die katholische Kirche unterhält sieben Priesterseminare mit mehr als 1.000 Studenten. Darüber hinaus gibt es auch noch einen besonderen Studiengang für „ältere“ Studenten. Für die Einschreibung in einem Seminar ist, genauso wie für die Priesterweihe, eine Genehmigung der örtlichen Behörden notwendig.

In dem Bericht wird hinzugefügt, dass die Kirche die Zahl der zu Priestern geweihten Studenten nach wie vor für unzureichend hält. Sie halte nicht Schritt mit der wachsenden katholischen Bevölkerung. Deshalb wünsche sich die Kirche mehr Seminare.

Restriktionen bleiben aufrecht

Im September führten mehrere Berichte über einen Konflikt zwischen der katholischen Kirche und der vietnamesischen Regierung über beschlagnahmten Kirchenbesitz zu einer Intervention der Kommission der Vereinigten Staaten für internationale Religionsfreiheit.

Am 24. September wurde in einer entsprechenden Presseerklärung darauf hingewiesen, dass die genannte Kommission „bei allem Respekt“ nicht mit der Entscheidung des US-Außenministeriums einverstanden sei, den Vietnam von der im Jahr 2006 aufgestellten Liste der „Countries of Particular Concern“ (Länder mit besonders besorgniserregender Religionsfeindlichkeit) zu streichen.

„Vietnam legt nach wie vor ein beunruhigendes Maß an Nichtachtung gegenüber elementaren Menschenrechten an den Tag, wenn es mit Polizeigewalt gegen Menschen vorgeht, die friedliche Mahnwachen bei ehemaligem Besitz der Kirche von Vietnam halten, oder wenn sie zahlreiche Verteidiger der Religionsfreiheit lange Zeit in Gefängnissen oder in Hausarrest festhält”, heißt es im Kommuniqué.

In dem Schreiben wird auch geschildert, wie friedliche Mahnwachen, die von Katholiken organisiert worden waren, um gegen die Beschlagnahmung von Kirchenbesitz zu protestieren, zur Festnahme einer Vielzahl von Protestierenden und sogar zu körperlicher Gewalt von Seiten der Polizei geführt habe.

„Die Kommission fordert, dass Vietnam wegen seiner fortgesetzten systematischen und offenkundigen Verletzungen der Religionsfreiheit und anderer Menschenrechte erneut als einer der schlimmsten Verletzer der Religionsfreiheit bezeichnet wird.”

Wie Kardinal Oswald Gracias Ende September in Indien bekräftigte, ist „die Religionsfreiheit die erste der Freiheiten“. Die Episoden religiöser Verfolgung, die im diesjährigen Bericht des US-Außenministeriums dargelegt werden, erinnern neuerlich daran, wie wichtig es ist, auf die Regierungen Druck auszuüben, damit sie die Freiheit der Religion garantieren.