Untergang des Kirchenstaates

Tagung der Görres-Gesellschaft

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Von Jan Bentz

VATIKANSTADT, 4. November 2011 (ZENIT.org). – Am Herzen der katholischen Kirche innerhalb der bergenden Mauern des Vatikans und des deutschen Friedhofes in Rom, dem „Campo Santo Teutonico“, ging am Montag ein historischer Kongress über das Ende des Kirchenstaats zu Ende.

Im Gebäude des Campo Santo Teutonico befindet sich das „Römische Institut“ der Görres-Gesellschaft, das zusammen mit dem Kolleg auch eine theologische Fachbibliothek, vor allem für christliche Archäologie und Kirchengeschichte, unterhält.

Referenten waren der Organisator der Tagung Hartmut Benz, M.A., Prof. Dr. Mario Fratesi, Prof. Dr. Andrea Ciampani, Dr. Markus Raasch aus Eichstätt, Prof Dr. Ernst Heinen und Felix Schumacher, M.A. Den Auftakt machte Dipl.-Theol. Ulrich Nersinger mit seinem Eröffnungsvortrag „Die Armee des Kirchenstaates in den letzten Jahrzehnten seines Bestehens: Aufbau und Rekrutierung, Kampf und Untergang.“

Ulrich Nersinger stellte als ausgewiesener Spezialist die Militärgeschichte der „Armee des Papstes“ in den letzten Jahrzehnten des Kirchenstaates vor.

Nach einer makrogeschichtlichen Übersicht von den Anfängen der Armeen des Kirchenstaates über das vielschichtige Wirken der Renaissancepäpste als Kirchenoberhäupter und Staatsmänner konzentrierte er sich auf die Zeit des italienischen „Risorgimento“, des Falls des Kirchenstaates und der „Wiedervereinigung“ Italiens mit Rom durch Garibaldi unter König Viktor Emanuel II. Durch zahlreiche geschichtliche „Leckerbissen“, wie Johannes VIII. als ersten und letzten Papst in der Rolle eines Admirals, faszinierende Hintergründe der Ermordung Lincolns sowie die „Aufgabe“ der Kutsche Wilhelms II. in der Diplomatie überzeugte Nersinger in seiner freien Rede durch umfassendes Wissen und verwandelte ein möglicherweise etwas trocken anmutendes Thema in eine fesselnde Zusammenschau bisher noch wenig bekannter Fakten. Hervorgehoben wurde auch, dass die päpstlichen Heere dazu dienten, die dem Papst Anvertrauten zu beschützen und zu verteidigen und so unabhängig von Machteinflüssen anderer Herrscher zu bleiben. Es habe somit ausschließlich Verteidigungskriege gegeben. Die Mitgliedschaft in der päpstlichen Armee war immer freiwillig.

Besonderer Augenmerk wurde auch auf die Zuaven gerichtet, die zum Schluss 3000 Mann starke „Elitetruppe“ des Papstes mit vielen Mitgliedern deutscher Adelsfamilien. Sie leisteten dem Papst besonders gegen König Viktor Emanuel II. 1860 ihren wichtigen Dienst. Den Friedenscharakter der päpstlichen Garden unterstreicht auch ihre Rolle während des 2. Weltkriegs, wo sie tausende Menschenleben, auch jüdischer Mitbürger, durch den Schutz der Häuser gerettet haben.

Prof. Dr. Mario Fratesi sprach im Folgenden über die „Außenpolitik Kardinal Antonellis – Zwischen strenger Verteidigung der weltlichen Macht des Papstes und diplomatischer Taktik“. Prof. Dr. Andrea Ciampanis Vortragsthema war: „Kardinal Bilio und Pius IX. in der Entwicklung der Kirchenregierung 1863-1878). Um Kollekten für den Kirchenstaat ging es im Vortrag von Hartmut Benz M.A.: „Sammeln für den ‚guten Kampf‘: Kollekten als Basis für das Überleben des Kirchenstaates“. „Der katholische Adel im Rheinland und in Westfalen und der Papst: Zur Vorgeschichte der deutschen Zentrumspartei“, war Thema von Dr. Markus Raasch. Prof. Dr. Titus Heydenreich sprach über: „Engelbert Otto Frhr. V. Brackel-Welda: Ein Westfale in päpstlichen Diensten im Spiegel seiner Korrespondenz“. Prof. Dr. Ernst Heinen referierte über: „Kölner Katholizismus und Papsttreue: ‚Pro Patrimonio Petri‘“. Den Abschluss bildete der Vortrag von Felix Schumacher, M.A. zum Thema: „Alfred von Reumonts Engagement für den Kirchenstaat als Diplomat und Publizist“.

Die Vorträge werden im Jahre 2012 in der „Römischen Quartalsschrift“ der Görres-Gesellschaft veröffentlicht zur Verfügung stehen.

Buchtipp:

Ulrich Nersinger: „Tiara und Schwert – Die Päpste als Kriegsherren
Geb., 200 Seiten inkl. 8 Seiten Bildteil
Sankt Ulrich Verlag

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