Unterricht für Journalisten von Papst Franziskus

In Respekt für die Freiheit

Rom, (ZENIT.org) P. Alfonso M. A. Bruno FI | 321 klicks

Das Thema des nächsten Welttages für soziale Kommunikation lautet: „Kommunikation im Dienst einer authentischen Kultur des Menschen“, so der Päpstliche Rat. Der Mensch drücke sich vor allem durch seine Fähigkeit zu kommunizieren aus, so die Pressemitteilung. In der Kommunikation drückten wir uns selbst aus, das, was wir glauben, und die Menschen kennenlernen, mit denen wir leben.

Die meisten dieser Menschen glauben nicht an das, woran wir glauben. Wenn die gemeinsame Kommunikation nicht auf dem Niveau des Nichtverstehens enden soll, bei Beleidigungen und Missverständnissen, muss unbedingt gemeinsam die Wahrheit gesucht werden.

Der Papst, der seit Kurzem Bischof von Rom ist, hat sofort gezeigt, was er mit kommunizieren meint, mit dem Dialog. Er hat dies auf zwei Wegen getan: Er hat sich an ein nichtkatholisches Kommunikationsmittel gewandt und hat die dialektische Provokation eines Journalisten akzeptiert, der sich als nichtgläubig bezeichnet.

Im Verlauf des Gespräches hat Franziskus eine für einen Pontifex ungewöhnliche Äußerung getätigt: „die Wahrheit ist subjektiv“. Es handelt sich um eine revolutionär klingende Aussage, und sofort haben sich die Förderer der Selbstreferenzialität der Kirche die Haare gerauft und gerufen, der Pontifex habe auf seine Funktion als Verteidiger der offenbarten Wahrheit verzichtet.

Bei einem genaueren Blick wird jedoch deutlich, dass die Äußerung des Papstes von einer entwaffnenden Einfachheit ist: Wenn es stimmt, dass die Wahrheit in jedem von uns steckt, dass der Mensch, der nach dem Abbild Gottes geschaffen ist, mit Vernunft ausgestattet ist, wenn es stimmt, dass von Natur aus jeder von uns eine Teil des kleinen Fünkchens Wahrheit besitzt, ergibt sich daraus für alle eine Pflicht und ein Recht. Die Pflicht, allen anderen unseren Beitrag zur Wahrheit zu zeigen, und das Recht, gehört zu werden.

Und wenn die Wahrheit subjektiv ist, bedeutet dies, dass die Dialektik nur der Vermittler ist. Es ist als unsere Pflicht, diesen Teil der Wahrheit, die in uns steckt, zu vermitteln, und es ist unser Recht, von den anderen gehört zu werden, denn unsere Einbringung kann zum Guten für alle beitragen.

Wenn die Vernunft ein Teil jedes Menschen ist, wenn die Wahrheit in jedem ist, wenn sie würdig und wichtig ist, und wenn man sich dann der Diskussion verweigert, dem Dialog, der Dialektik – all diese Ausdrücke haben die gleiche griechische Wurzel, die Beziehung umschreibt, Kommunikation, den Austausch von Ideen von einem Menschen zum anderen –, dann ist es unmoralisch und eines Christen nicht würdig, sich dieser Auseinandersetzung zu entziehen.

In einer Welt, in der der Fanatismus gedeiht, die Umstände intolerant und exklusiv sind, bietet sich die Kirche als ein Mittel zum Dialog an, aber auch als Ort, indem es zu diesem Dialog kommen kann.

Denken wir an den Kongress zwischen den Religionen, der zurzeit in Rom auf Initiative der Gemeinschaft Sant’Egidio stattfindet; denken wir an das Treffen des Papstes in Assisi, auch dies sind Anlässe des ökumenischen Dialogs. Wir sehen, dass es die Kirche nicht nötig hat, ihre in der Vergangenheit getätigten Aussage zu negieren: in erster Linie alle Formen der Freiheit zu verbreiten, des Wissens, des Gedankens, des Wortes, der Presse, in der Welt.

Denken wir an die Tatsache, dass die Kirche denjenigen eine Stimme gibt, die keine haben, und ihnen gestattet zu sagen, was sie möchten.