Untersuchung über Medjugorje abgeschlossen

Nach Prüfung durch die Kongregation für die Glaubenslehre wird das Urteil des Papstes ergehen

Rom, (ZENIT.org) | 451 klicks

Der Vatikan bestätigte, dass die mit der Überprüfung der Ereignisse von Medjugorje beauftragte internationale Kommission bereit sei, ihren Befund der Kongregation für die Glaubenslehre vorzulegen.

In einer Pressemitteilung vom vergangenen Samstag erklärte P. Federico Lombardi, Leiter des vatikanischen Presseamtes, die seit vier Jahren bestehende Kommission habe „am 17. Januar ihre letzte Versammlung“ gehalten.

„Die Kommission wurde von der Kongregation für die Glaubenslehre eingesetzt; ihr Vorsitzender ist Kardinal Camillo Ruini“, heißt es in der Presseerklärung. „Am Freitag erklärte die Kommission, ihre Arbeit sei abgeschlossen, und die Ergebnisse ihrer Untersuchung werden in Kürze der Kongregation vorgelegt werden.“

Sobald die Studie der Kongregation für die Glaubenslehre vorliegt, wird diese sie prüfen und anschließend an den Papst weiterleiten, der das letzte Wort sprechen wird. Wie lange es bis zu dieser endgültigen Erklärung noch dauern wird, kann zur Zeit niemand sagen.

Die 2010 gebildete Kommission besteht aus einem Gremium von Kardinälen, Bischöfen, Theologen und anderen Experten. Ihre Untersuchung befasst sich im Wesentlichen mit der ersten Phase der Erscheinungen, die 1981 begannen und angeblich bis heute andauern. Hunderttausende von Pilgern reisen jährlich nach Medjugorje, um die Seher zu treffen.

Die örtliche Kirchenhierarchie betrachtete dieses Phänomen immer schon mit Skepsis und hatte schon lange um eine Prüfung durch den Vatikan gebeten. Am vergangenen Donnerstag traf Papst Franziskus in einer privaten Audienz mit Kardinal Vinko Puljić, Erzbischof von Vrhbosna (Sarajevo), zusammen.

Obwohl viele Bekehrungen in Medjugorje erfolgten und unzählige Menschen Hilfe für ihren Glauben fanden, ist die Echtheit der Erscheinungen stark umstritten. Am vergangenen November erregte Erzbischof Gerhard Müller, Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre, die Gemüter der Anhänger des Pilgerortes, als er die Bischöfe der Vereinigten Staaten von Amerika dazu aufforderte, ihren Gläubigen davon abzuraten, Veranstaltungen des Sehers Ivan Dragicevic zu besuchen, der sich gerade auf einer Tour durchs Land befindet.

Donal Foley, Medjugorje-Experte und Autor des bekannten Buchs „Medjugorje Revisited – 30 Years of Visions or Religious Fraud (Noch einmal Medjugorje – 30 Jahre Visionen oder religiöser Betrug)“, erklärte für ZENIT, dass es „sehr schwer“ sei vorauszusagen, welche Anweisungen der Papst geben werde.

„Es gibt Anzeichen dafür, dass ein negatives Urteil irgendeiner Art erfolgen könnte“, erklärte Foley und verwies auf die Predigt des Heiligen Vaters während der Frühmesse in Santa Marta am vergangenen 14. November, in der er betonte, die Muttergottes sei nicht „die Leiterin eines Postamtes, nicht dazu da, jeden Tag Botschaften zu versenden.“

Doch sei ein Kompromiss-Urteil immer noch möglich, erklärte Foley weiter. Ein solches würde es dem Ort in Bosnien-Herzegowina weiterhin erlauben, Ziel von Pilgerfahrten zu sein, auch ohne kirchliche Anerkennung.

Bisher hat der Vatikan den Gläubigen nicht verboten, nach Medjugorje zu reisen, doch lautet die offizielle Empfehlung, niemand solle an Veranstaltungen teilnehmen, die von der Authentizität der Erscheinungen ausgehen.

Manche Beobachter haben eingewendet, der Vatikan könne eine Investigation über Erscheinungen, die immer noch andauern, nicht abschließen. Foley hält dagegen, dies stimme nicht, denn der Heilige Stuhl habe in den 50er Jahren angebliche Marienerscheinungen in Heroldsbach (Deutschland) verurteilt, während diese noch stattfanden.

„Wenn es diese Möglichkeit nicht gäbe, könnten selbsternannte Seher die Kirche ein Leben lang hinhalten, indem sie behaupten, die Erscheinungen gingen weiter“, so Foley.