Urnenbestattung, ja oder nein?

Das Prinzip der Pietät bleibt in Kraft

Rom, (ZENIT.org) Edward McNamara LC | 500 klicks

P. Edward McNamara, Professor für Liturgie am Päpstlichen Athenäum „Regina Apostolorum“ in Rom, beantwortet eine Leserfrage zur Urnenbestattung.

Frage: Darf man die Asche verschiedener Verstorbener miteinander vermengen, in einer einzigen Urne sammeln und während einer einzigen Trauerfeier bestatten? Welche Regelungen hat die Kirche für diesen Fall getroffen? -- W.G., Denver, Colorado

P. Edward McNamara: Bis zur Veröffentlichung des Codex des kanonischen Rechts von 1983 war es Katholiken im Allgemeinen nicht freigestellt, eine Urnenbestattung vorzunehmen.

Im antiken Rom gehörten Leichenverbrennungen zur Tagesordnung, doch die Christen glaubten – wie auch die meisten Juden vor ihnen – an die Auferstehung der Toten und zogen ein Begräbnis vor. Diese christliche Praxis fand auch in dem Glauben Bestärkung, dass der Leib als Tempel Gottes durch das Sakrament der Taufe und die Speise der Eucharistie geheiligt war.

Dieses Verständnis der Heiligung vom Leib und durch den Leib besitzt letztlich seine Grundlage im Geheimnis der Menschwerdung, insofern als das göttliche Wort durch seine Fleischwerdung den menschlichen Leib heiligt. Diese Lehre ist auch eine Bestätigung für die Praxis der Verehrung der Reliquien der Heiligen.

Und so hat die Kirche nicht nur immer beerdigt, sondern auch von Anfang an besondere Areale für diesen Zweck abgesondert. Diese Orte wurden selbst auch als heiliger Boden angesehen und ein Ritus für deren Weihe als Friedhof entwickelt.

Obwohl die Begräbnisbestattung über Jahrhunderte hinweg universale kirchliche Praxis war, gab es kein allgemeines Gesetz, das die Einäscherung verboten hätte. Dies änderte sich 1886, als der Heilige Stuhl die Feuerbestattung verbot. Diese wurde von mehreren Gruppen von Freimaurern gefördert, um damit ihre Ablehnung gegenüber dem christlichen Glauben an die Auferstehung kundzutun. Das genannte Verbot wurde in den Codex des kanonischen Rechts von 1917 aufgenommen.

1963 begann die Kirche das Verbot für die Feuerbestattung aufzulockern und erlaubte sie, sofern sie nationale Gepflogenheit war, falls es an Raum für Begräbnisse fehlte, um der Ansteckungsgefahr bei Epidemien vorzubeugen sowie aus ähnlichen Gründen. Mit ihrer Vorgehensweise anerkannte die Kirche, dass diejenigen, die eine Feuerbestattung wünschten, dies in ihrer großen Mehrheit nicht mehr taten, um hiermit die Auferstehung des Leibes zu leugnen, sondern eben meist aus praktischen Erwägungen.

Dies stellte die Grundlage für den überarbeiteten Codex dar, der unter Canon 1176 (§ 3) folgendermaßen lautet:

„Nachdrücklich empfiehlt die Kirche, dass die fromme Gewohnheit beibehalten wird, den Leichnam Verstorbener zu beerdigen; sie verbietet indessen die Feuerbestattung nicht, es sei denn, sie ist aus Gründen gewählt worden, die der christlichen Glaubenslehre widersprechen.“

Der Katechismus der Katholischen Kirche bestätigt dies unter Nr. 2301: „Die Kirche gestattet die Einäscherung, sofern diese nicht den Glauben an die Auferstehung des Fleisches in Frage stellen will.“

Zunächst war es noch nicht möglich, eine Begräbnisfeier in Gegenwart der in Urnen aufbewahrten Überreste abzuhalten. Mit der Zeit hat sich dies jedoch geändert und in vielen Ländern entwickelte man für diesen Fall ausgesuchte Riten und Gebete.

Das althergebrachte Prinzip der Pietät gegenüber den Überresten eines Christen bleibt jedoch weiterhin in Kraft. Deswegen haben Bischofskonferenzen und viele Bistümer, in denen die Feuerbestattung gang und gäbe ist, für Katholiken grundlegende Richtlinien entwickelt.

Am häufigsten finden sich unter den von den Bistümern gegebenen allgemeinen Richtlinien die folgenden:

-- Im Allgemeinen zieht man es vor, die Einäscherung erst vorzunehmen, nachdem die Begräbnisfeier in Gegenwart der sterblichen Überreste des Toten stattgefunden hat. Der Heilige Stuhl hat einigen Ländern einen Gnadenerweis gewährt, womit eine Beerdigungsfeier in Gegenwart der in einer Urne aufbewahrten Überreste erlaubt ist.

-- Die Aschenüberreste sollten vorzugsweise auf einem christlichen Friedhof in einem angemessenen Behälter beerdigt werden. Dies kann unterirdisch oder in einer Grabnische, einer Gruft oder einer Urnenhalle geschehen. Die Kirche empfiehlt, dass die Grabstätte mit einer festen Denktafel versehen wird.

-- Die Asche sollte nicht in unangemessene Behälter wie Schmuck, Geschirr oder Raumkapseln eingesenkt werden. Noch sollte man die Aschenüberreste zu Juwelen, Kunstgegenständen oder anderen Ausstellungsstücken verarbeiten.

-- Andere Praktiken, wie zum Beispiel das Streuen der Aschenüberreste in Wasser oder in den Wind, aber auch die Aufbewahrung im eigenen Haus sind nicht als respektvolle Weisen der Verfügung über menschliche Überreste anzusehen – was von der Kirche verlangt wird.

-- Weitere Praktiken wie das Vermischen der Aschenüberreste oder ihr Aufteilen unter den Familienmitgliedern oder Freunden sind für einen Katholiken inakzeptabel.

Deswegen ist für einen Katholiken das Mischen der Aschenüberreste für ein Begräbnis nicht akzeptabel. Es wäre aber akzeptabel, die Überreste in Behälter zu tun, die nebeneinander stehen und im Laufe der Zeit verfallen, was dann nach dem Begräbnis zu einer Vermischung der Asche führen würde.

Übersetzt von P. Thomas Fox, LC, aus dem englischen Artikel  http://www.zenit.org/en/articles/mixing-ashes-of-the-dead