Ursula Gräfin Ledóchowska (1865-1939)

Nonne, Ordensgründerin und Heilige

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 237 klicks

Julia Gräfin Ledóchowska wurde am 1865 in Loosdorf in Niederösterreich geboren. Sie wuchs in einem religiösen Umfeld auf. Von 1875 bis 1880 besuchte sie das Institut der Englischen Fräulein in St. Pölten, wohin die Familie 1874 gezogen war. Nach der Rückkehr ihrer Familie nach Polen im Jahr 1883 lebte die Familie auf dem Landgut Lipnica Murowana in der Nähe von Krakau. Drei Jahre später, am 18. August 1886, trat sie in das Kloster der Ursulinen in Krakau ein und nahm den Ordensnamen Ursula an. Am 28. April 1889 legte sie ihre feierliche Profess ab. Im Anschluss war sie als Lehrerin und Erzieherin in der Klosterschule tätig. Von 1904 bis 1907 war sie Oberin des Klosters. 1906 gründete sie das erste katholische Pensionat für Universitätsstudentinnen in Polen. 1907 begab sie sich nach Russland, wo sie ebenfalls religiöse Institute gründen wollte.

Als der Erste Weltkrieg ausbrach, begab sich Ursula ins Exil nach Schweden. 1920 kehrte sie nach Polen zurück. Sie gründete die Kongregation der „Ursulinen vom Heiligsten Herzen Jesu im Todeskampf- Grauen Ursulinen“. „Als sie die Kongregation der Ursulinen vom Heiligsten Herzen Jesu im Todeskampf gründete, vermittelte sie ihr diesen Geist. ‚Das Allerheiligste Sakrament‘ – so schrieb sie – ‚ist die Sonne unseres Lebens, unser Schatz, unsere Freude, unser ein und alles auf dieser Welt. […] Liebt Jesus im Tabernakel! Euer Herz soll stets bei ihm bleiben, auch wenn ihr körperlich bei der Arbeit seid. Dort ist Jesus, den wir leidenschaftlich und mit ganzem Herzen lieben müssen. Und wenn wir ihn nicht lieben können, so sollen wir wenigstens wünschen, ihn zu lieben – ihn immer mehr zu lieben‘“, wie Papst Johannes Paul II. während der Heiligsprechung 2003 erklärte. Die Kongregation, der Ursula als erste Generaloberin vorstand, kümmerte sich insbesondere um Arme, Kranke und Kinder aus sozial schwachen Familien. Das Mutterhaus der Kongregation befand sich in Pniewy. Die Kongregation erhielt 1930 die päpstliche Approbation. 1928 war die Zentrale der Kongregation in Rom eröffnet worden. Ursula begab sich 1931 in die Ewige Stadt.

Ursula Gräfin Ledóchowka starb am 29. Mai 1939 in Rom. Sie wurde auf dem Friedhof Verano bestattet. Ihre sterblichen Überreste wurden am 22. April 1959 in das Generalatshaus in der Via del Casaletto 557 gebracht. Dreißig Jahre später wurden sie im Mai 1989 in das Mutterhaus der Kongregation in Polen in Pniewy (Szamotuly) überführt. Ursula wurde am 20. Juni 1983 seliggesprochen. Ihre Heiligsprechung erfolgte am 18. Mai 2003 durch Papst Johannes Paul II.: „Mit der Botschaft der Liebe Gottes zog sie durch Russland, Skandinavien, Frankreich und Italien. Zu ihrer Zeit war sie eine Wegbereiterin der Neuevangelisierung, und durch ihr Leben und Wirken stellte sie die Aktualität, Kreativität und Wirksamkeit der Liebe des Evangeliums unter Beweis. … Im Lichte dieser eucharistischen Liebe vermochte die hl. Ursula in allen Dingen ein Zeichen der Zeit zu erkennen, um Gott sowie den Brüdern und Schwestern zu dienen. Sie wusste, dass für den Gläubigen jedes Ereignis, auch das geringste, zur Gelegenheit für die Verwirklichung der Pläne Gottes werden kann. Das Normale wurde durch sie außergewöhnlich; dem Alltäglichen verlieh sie Beständigkeit; das Banale machte sie heilig.

Wenn die heilige Ursula heute zum Vorbild der Heiligkeit für alle Glaubenden erhoben wird, so geschieht dies, damit ihr Charisma von den Menschen aufgenommen werden kann, die im Namen der Liebe zu Christus und zur Kirche das Evangelium in der heutigen Welt wirksam bezeugen wollen. Wir alle können von ihr lernen, wie sich mit Christus eine menschlichere Welt aufbauen lässt – eine Welt, in der Werte wie Gerechtigkeit, Freiheit, Solidarität und Frieden in immer größerem Maße Wirklichkeit werden. Von ihr können wir lernen, wie man das ‚neue‘ Gebot der Liebe jeden Tag in die Tat umsetzen kann.“