US-Bischöfe appellieren zu mehr politischer Verantwortung

Eine bessere Welt verlangt eine Politik im Licht der Soziallehre der Kirche

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WASHINGTON, D.C, 15. November 2007 (ZENIT.org).- Die Bürger der USA sollten sich ihrer politischen Verantwortung und der Notwendigkeit verantwortlicher Mitsprache im öffentlichen Leben stärker bewusst werden. Das fordern die Mitglieder der US-Bischofskonferenz in ihrem gemeinsamen „Aufruf zur politischen Verantwortung“, der gestern, Mittwoch, veröffentlicht wurde.



Eine bessere Welt könne nur entstehen, wenn politische Entscheidungen im Licht des Evangeliums beziehungsweise im Licht der Moral- und Soziallehre der Kirche getroffen werden, unterstreichen die Bischöfe in ihrem Schreiben. Und mit Blick auf den Lebensschutz appellieren sie, dass Katholiken „besser in der Lage sein sollten, politische Positionen, Parteiprogramme und Kandidaten zu beurteilen“.

Im Vorfeld der Wahlen für das höchste politische Amt in den Vereinigten Staaten weisen die Hirten darauf hin, dass es nicht so sehr auf das persönliche Profil des Kandidaten ankomme, sondern auf die Übereinstimmung seiner politischen Zielsetzung mit der Lehre der Kirche und den Prioritäten, die sich aus dem Evangelium ergeben. Ein besonderer Einsatz sei für die Beseitigung von Hunger, Armut, Rassismus, ungerechter Einwanderungspolitik und ungerechtem Krieg nötig. Dafür müssten das Gemeinwohl sowie der Schutz für die Schwachen und Gefährdeten wieder eine zentrale Bedeutung im öffentlichen Leben gewinnen.

Die amerikanischen Oberhirten, die ihre diesjährige Vollversammlung heute in Baltimore beendet haben, sehen die besondere Rolle der Kirche gerade „in der Unterstützung der Katholiken in ihrer Gewissensbildung“. Diesbezüglich betonen sie, dass „gut geschultes Gewissen als Richtschnur bei politischen Entscheidungen“ unabdingbar sei. In ihrer öffentlichen Erklärung bestärken die Bischöfe der USA die Bürger deshalb in ihrem Recht auf Wahlfreiheit, wünschen sich aber eine Gewissenserziehung „im Einklang mit Gottes Wahrheit“.

Ausdrücklich erkennen sie an, „dass die Verantwortung für die Entscheidungen im politischen Leben bei jedem einzelnen liegt“, merken aber an, dass die Beteiligung am öffentlichen Leben weit über die Stimmabgabe hinausgeht.

Die Bischöfe, die auch auf ihre eigene Rolle zu sprechen kommen, betonen, dass der Glaube öffentlich bekannt werden will, und erklären: „Die Tradition des Pluralismus innerhalb unserer Nation wird hochgehalten und nicht gefährdet, wenn religiöse Gruppen und gläubige Menschen ihre Überzeugungen und Anliegen in das öffentliche Leben tragen.“

Die Achtung der Würde jedes Menschen sei die Grundlage der katholischen Lehre über das Wesen „treuer Staatsbürgerschaft“. Deshalb könnten Abtreibung und Sterbehilfe, die mit der Intention direkter und absichtlicher Beendigung eines unschuldigen menschlichen Lebens verknüpft sind, niemals gutgeheißen werden.

Die Bischöfe warnen diesbezüglich vor zwei Versuchungen für Katholiken, die politische Verantwortung tragen: „Die erste ist eine moralische Äquivalenz, die keine ethischen Unterschiede zwischen den verschiedenen Arten von Fragen im Zusammenhang mit dem menschlichen Leben und der Würde des Menschen macht. Die direkte und absichtliche Zerstörung von unschuldigen Menschenleben… ist immer falsch, und nicht nur eines von vielen Themen. Sie muss immer bekämpft werden.“

Eine zweite Versuchung bestehe in der „Ignoranz“, was die ernsthaften Bedrohungen für das menschliche Leben und seiner Würde angehen.

Alle Katholiken und Menschen guten Willens sind nach Worten der US-Bischöfe zur „Teilnahme am politischen Leben im Licht der grundlegenden moralischen Grundsätze“ verpflichtet.