US-Bischöfe verurteilen neue Richtlinien zur Stammzellenforschung

30.000 öffentliche Stellungnahmen blieben ungehört

| 1798 klicks

WASHINGTON, D.C., 8. Juli 2009 (ZENIT.org). - Kardinal Justin Rigali hat die Entscheidung der nationalen Gesundheitsbehörde in den USA, die Richtlinien für die staatliche Förderung der Stammzellenforschung auszuweiten, scharf kritisiert.



Der Vorsitzende der Pro-Life-Kommission innerhalb der US-Bischofskonferenz beklagte gestern, Dienstag, dass „die Stellungnahmen zehntausender Amerikaner gegen die Zerstörung unschuldigen Menschenlebens durch die Stammzellenforschung in diesem Prozess einfach ignoriert“ worden seien.
 
Jennifer Miller, Geschäftsführerin von Bioethics International, berichtete gegenüber ZENIT, dass rund 30.000 der 49.000 eingelangten Stellungnahmen unbeachtet geblieben seien. Die nationale Gesundheitsbehörde NIH habe auf eine Anfrage hin darauf hingewiesen, dass es nicht ungewöhnlich sei, 49.000 Stellungnahmen zu neuen Richtlinien zu erhalten. „Das Bemerkenswerte ist aber, dass sich die meisten Stellungnahmen gegen die staatliche Finanzierung von embryonaler Stammzellenforschung richteten“, so Miller. Sie seien ignoriert worden, weil sie nicht die eigentliche Frage beantwortet hätten. Man habe nämlich nicht gefragt, ob, sondern vielmehr wie die Forschung gefördert werden solle. Der Vorsitzende der nationalen Gesundheitsbehörde habe erklärt, dass somit rund 30.000 Stellungnahmen als „nicht der gestellten Frage entsprechend erachtet“ worden seien.
 
Die neuen Richtlinien wurden auf Wunsch von US-Präsident Barack Obama erarbeitet, der zwar nicht alle, aber dennoch viele Beschränkungen der staatlichen Finanzierung aufgehoben hatte. Eine noch vorhandene Beschränkung ist die Erzeugung eines Embryos mit dem Ziel, Stammzellen zu erhalten. Für diesen Fall dürfen „nur gespendete, überschüssige Embryos“ verwendet werden. Damit sind vor allem jene Embryos gemeint, die bei einer In-Vitro-Fertilisation nicht in die Gebärmutter eingepflanzt werden, da sie aus unterschiedlichen Gründen nicht „brauchbar“ erscheinen und somit ungewollt sind.
 
Kardinal Rigali erklärte in seiner gestrigen Aussage die Folgen dieser neuen Richtlinien: „Eltern, die gefragt werden, ob ihre ‚Embryo-Kinder’ zu Forschungszwecken zerstört werden sollen, werden nicht einmal über andere Möglichkeiten informiert… Staatlich geförderten Forschern wird es erlaubt sein, menschliche embryonale Stammzellen in tierische Embryonen einzusetzen… Sogar jene Forscher sollen staatliche Unterstützung erhalten, die menschliche Embryonen zerstört haben, um Stammzellen für ihre Forschung zu gewinnen.“

Der Kardinal rief die US-Bevölkerung dazu auf, sich weiterhin gegen die Verwendung ihrer Steuergelder für eine solche Forschung einzusetzen. Nun werde das ganze Thema im US-Kongress behandelt werden, wo einige Personen sogar gemeint hätten, diese Richtlinien gingen nicht weit genug. „Ich hoffe“, so Kardinal Rigali, „dass Amerikaner, die über diese Sache beunruhigt sind, ihren gewählten Abgeordneten schreiben und sie drängen werden, diese unethische Politik nicht zu kodifizieren und auch nicht weiter auszuweiten.“

Von Kathleen Naab; Übersetzung von Florian Vorisek