US-Präsident Obama verspricht Schutz der Gewissensfreiheit

Begegnung mit acht katholischen Medienvertretern im Weißen Haus

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WASHINGTON, D.C., 3. Juli 2009 (ZENIT.org).- Bei einem Treffen mit Vertretern der katholischen Presse versicherte US-Präsident Barack Obama, dass er das Recht der Anbieter von Leistungen der Gesundheitsfürsorge auf Gewissensfreiheit schützen werde.



Diese Beseitigung der „schlimmsten Erwartungen“ hinsichtlich der neuen gesetzlichen Regelungen zur Gewissensklausel sei der Höhepunkt der Unterredung gewesen, erklärte P. Owen Kearns LC, Herausgeber und Verleger des National Catholic Register, nach dem Treffen. Er war einer von acht Teilnehmern, die zur 41-minütigen Begegnung eingeladen worden waren.

Auf der Website des National Catholic Register berichtet der Priester, dass der US-Präsident die Verwirrung über seine Absicht, ein Gesetz über die Gewissensklausel zu erlassen, bedauert habe. Wörtlich soll Obama erklärt haben:

„Ich denke, dass der einzige Grund, warum meine Haltung unklar erscheinen mag, der ist, dass sie sich unmittelbar nach einer Änderung der Bestimmungen über die Gewissensklauseln ergeben hat, die von der früheren Amtsführung vorangetrieben worden war… Ich glaube an Gewissensklauseln. Ich war ein Verfechter einer starken Gewissensklausel für die katholischen Krankenhäuser und Anbieter von Leistungen der Gesundheitsfürsorge in Illinois. Ich besprach das mit Kardinal George, als er hier im Oval Office im Weißen Haus war, und in meiner Rede in Notre Dame bekräftige ich erneut meine Unterstützung für eine wirkungsvolle Gewissensklausel… Ich kann allen Ihren Lesern garantieren, dass es nach dem Abschluss dieser Nachbearbeitung eine stabile Gewissensklausel geben wird. Sie wird zwar nicht die Kriterien jedes möglichen Kritikers unseres Ansatzes erfüllen können, aber sie wird zweifellos nicht schwächer sein als das, was vor den Änderungen existierte.“

Als weitere Teilnehmer waren Vertreter von America, Avvenire/Radio Vatikan, Catholic News Service, Catholic Digest, Commonweal, National Catholic Reporter und The Washington Post zur Begegnung mit Obama zugelassen worden. Die Konferenz begann mit einer kurzen Ansprache des Präsidenten, anschließend stellte jeder Vertreter eine Frage.

Besuch bei Papst Benedikt im Vatikan

Zu seinem bevorstehenden Treffen mit Papst Benedikt XVI., das im Anschluss an den G8-Gipfel in der italienischen Stadt L’Aquila (8.-10. Juli) stattfinden wird, erklärte Obama, „dass er den Besuch beim Heiligen Stuhl in mancher Hinsicht wie den Besuch in jedem anderen Staat betrachte, bei dem es Übereinstimmungen und Meinungsverschiedenheiten geben werde“. Es sei ihm eine große Ehre, dem Papst zu begegnen, und er freue sich auf Gespräche über den Nahen Osten, den Klimawandel und die Einwanderungsfrage.

Während des Journalistentreffens sprach der US-Präsident zweimal über seine Beziehung zu Kardinal Joseph Bernardin, der von 1982 bis zu seinem Tod 1996 Erzbischof von Chicago gewesen war. Kardinal Bernardin, ein deklarierter Lebensschützer, habe niemals gezögert, seine Ansichten zu äußern, so Obama. Aber er habe dennoch auch Wert auf andere Themen gelegt. Dieser Teil der katholischen Tradition inspiriere ihn nach wie vor, gab der Präsident zu. Es habe aber den Anschein, dass die Abtreibungsdebatte all diese Themen begraben hätte.

Gemeinsamkeiten
Paul Baumann vom Commonweal Magazine fragte Obama nach dem in Kürze erscheinenden Bericht über die Bemühungen, Gemeinsamkeiten in der Abtreibungsfrage zu entdecken. Auf die Frage, welche Ergebnisse er sich von der zuständigen Arbeitsgruppe erhoffe, antwortete der Präsident: „Ich hatte niemals die Illusion, dass es Gemeinsamkeiten geben werde…, dass wir alle Unterschiede einfach wegdiskutieren würden… Aber ich kann Ihnen mitteilen, dass der Gedanke, jungen Menschen zu helfen, kluge Entscheidungen zu treffen, damit sie sich nicht durch gelegentliche sexuelle Kontakte in ungewollte Schwangerschaften stürzen, dass des Weiteren die Bedeutung von Adoption als einer Möglichkeit, einer Alternative zur Abtreibung mehr Relevanz gewinnt, und dass schwangere Frauen Unterstützung erhalten, die es ihnen erleichtert, für ihre Kinder zu sorgen, dass dies drei Bereiche sind, wo ich überrascht wäre, hätten wir hier keine Übereinstimmungen.“

Obama äußerte in diesem Zusammenhang seine persönliche Ansicht, dass „guter Sex und moralische Erziehung“ mit Verhütung kombiniert werden müsse, damit es zu weniger ungewollten Schwangerschaften komme. Er wisse, dass das der Lehre der katholischen Kirche widerspreche, und er erwarte nicht, dass jemand, der ihre Überzeugung teile, mit ihm einer Meinung sein könne. In diesem Punkt werde es daher wahrscheinlich nicht möglich sein, „eine gemeinsame Sprache zu finden“

Es würde ihn aber auch überraschen, wenn jene, die für eine Legalisierung der Abtreibung eintreten, etwas dagegen hätten, wenn man sich für den Versuch ausspräche, jene Umstände, unter denen sich Frauen gezwungen fühlen, eine Abtreibung durchzuführen, zu verbessern.