US-Prüfung stellt Rückgang der Vorwürfe wegen sexuellen Missbrauchs fest

2012 wurden 34 Fälle sexuellen Missbrauchs bekannt; manche als unbegründet abgewiesen

Washington, (ZENIT.org) | 335 klicks

Die jährliche Überprüfung der Einhaltung der „Charta für den Schutz von Kindern und Jugendlichen“ durch die Diözesen ergab einen Rückgang der Zahl der vorgebrachten Anschuldigungen, der Opfer und der Täter im Jahre 2012.

Laut dem „Center for Applied Research in the Apostolate“ (CARA) (Zentrum für angewandte Forschung im Apostolat), das die Datenerhebung vorgenommen hatte, seien seit dem Beginn der Datenerhebung für den Bericht im Jahre 2004 noch niemals so wenige Beschwerden und Opfer festgestellt worden.

Bei den meisten der im letzten Jahr vermeldeten Vorwürfe handelt es sich um Fälle aus den 1970er und 1980er Jahren, wobei viele der vermutlichen Täter bereits verstorben sind oder ihres Amtes enthoben wurden.

Laut dem Prüfungsunternehmen StoneBridge Business Partners, von dem die Prüfung durchgeführt wird, befanden die Organe der Exekutive 6 der insgesamt 34 vermeldeten Missbrauchsfällen Minderjähriger im Jahre 2012 als glaubwürdig. Im Falle der Glaubwürdigkeit von 15 Beschwerden wurde noch ermittelt. 12 Beschwerden wurden als unbegründet oder unbeweisbar befunden, einer als Grenzverletzung.

Der jährliche Bericht gliedert sich in zwei Teile. Der erste ist der von StoneBridge erstellte Bericht über die Einhaltung. Die Grundlage bildeten ein Lokalaugenschein von 71 Diözesen und Eparchien sowie die Prüfung der eingereichten Dokumentation von 118 weiteren. Die Diözese Lincoln, Nebraska, und fünf Diözesen des östlichen Ritus, bekannt als Eparchien, lehnten eine Überprüfung ab.

Die von StoneBridge vorgenommene Prüfung ergab eine Übereinstimmung der meisten Diözesen mit der Charta. Im Bericht heißt es dazu: „die Ausbildung von mehr als 99 Prozent der Kleriker und mehr als 96 Prozent der Angestellten und Freiwilligen erfolgt in einem sicheren Umfeld. Zusätzlich hinaus verfügen mehr als 4,6 Millionen Kinder über ein sicheres Bildungsumfeld. Hintergrundbewertungen werden im Falle von 99 Prozent der Kleriker, 98 Prozent der Ausbildner und 96 Prozent der Angestellten sowie 96 Prozent der Freiwilligen durchgeführt.“

StoneBridge berichtete von Hindernissen, inklusive der mangelnden Bereitschaft der meisten Diözesen und Eparchien, Prüfungen der Pfarren während der Überprüfung vor Ort zuzulassen. Dem Revisionsunternehmen zufolge müssten die Prüfer sich ausschließlich auf die aus zweiter Hand von der Diözese oder Eparchie zur Verfügung gestellten Informationen verlassen, anstatt sich selbst ein Bild von dem Programm machen zu können.

Eine weitere Beschränkung sei die Personalfluktuation des Kindesmissbrauchs-Präventionsprogramms der Diözesen. Dem Bericht von StoneBridge zufolge führe dies zu einem „Verlust von Akten“ und dazu, dass „die neuen Mitarbeiter oft ohne formale Einweisung Schlüsselpositionen zugeteilt werden.“

Al J. Notzon, III, Aufsichtsratsvorsitzender des für die Überprüfung verantwortlichen „National Review Board“ (NRB) (nationaler Prüfungsausschuss), äußerte Bedenken in einem Brief an den Präsidenten der U.S. „Conference of Catholic Bishops“ (US-amerikanische Konferenz katholischer Bischöfe), Kardinal Timothy Dolan von New York. Er betonte die Bedeutung von guten Unterlagen und wie wichtig eine Einbeziehung der Pfarren in den Überprüfungsprozess sei.

Notzon führte aus: „Missbrauchsfälle sind in Pfarren aufgetreten, in denen unsere Kinder ausgebildet werden und in ihrem Glauben wachsen. Aus der Perspektive des NRB ist die Mitwirkung der Pfarren am Überprüfungs-Prozess ein wesentlicher Schritt in der Verwirklichung der Charta für die Laien in diesen Pfarren. Wir haben festgestellt, dass es im Schutz der Kinder vor dem sexuellen Missbrauch kein Ende gibt. Daher gilt es, die Bemühungen zu intensivieren anstatt zu lockern, sodass dieser heilige Verantwortung weiterhin die nötige Aufmerksamkeit erhält.“

„Zugleich erneuern wir unseren festen Entschluss, in unserem gemeinsamen Einsatz für den Schutz der unserer pastoralen Fürsorge anvertrauten Kinder und Jugendlichen niemals nachzulassen“, so Notzon. Er führte aus: „Wir sind bestrebt, mit der gleichen Bestimmtheit die Heilung und Versöhnung für jene herzustellen, die in der Vergangenheit Leid erfuhren, eine Fortsetzung der Glaubwürdigkeit unserer Prüfungen zu gewährleisten und unsere Rechenschaftspflicht unserem gemeinsamen Versprechen des Schutzes und Heilens gegenüber aufrecht zu erhalten.“

Der zweite Teil des Berichtes enthält die „2012 Survey of Allegations and Costs“ (Umfrage zu Unterstellungen und Kosten im Jahre 2012) von CARA.

Unter den innerhalb der Diözesen erhobenen Daten befanden sich laut CARA 397 Anklagen; die meisten davon aus vergangenen Jahrzehnten. Diese wurden insgesamt 313 Priestern oder Diakonen von 390 Personen zur Last gelegt. Etwa 84 Prozent der Opfer waren männlich. Die Hälfte davon war zu Beginn der Misshandlungen im Alter von 10-14 Jahren. Geschätzte 17 Prozent waren 15 und 17; 19 Prozent waren jünger als 10.

Die Diözesen und Eparchien, die auf die Umfrage reagiert hatten, berichteten von Kosten in Höhe von 112.966.427 Dollar im Jahre 2012. Die Ausgaben deckten Gerichts- und Anwaltskosten sowie Therapien für die Opfer und Unterstützung für die Täter. Insgesamt wurden für die Diözesen, Eparchien und Orden 148.338.437 Dollar ausgegeben. Die Diözesen und Orden investierten zusätzlich 26.583.087 Dollar in Kinderschutzprogramme.

In einem Vorwort des Berichtes lobte Kardinal Dolan die in einem sicheren Umfeld ausgebildeten Kleriker, Angestellten und Freiwillige.