USA - Es ist an der Zeit, das Gewissen zu erforschen

Kardinal Egan von New York und die Antwort auf die Terroranschläge

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VATIKAN, 4. Oktober 2001 (ZENIT.org).- Am 1. Oktober begann die Weltbischofssynode mit einem großen Beifall für Kardinal Egan von New York, der sich zu den Twin Towers begeben hatte, um dort die Sakramente zu spenden, kurz nachdem der Anschlag passiert war, wie Giovanni Battista, Kardinal Re, einer der Synodenpräsidenten vor der Versammlung ausführte.



Hier nun die Antworten des 69-jährigen Kardinals auf die Fragen der Journalisten über die Kriterien der Gerechtigkeit, welche nun die Reaktion auf die Terroranschläge bestimmen sollen.

FRAGE: Wie kann man das Verlangen des amerikanischen Volkes nach Gerechtigkeit und den Aufruf des Papstes zur Gewaltlosigkeit miteinander vereinbaren?

EGAN: Wir wollen, dass Gerechtigkeit unter der Bedingung geschieht, dass man den oder die Verantwortlichen ausfindig macht und sie vor Gericht stellt. Wir wollen allerdings nicht die Komplizen einer Reihe von Ungerechtigkeiten werden, die wir nicht rechtfertigen können. Wir wissen noch nicht, wer die Verantwortlichen dieser Anschläge sind. Es wäre höchst ungerecht, einen anderen zu verfolgen. Jeder, der einen Gerechtigkeitssinn hat, nicht nur der Heilige Vater, würde sagen, dass wir zuerst die Verantwortlichen ausfindig machen müssen. Die Strafe muss im Rahmen der Gerechtigkeit ausfallen und wenn möglich, von der UNO bestimmt werden.

FRAGE: Teilen die Amerikaner diese Auffassung?

EGAN: Wir suchen nach Gerechtigkeit, indem wir Gerechtigkeit walten lassen.
Worte wie "Rache" oder "Repressalien" sind keine Worte eines zivilisierten Volkes und schon gar nicht Worte eines Volkes, welches Jesus Christus als den Herrn und Retter anruft. Ich hoffe, dass wir richtig und in gerechter Weise handeln. Das hat auch der Papst gesagt, und ich wiederhole das in fast allen Ansprachen in den letzten Wochen.

FRAGE: Glauben Sie nicht, dass es nun an der Zeit ist, darüber nachzudenken, dass diese Explosion von Hass ein Ergebnis des Auftretens der USA in einigen Teilen der Welt ist?

EGAN: Nun, das muss man in die Überlegungen mit einbeziehen. Zweifelsohne müssen wir unser Gewissen erforschen, das ist notwendig, um nach Heiligkeit zu streben. Ein jeder muss sich fragen, wo er falsch gehandelt hat, auch dann, wenn nichts Schlimmes passiert. Wie stehen wir zu dem, was geschehen ist? Die Erklärung dafür darf man nicht in der Tatsache finden wollen, dass die USA Fehler begangen haben, aber zum Teil kann das schon zutreffen.