„Ut unum sint“: Benedikt XVI. über Ökumene und Paulus-Jahr

Angelus am Hochfest Peter und Paul

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ROM, 2. Juli 2007 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Papst Benedikt XVI. am Hochfest Peter und Paul (29. Juni) zum Angelus gehalten hat.



Der Heilige Vater bekräftigte seine Bereitschaft, die Einheit der Christen aktiv zu fördern, und er ermutigte die Gläubigen, die freundschaftlichen Bande mit den Christen anderer Kirchen und Konfessionen zu stärken. Außerdem appellierte er an alle, den missionarischen Eifer zu erneuern.

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Liebe Brüder und Schwestern!

Vor kurzem endete in der Vatikanischen Basilika die Eucharistiefeier zu Ehren der heiligen Apostel Petrus und Paulus, Patrone Roms und „Säulen“ der universalen Kirche. Wie jedes Jahr sind zu dieser feierlichen Gelegenheit in Rom die Metropolitan-Erzbischöfe zusammengekommen, die ich während des letzten Jahres ernannt und denen ich das Pallium übergeben habe, ein liturgisches Abzeichen, das das Band der Gemeinschaft zum Ausdruck bringt, das sie an den Nachfolger Petri bindet. Den lieben Brüdern und Metropoliten erneuere ich meinen herzlichsten Gruß; dabei lade ich alle ein, für sie und die ihrer Hirtensorge anvertrauten Gemeinden zu beten. Des Weiteren haben anlässlich des heutigen Hochfestes die Kirche von Rom und ihr Hirte auch dieses Jahr die Freude, die vom Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel entsandte Delegation als Gäste zu haben. Den verehrten Brüdern, die die Delegation bilden, erneuere ich meinen herzlichsten Gruß, einen Gruß, den ich durch sie mit Zuneigung an Seine Heiligkeit Bartholomaios I. richte.

Das Fest der Apostel Petrus und Paulus lädt uns in besonderer Weise dazu ein, inständig für die Sache der Einheit aller Jünger Christi zu beten und für sie voller Überzeugung einzutreten. Der christliche Osten und Westen stehen einander sehr nahe und können schon auf eine beinahe volle Gemeinschaft zählen, wie das II. Vatikanische Konzil erinnert – der Leuchtturm, der die Schritte auf dem ökumenischen Weg leitet. Unsere Begegnungen, die gegenseitigen Besuche, die laufenden Dialoge sind also nicht einfache Gesten der Höflichkeit oder Versuche, zu einem Kompromiss zu gelangen, sondern das Zeichen eines gemeinsamen Willens, alles in unserer Kraft Stehende zu tun, damit wir in Bälde zu jener vollen Gemeinschaft gelangen können, um die Christus in seinem Gebet an den Vater nach dem Letzen Abendmahl flehend betete: „ut unum sint“ (auf dass sie eins seien).

Zu diesen Initiativen gehört auch das „Paulus-Jahr“, das ich gestern Abend in der Basilika St. Paul vor den Mauern, gerade beim Grab des Apostels Paulus, verkünden wollte. Es handelt sich um ein ihm gewidmetes Jubiläumsjahr, das anlässlich des 2000. Jahrestages seiner Geburt am 28. Juni 2008 beginnen und seinen Abschluss am 29. Juni 2009 finden wird. Ich möchte meinen Wunsch zum Ausdruck bringen, dass die verschiedenen Veranstaltungen, die organisiert werden, einen Beitrag leisten mögen, um unseren missionarischen Eifer zu erneuern und die Beziehungen mit unseren Brüdern des Ostens, aber auch mit den anderen Christen zu stärken, die den Völkerapostel genauso verehren wie wir.

Wir wenden uns jetzt an die Jungfrau Maria, Königin der Apostel. Durch ihre mütterliche Fürsprache gewähre der Herr der Kirche, die in Rom ist und in der ganzen Welt, dass sie dem Evangelium, zu dessen Dienst die heiligen Apostel Petrus und Paulus ihr Leben geweiht haben, immer treu sein möge.

[Nach dem Angelus richtete sich der Heilige Vater mit folgenden Worten an die Pilger aus dem deutschsprachigen Raum:]

Einen frohen Festtagsgruß richte ich an die Pilger und Besucher deutscher Zunge. Am Hochfest der Apostelfürsten Petrus und Paulus gedenken wir in besonderer Weise des Stiftungswillens Christi, der seine Kirche auf die Apostel, auf das Fundament ihres Glaubens gebaut hat. Auf ihre Fürsprache bitten wir den Herrn um einen lebendigen Glauben, damit auch wir in Wort und Tat bekennen: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes." Ich wünsche euch einen gesegneten Festtag hier in Rom.

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Originals; © Copyright 2007 – Libreria Editrice Vaticana]