Valentin, Schutzheiliger der Verliebten, aber nicht nur

Als Bischof von Terni und Märtyrer wirkte er hunderte von Wundern und Bekehrungen

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Von Pietro Barbini

ROM, Dienstag, 14. Februar 2012 (ZENIT.org). – Heute ist Sankt Valentin, das „Fest der Verliebten“. Pralinen, Rosen, Schmuck und jede Art von Schnickschnack: Der Gedenktag des Schutzheiligen der Verlobten ist zu einem von Konsum, Materialismus und ungezügeltem Eros geprägten Jahrmarkt geworden, so kommerziell, dass oft vergessen wird, wo dieses Fest herkommt, wer der heilige Valentin wirklich war und was er mit den Verliebten zu tun hat.

Diese Tradition wurde anfänglich von den Mönchen des Benediktinerordens verbreitet, die die ersten Hüter der Basilika waren, in der die Überreste des Heiligen aufbewahrt wurden. Das Fest wurde im Jahr 496 von Papst Gelasius I. eingeführt, der damit beabsichtigte, das alte heidnische Fest der Luperkalien zu ersetzen, welches die Römer am selben Tag zu Ehren des Gottes Faunus, des Beschützers der Herden, begingen. Gleichzeitig wollte Gelasius die christliche Botschaft der Nächstenliebe verbreiten, indem er das Wirken des heiligen Valentin bekannt machte.

Wer war der heilige Valentin eigentlich? Spross einer adligen Familie, wurde er im Alter von nur 21 Jahren vom heiligen Felicianus von Foligno zum Bischof von Terni geweiht. Im Jahr 270 rief ihn der griechisch-römische Philosoph und Redner Crato nach Rom, wo Valentin das Evangelium predigte und viele Heiden bekehrte, auch dank seiner großen Redebegabung.

Man sagt, dass, wenn er sprach, „alle an seinen Lippen hingen, die es verstanden, selbst den lasterhaftesten Heiden die Herzen zu öffnen“. Das Volk liebte und schätzte ihn wegen der besonderen Aufmerksamkeit, die er den Kindern, den Kranken und den Jugendlichen zukommen ließ, die ihn oft um Rat baten. Im Zuge der Christenverfolgung durch Kaiser Aurelian im Jahr 273, wurde er im Alter von 97 Jahren auf der Via Flaminia, vor den Mauern von Rom, gegeißelt und enthauptet.

Wir besitzen heute nur wenige Quellen, die aus dem Leben dieses heiligen Märtyrers berichten. Die älteste stammt aus dem 8. Jahrhundert und schildert Einzelheiten seines Martyriums, wie seine Geißelung, Enthauptung und Grablegung durch seine Jünger Procul, Ephebus und Apollonius, die zur Strafe dafür, dass sie den Körper des Heiligen beisetzten, ebenfalls enthauptet wurden. Diese Jünger hatten sich gemeinsam mit zahlreichen anderen Menschen infolge eines Wunders bekehrt, von dem sie selbst berichten: die Heilung von Cratos gelähmtem Sohn Chermonis.

Nach diesem Wunder ließ sich auch Crato selbst, der einer heidnischen Familie angehörte, zusammen mit seiner Frau und seinen Kindern taufen, und mit ihm traten auch seine Jünger Atheniesius, Procul, Ephebus, Apollonius und Abondius zum Christentum über. Abondius, Sohn des Präfekten der Stadt Rom Annius Placidus, setzte die gemarterten Körper seiner Gefährten Procul, Ephebus und Apollonius neben dem Grab des heiligen Valentin bei. Auch Crato wurde wegen seiner Bekehrung durch Valentin zum Tode verurteilt. Der einzige Überlebende war sein Sohn Chermonis (es heißt, er sei es gewesen, der später die erste dem Schutzheiligen von Terni geweihte Basilika errichten ließ).

Man kennt viele Wunder des heiligen Valentin und viele Geschichten sind jahrhundertelang im Volksmund weitererzählt worden, so zum Beispiel die Anekdote, er habe bei seiner ersten Gefangennahme unter Kaiser Claudius Gothicus der blinden Tochter des Gefängnisaufsehers Asterius das Augenlicht zurückgegeben.

Ein weiteres wichtiges Wunder, die Heilung eines sterbenden Sklaven, ereignete sich im Jahr 225 (nach diesem Bericht wurde der Bruder des Geheilten, Fonteius Triburtius, Diener im Haus Cratos in Rom). Kranke aller Art suchten regelmäßig sein Haus auf und baten ihn um Gebete für ihre Heilung (die auch oft erfolgte). Man sagt, alle Leidenden, die sein Haus betraten, verließen es mit gestärktem und getröstetem Geist. Der Heilige forderte alle auf, Gott zu preisen und ihm zu danken; er legte großen Wert auf einen starken Glauben, denn dies, pflegte er zu sagen, sei der einzige Weg zur Heilung.

Sein Bezug zu den Verliebten geht auf seine lange Tätigkeit als Seelsorger zurück. Sein Leben lang schenkte der Heilige der Jugend und den Familien eine große Aufmerksamkeit, lud sie in seinen wunderschönen Blumengarten ein und spendete ihnen Rat und Beistand. Valentin wiederholte gern die Worte: „Gott liebt uns und wir müssen ihm diese Liebe zurückgeben, indem wir unseren Nächsten so lieben, wie er uns geliebt hat“. Wenn junge Verlobte zu ihm kamen und seinen Segen erbaten, pflegte er ihnen eine Rose zu schenken.

Wenn eine Familie Geldsorgen hatte oder keine Kinder bekam, forderte er sie auf, an die Heilige Familie von Nazareth zu denken, Vertrauen in die göttliche Vorsehung zu haben und ihre Blicke auf die Jungfrau Maria zu richten. Er machte ihnen Mut, segnete sie, betete mit ihnen und versicherte sie seiner Gebete.

Deshalb verbindet man den heiligen Valentin mit den Verliebten: Auf seinem langen Lebensweg hatte er junge Verlobte und Familien immer in sein Herz geschlossen. Eine viel zitierte Anekdote erzählt, der Heilige habe einmal auf der Straße zwei Verlobte streiten gesehen, sei auf sie zugegangen, habe ihnen eine Rose geschenkt und sie aufgefordert, die Blume gemeinsam in ihren Händen zu halten; kurz darauf sollen sich die beiden versöhnt und ewige Liebe geschworen haben. Eine andere Version lautet, der Bischof von Terni habe mehrere Taubenpaare um die streitenden Verlobten fliegen lassen, um ihnen Frieden und gegenseitige Liebe einzuflößen.

Eine weitere berühmte Geschichte besagt, Valentin habe die Ehe zwischen Christiana Serapia und dem römischen Zenturion Sabinus geschlossen. Der Vater der Braut hatte versucht, diese Liebesgeschichte zu verhindern, weil der Zenturion ein Heide war. Als die junge Frau schwer erkrankte, ließ Sabinus Valentin rufen und flehte ihn im Einverständnis mit Serapia an, er möge dafür sorgen, dass sie nie wieder getrennt seien. Da taufte der Bischof den heidnischen Zenturion und vereinte die beiden in der Ehe. Gleich darauf starben beide.

Am 14. Februar gedenken die katholische, die orthodoxe und die anglikanische Kirche des heiligen Valentin.

[Übersetzung des italienischen Originals von Alexander Wagensommer]