Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun

Papst betrachtet die drei letzten Worte Christi am Kreuz des Lukasevangeliums

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VATIKANSTADT, 11. Januar 2011 (ZENIT.org). – Papst Benedikt XVI. widmete seine Katechese bei der heutigen Generalaudienz den letzten Worten Christi am Kreuz, wie sie im Evangelium des hl. Lukas beschrieben werden.

[Wir dokumentieren die offizielle deutsche Zusammenfassung:]

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Liebe Brüder und Schwestern!

Bei der vorigen Audienz habe ich begonnen, über das Gebet Jesu am Kreuz zu sprechen. Heute möchte ich mit euch die drei Worte betrachten, die der Evangelist Lukas vom Gekreuzigten überliefert hat. Das erste davon ist die Vergebungsbitte des Herrn für seine Henker: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ (23,34). Jesus selbst vollzieht, was er lehrt: „Liebt eure Feinde; … betet für die, die euch misshandeln“ (Lk 6,27.28). Später sehen wir am Erzmärtyrer Stephanus, wie er diese Haltung des Herrn nachahmt, wenn er gleich ihm für seine Mörder betet. Jesus vergibt nicht nur seinen Henkern, sondern tritt für sie beim Vater ein. Zum Grund seiner Fürbitte macht er ihr Nichtwissen, das den Weg zur Bekehrung offen lässt, dies bleibt ein Trost für alle Zeiten und für alle Menschen. Das zweite Wort Jesu am Kreuz nach Lukas geht einen Schritt weiter. Jesus antwortet jetzt auf die Bitte eines Mitgekreuzigten. Er war ein sogenannter Räuber, wahrscheinlich ein Widerstandskämpfer, der nun den Herrn bittet, seiner zu gedenken, wenn er in sein Reich kommt. Und der Herr antwortet darauf: „Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein“ (23,43). Jesus weiß, dass er direkt in die Gemeinschaft mit dem Vater eingehen wird, dass er den Menschen wieder ins Paradies, ins Mitsein mit Gott hineinführt. Er gibt dem Glaubenden Hoffnung. Gottes Erbarmen kann uns auch im letzten Augenblick erreichen; die Bitte um seine Güte wird nicht umsonst gestellt: Er ist der barmherzige Vater, der uns mit offenen Armen erwartet. Der Herr sagt dem Mann: Ich ziehe dich gleichsam mit hinauf, wir kommen heute im Paradies an. Das letzte Wort ist ein Ruf äußerster und völliger Hingabe des sterbenden Jesus an Gott: „Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist“ (23,46). Mit diesem Gebet, in dem Jesus einen Vers aus Psalm 31 aufgreift, bekräftigt er seinen Willen, zunächst den Händen der Menschen ausgeliefert zu werden, aber dann letztlich doch in den Händen Gottes zu sein und sich in die guten Hände Gottes zu übergeben. Der Herr weiß, dass er letztlich als Sohn in den Händen des Vaters steht, aber er versichert damit auch uns, dass wir zuletzt in die Hände des Vaters fallen. Darauf dürfen wir uns verlassen, danach Ausschau halten, gleichsam auf diese Hände zu leben, die uns tragen und uns die Gewissheit geben, nicht ins Nichts abzustürzen.

[Die deutschsprachigen Pilger grüßte der Papst mit folgenden Worten:]

Gerne grüße ich alle Gäste deutscher Sprache, insbesondere die Studierenden des Kirchenrechts der Universitäten München und Augsburg sowie den TSV 1860 München. Ich freue mich über Ihre Anwesenheit! Das Beten Jesu am Kreuz lädt uns ein, den anderen zu verzeihen und auch für die zu beten, die uns unrecht tun. Zugleich schenkt es uns Vertrauen und Zuversicht: Wir dürfen gewiss sein, dass wir in Not und Leid nicht aus Gottes Händen herausfallen, sondern in diesen guten Händen geborgen bleiben. Gott segne euch alle.

[© 2012 Libreria Editrice Vaticana]