Vatikan bildet junge Astrophysiker aus

Sommerschule in der Sternwarte für Astronomie und Astrophysik

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VATIKAN, 4. Juni 2001 (ZENIT.org).- Die vatikanische Sternwarte wird diesen Sommer die einmalige Gelegenheit eines Kurses für Astrophysik für junge Studenten anbieten.



Vom 17. bis 13. Juli findet dieser Sommerkurs in der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo über das Thema "Beobachtung und theoretisches Verständnis der Gestirnreste ´White Dwarfs´, Neutronensterne und schwarze Löcher".

26 Jugendliche aus 19 Ländern sind zu diesem Kurs eingeladen. Vormittags finden Vorlesungen statt und nachmittags werden Seminare vom Personal der Sternwarte und von Gastprofessoren abgehalten. Am Ende des Kurses muss jeder Teilnehmer eine schriftliche Arbeit zu einem eigenen Thema oder über die Einrichtung, die sie vertreten, präsentieren.

Die vatikanische Sternwarte hat sechs Stipendien an Teilnehmer aus Entwicklungsländern vergeben, die bereits an einem der sieben Sommerkurse in den Vorjahren teilgenommen haben und ihre Studien an der Universität fortsetzen wollen.

Angeboten werden auch Laborpraktika, wobei die Teilnehmer auch Zugang zu den Computern der Sternwarte haben, was ihnen die Möglichkeit bietet, virtuelle Sternbeobachtung zu betreiben, indem sie sich mit einem Teleskop der Sternwarte eines Forschungszentrums in Arizona (USA) verbinden. Auch stehen Ausflüge an für die Astronomie interessante historische Stätten auf dem Programm.

In einer Erklärung des Leiters der päpstlichen Sternwarte, Pater George V. Coyne, heißt es, das Ziel dieser Kurse sei, den Studenten zu einem Einstieg in ihre höheren Studien und zur Vorbereitung auf eine anspruchsvolle Forschungskarriere zu verhelfen, was auch durch den internationalen Austausch bereichert werden soll.

Die Anfänge der vatikanischen Sternwarte gehen auf Papst Gregor XIII zurück, der eine wissenschaftliche Kommission einsetzte, um die notwendigen Elemente für seine Kalenderreform von 1582 zu ausfindig zu machen und zu untersuchen.

Um auf die Vorwürfe der Wissenschaftsfeindlichkeit der Kirche zu reagieren, hat Papst Leo XIII. 1891 die vatikanische Sternwarte (Observatorio Vaticano) offiziell gegründet und auf einem Hügel hinter der Peterskirche errichtet. Das Wachstum der Stadt und die künstliche Beleuchtung führten dazu, dass die Warte in den dreißiger Jahren nach Castel Gandolfo, 35 km außerhalb der Ewigen Stadt verlegt wurde.

Durch das ständige Anwachsen der Stadt machten sich die Auswirkungen des Kunstlichtes auch in Castel Gandolfo bemerkbar. Daher wurde ein zweites Forschungszentrum in Amerika gegründet: Vatican Observatory Research Group (VORG) in Tuscon, Arizona. Es gehört zu den derzeit wichtigsten astronomischen Forschungszentren der Welt.

Das Zentrum in Castel Gandolfo ist derzeit hauptsächlich Archiv und Bibliothek. Aufbewahrt werden dort 22.000 Bände von unbeschreiblichem Wert, unter anderem befinden sich dort die Originalwerke von Kopernikus, Galilei, Newton, Kepler, Brahe, Clavius und Secchi. Außerdem kann dort auch eine einzigartige Kollektion von Meteoriten besichtigt werden, die zur Erforschung des Sonnensystems dienen. Die wissenschaftlichen Untersuchungen werden in internationalen Spezialzeitschriften veröffentlicht.

Außerdem veröffentlicht die Sternwarte auch die Reihe "Studi Galileiani", Artikel über die Kontroversen Galileis und Kopernikus´.
Finanziert wird die Sternwarte vom Heiligen Stuhl, Sonderprojekte werden zum Teil aber auch von privaten Mäzenen gesponsert. Für diese Zwecke wurde die steuerfreie Institution Vatican Observatory Foundation (VOF) gegründet.