Vatikan: Bischof Williamson muss Holocaust-Leugnung widerrufen

Erzbischof Zollitsch begrüßt Erklärung des Staatssekretariats

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ROM, 4. Februar 2009 (ZENIT.org).- In einer heute veröffentlichten Erklärung stellte das Staatssekretariat des Vatikans klar, dass Bischof Williamson von der Priesterbruderschaft Pius X. seine umstrittenen Aussagen über den Holocaust öffentlich und eindeutig widerrufen müsse. Zudem wird in dem Schreiben betont, dass der Papst zum Zeitpunkt der Unterzeichnung des Dekrets zum Nachlass der Exkommunikation der vier Bischöfe der Pius-Bruderschaft keine Kenntnis von diesen Aussagen gehabt habe.

Der Vatikan fordert die Priesterbruderschaft dazu auf, das Zweite Vatikanische Konzil und die lehramtlichen Aussagen auch der letzten Päpste anzuerkennen, um in einen Dialog mit der Kirche eintreten zu können. Gegenwärtig sei der kanonische Status der Bruderschaft noch nicht legalisiert; keiner der vier Bischöfe habe gegenwärtig ein kirchliches Amt inne.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Zollitsch, begrüßte die Erklärung des Vatikans. Wir veröffentlichen seine Stellungnahme.

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Ich begrüße die heutige Erklärung von Kardinal Tarcisio Bertone zur Aufhebung der Exkommunikation der vier Bischöfe der Pius-Bruderschaft. Sie gibt Klarheit und zeigt, dass für Leugner des Holocaust kein Platz in der katholischen Kirche ist. Der Va­tikan hat unmissverständlich klar gemacht, dass er jede Form von Antisemitismus ver­urteilt. Darauf und an die Verpflichtung, die Shoah niemals aus der Erinnerung zu löschen, hatte Papst Benedikt XVI. bereits deutlich am vergangenen Mittwoch hingewie­sen.

Die Pius-Bruderschaft genießt keinerlei rechtliche Anerkennung in der katholischen Kir­che. Auch haben ihre vier Bischöfe weiterhin keine Funktion in der Kirche, noch üben sie rechtmäßig irgendein Amt in ihr aus. Ich bin froh darüber, dass Kardinal Bertone daran keinen Zweifel lässt. Er hat ebenfalls festgestellt, dass die vollständige Anerken­nung des Zweiten Vatikanischen Konzils und der Lehre der Päpste unaufgebbare Vorbe­dingung einer kirchlichen Anerkennung der Bruderschaft ist.

Jetzt liegt es an den Bischöfen, insbesondere an Bischof Williamson, ob sie sich in der katholischen Kirche sehen wollen. Ein klarer Widerruf der nicht hinnehmbaren The­sen ist notwendig. Er muss aber durch zusätzliche Klärungen ergänzt werden.

[Von der Deutschen Bischofskonferenz veröffentlichtes Original]