Vatikan: Drohungen von Al Qaida stellen keinen Grund zur Sorge dar

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ROM, 19. Dezember 2007 (ZENIT.org).- Der Präsident des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog, Kardinal Jean-Louis Tauran, hat auf die Vorwürfe des zweiten Mannes und Chefideologen der islamistischen Terrororganisation Al Qaida, Al Zawahiri, reagiert. Zawahiri kommt aus Ägypten, ist Arzt und zudem Stellvertreter Bin Ladens.



In einer Videobotschaft hatte Al Zawahiri eine doppelte Drohung ausgesprochen, die an den saudi-arabischen König sowie an die Hüter der heiligen Stätten des Islam und den Papst gerichtet war. Der Terrorist brachte erneut den falschen Vorwurf vor, dass Benedikt XVI. mit seiner Regensburger Rede „den Islam beleidigt“ hätte. Gleichzeitig bekräftigte er, dass jede Form von christlich-islamischem Dialog (wie zuletzt die Gespräche des Königs von Saudi-Arabien mit Papst Benedikt XVI.) einer Niederlage gleichkomme und nicht zu dulden sei.

Der Vatikan betrachtet diese Anschuldigungen als „nicht Besorgnis erregend“. Offizielle Stellen sehen in den Äußerungen des Terroristen ein Zeichen dafür, dass Al Quaida über das Zunehmen des Dialogs zwischen dem Heiligen Stuhl und „vielen Stimmen“ aus der arabischen Welt besorgt ist. Nach Worten des Direktors des vatikanischen Presseamtes, P. Federico Lombardi, muss der Drohung gegen den Papst, die in der Videobotschaft zum Ausdruck kommt, keine größere Bedeutung zugewiesen werden: „Es handelt sich dabei um etwas, das uns keine größere Sorge bereitet“, erklärte der Jesuitenpater. Al Quaida fürchte die Bemühungen um den Dialog zwischen den Religionen. „Man scheint verstehen zu können, dass die Kontakte zwischen angesehenen muslimischen Vertretern wie dem König von Saudi-Arabien und den 138 muslimischen Religionsführern für die muslimische Welt wichtige Faktoren darstellen“, so Lombardi. „Es handelt sich dabei um Stimmen, die den Dialog wollen und somit einen Dialog für den Frieden.“ Dies widerspreche den Absichten der Terroristen, die jeden Dialog verhindern wollten.

Kardinal Jean-Louis Tauran erläuterte gegenüber der italienischen Tageszeitung „Corriere della Sera“ (Ausgabe vom 18. Dezember), dass der Papst nach den Verstimmungen um die Regensburger Rede klargestellt habe, dass er keinesfalls eine Beleidigung des Islam beabsichtigt hatte. Die islamische Welt, mit der der Vatikan im Kontakt stehe, habe diese Erklärung akzeptiert, so Tauran. Keiner seiner Gesprächspartner in den vergangenen Monaten habe ihm gegenüber jene Ansprache neuerlich als Angriff bezeichnet. Für Kardinal Tauran ist der Brief der 138 muslimischen Religionsführer an den Papst ein „ermutigendes Zeichen“ gewesen.

Papst Benedikt hat den muslimischen Gelehrten in einem persönlichen Antwortschreiben gedankt und dazu eingeladen, den Vatikan zu besuchen und intensivere Gespräche aufzunehmen.