Vatikan: Ehepaare sprechen über ihre persönliche Berufung

Die Bedeutung der Evangelisierung der Familien

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ROM, 15. September 2009 (Zenit.org) .- Die Ehe ist eine Berufung zur Liebe und Hingabe, und dies mit dem besonderen Auftrag, ihre eigene Hauskirche zu gestalten und das Evangelium zu verkünden. Das betonten die Teilnehmer einer internationalen Konferenz über die Familie, die vor kurzem in Rom stattfand. Die zweitägige Zusammenkunft, die vom Päpstlichen Rat für die Familie organisiert worden war, konzentrierte sich auf die Familie als „Subjekt der Evangelisierung".

Am vergangenen Freitag (11. September) erzählten eine Ehefrau, die zur katholischen Gemeinschaft „Shalom“ gehört, und zwei Ehepaare von „Christian Family Movement“ beziehungsweise „Marriage Encounter“ von ihren Erfahrungen in diesen kirchlichen Gruppen.

„Es gibt keine neue Welt ohne neue Familien", betonte Maria Emmir Oquendo Noguera aus Brasilien, Mitglied der katholischen Gemeinschaft Shalom.

Noguera wies darauf hin, dass diese Vereinigung vor 27 Jahren von Moisés de Azevedo Filho gegründet worden war, um jungen Menschen, die sich zum Leben als Eheleute berufen fühlten, Gelegenheit zu geben, ihre Verlobungszeit für ein vertieftes gegenseitiges Kennenlernen und die Klärung ihrer gemeinsamen Pläne zu nutzen. „Die Eheschließung ist nicht nur etwas, das in einem bestimmten Augenblick unseres Lebens passiert, sondern sie ist ein besonderer Anruf Gottes, seinem Reich zu dienen“, so Noguera. Die Ehe komme einem „aktiven Einsatz für die Verkündigung Jesu Christi“ gleich.

In der Gemschaft Shalom nehmen Familien aktiv an Evanglisationsveranstaltungen teil. „Wir wollen diejenigen erreichen, die nicht mehr zur Kirche kommen, die nichts mehr über das Evangelium wissen."

Noguera erklärte: „Die Familie ist nicht dazu gerufen, sich ausschließlich auf sich selbst zu konzentrieren. Im Gegenteil: Sie muss zu denen gehen, die Jesus Christus kennenlernen müssen, den Dienst an seiner Kirche und der Menschheit".

John und Lory Brzysz gehören zum „Christian Family Movement“, das im Jahre 1949 in Chicago/USA  gegründet wurde. Sie haben sechs Kinder und 13 Enkel. Ihre jüngste Tochter ist Ordensschwester. Sie erklärten bei der Tagung, wie sie das pastorale Prinzip der Unterscheidung - „Sehen, Urteilen und Handeln" - im Licht der kirchlichen Lehre für die Förderung von Ehe und Familie so zur Geltung bringen, dass Christus zum Mittelpunkt aller wird. Ihr Apostolat setzt zudem auf den Dialog mit anderen Verbänden der Kirche. Das stärke das Gefühl des Miteinanders im Engagement für die Familie. Sie bekräftigten, dass „Eltern eine katechetische Rolle inmitten einer Gesellschaft haben, die von einer säkularen Tendenz bestimmt ist“.

Franchise und Bernard Prouve gehören zum weltweiten „Marriage Encounter“, das in den 60er-Jahren im Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils geboren wurde. Die beiden Franzosen erklärten, dass ihre Bewegung verheirateten Paaren ein besonderes „Wochenende" zur Stärkung ihres Eheversprechens biete. Es diene dazu, einander zu lieben und dabei Dialog und Kommunikation zu lernen. Interessierte Paare könnten danach regelmäßig geistliche Unterstützung erhalten.

Die Prouves wurden vor 32 Jahren Mitglieder dieser Bewegung und arbeiten aktiv in der Leitung von Exerzitien mit, die von Dutzenden von Ehepaaren besucht werden. „Es ist ein außergewöhnliches Geschenk, das unser Sakrament der Ehe pflegt und fördert. So können wir uns den Vergünstigungen und Herausforderungen des Lebens besser stellen."

Der Päpstliche Rat für die Familie wurde 1981 von Papst Johannes Paul II. errichtet. Er ging aus dem Komitee für die Familie hervor, das Papst Paul VI. 1973 eingerichtet hatte. Die heutige Form erhielt das Dikasterium bei der Kurienreform 1988.

Von Carmen Elena Villa. Aus dem Spanischen übersetzt von Angela Reddemann.