Vatikan: Finanzrettungspaket für die Ärmsten, nicht für die Banken

Erzbischof Migliore: Erfüllung der Milleniums-Entwicklungsziele ist oberste Priorität

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NEW YORK, 26. September 2008 (Zenit.org).- Banken blank, Bürger blechen - Ist der Kapitalismus noch zu retten? Während Nachrichten und Talkshows von Experten ernsthaft fragen, wie es in der Finanzwelt weitergeht, sorgt sich der Vatikan um die Ärmsten der Armen.

Papst Benedikt XVI. lies seinen ständigen Beobachter bei den Vereinten Nationen, Erzbischof Migliore am gestrigen Donnerstag ernsthaft anfragen, wie es zur Aufstellung einer Rettungsaktion für ein marodes, neokapitalistisches Finanzsystem käme, während es fast aussichtslos sei, den weitaus geringeren Betrag für das Überleben des Ärmsten dieser Erde freigestellt zu bekommen (Text der Rede auf Englisch).

Während Gewinne privatisiert, und mit dem frisch geschnürten Rettungspaket der US-amerikanischen Regierung Verluste sozialisiert werden, erklärt der Vatikan: Das ist ungerecht, wurde doch die Bereitstellung von Mitteln zur Erreichung der Millenium-Entwicklungsziele schon im Jahr 2000 beschlossen. Die Selbstverpflichtung der Geberländer lautete damals: Die Armut soll bis 2015 halbiert werden.

Während über das 700 Milliarden US-Dollar teure Finanzrettungspaket der Bush-Regierung im US-Parlament heftig diskutiert wird, fragte der Legat des Papstes: „In diesen Tagen erleben wir eine Debatte über eine wirtschaftliche Rettungsaktion zur Lösung einer Krise, die droht, die Wirtschaft der am meisten entwickelten Länder zu erschüttern und Abertausende von Familien arbeitslos werden zu lassen“.

„Diese Rettungsaktion ist von ungeheurem Ausmaß, die Beträge übertreffen jene, die für die gesamte internationale Hilfe bereitstehen um ein Vielfaches und sie weckt eine dringende Frage: Wie sind wir in der Lage Mittel zu finden, um eine marodes Finanzsystems zu retten, während wir nicht in der Lage waren, die notwendigen Mittel für Investitionen in die Entwicklung aller Regionen der Welt zu stecken, angefangen mit den ärmsten?"

Die für eine Soforthilfe nötige Summe, so Erzbischof Migliore, stehe in keinem Verhältnis zu den ungeheuren Höhen der Summen, die für Rüstung ausgegeben werden. Weniger als die Hälfte der weltweit für die Rüstung bestimmten Summen würde ausreichen, um das immense Heer der Armen dauerhaft aus der Not herauszuholen.

Nach offiziellen Angaben leben heute in Afrika 535 Millionen Menschen ohne Stromversorgung, und diese Zahl wird bis 2030 voraussichtlich auf 586 Millionen ansteigen. Erst im Juli hatte Papst Benedikt XVI. die Staatschef der G8 Staaten gebeten, alle notwendigen Maßnahmen ergriffen werden, um die Geißeln von extremer Armut, Hunger, Krankheiten und Analphabetismus zu überwinden (vgl. ZENIT-Bericht bzw. Bischöflicher Appell an die Staats- und Regierunsgchefs der G8-Staaten).

„Mit nur sieben verbleibenden Jahren bis zum Ende der Kampagne der Millenniums-Entwicklungsziele ist es wichtig, dass wir uns auf die Ziele der Millenniums-Erklärung konzentrieren, die von unseren Staaten vereinbart wurden“, sagte der 54 Jahre alte ständige Beobachter des Vatikans bei der UNO.

Auf der Liste der wichtigen Aufgaben stünden auch neue Probleme, wie etwa Praktiken im Bereich der reproduktiven Gesundheit, die Bedrohung der Menschenwürde und die Forderung einer nachhaltigen Entwicklung.

Die erste Etappe zur Erreichung der Millenniums-Entwicklungsziele fällt in diesem Jahr mit dem 60-Jahr-Jubiläum der weltweiten Deklaration der Menschenrechte zusammen. Erzbischof Migliore hat deshalb verstärkt einen gemeinsamen Kampf gegen extreme Armut, Hunger, Analphabetismus und Krankheit gefordert. Dies sei nicht bloß ein Akt der Großzügigkeit und der Nächstenliebe: „Es ist eine condition sine qua non für eine bessere Zukunft und eine Welt, in der alle Platz haben“.

(Von Angela Redemann)