Vatikan fordert globale Politik gegen den Hunger

"Finanzkrise hat die Situation nur verschärft"

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Michaela Koller

NEW YORK, 28. Oktober 2009 (ZENIT.org).- Der ständige Beobachter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen, Erbischof Celestino Migliore, hat in seiner auf Englisch gehaltenen Ansprache vor der 64. UN-Generalversammlung zu einem Umdenken in der weltweiten Agrarpolitik aufgerufen. In diesem Jahr überschreite die Anzahl unterernährter Menschen erstmals die Milliardengrenze. Die Ursachen des weiter um sich greifenden Hungers sieht der Vatikandiplomat in einer schlechten globalen Steuerung der Ernährungssicherheit, weniger in der Finanzkrise. Letztere habe die Situation nur weiter verschärft.

Der Einsatz von Agrarprodukten außerhalb des Nahrungssektors sowie die Zweckentfremdung von fruchtbarem Land, führen Migliore zufolge, zu Ungerechtigkeiten und Misswirtschaft. Der Boden sei aber eine entscheidende Grundlage für das Überleben der Menschheit. Im Kontext der globalen Klimapolitik müsse dieser Umstand miteinbezogen werden.

Einem Bericht der Weltbank und der Welternährungsorganisation FAO zufolge, werden derzeit nur zehn Prozent von 400 Millionen Hektar afrikanischer Savanne genutzt, die sich über 25 Staaten erstreckt. Auf dieses Papier Bezug nehmend, appellierte Erzbischof Migliore: „Eine zeit- und sachgemäße Politik, die sich auf die Bewirtschaftung durch kleinere und mittlere Betriebe stützt, könnte zu erstaunlichen Ergebnissen führen, die bereits mit derartiger Politik in anderen Regionen der Erde vor rund zwanzig Jahren erreicht worden sind".

Forschung und Technologie, die zwar für die Verbesserung der Landwirtschaft wichtig seien, reichten allein nicht aus, die Probleme zu lösen, warnte der Vatikandiplomat. Neben dem Streben nach Profit sollten vor allem menschliche Bedürfnisse und Beziehungen im Zentrum landwirtschaftlichen Handelns stehen. Die Finanzkrise zeige, dass der Arbeit und der Produktion eine größere Bedeutung beigemessen werden muss, vorrangig vor Kapital, Finanztransaktionen oder gar Spekulationen. Migliore forderte eine "zunehmende Achtung vor der Würde der Bauern". Der Vertragsanbaus dürfe sie nicht zu reinen Lohnempfängern herabsetzen und sie ihrer Eigeninitiative berauben. Die Landwirte sollten zudem entsprechend ihrer Arbeit entlohnt werden.