Vatikan fordert Notfallgeld für die Armen

Reduzierung der Armut Priorität einräumen

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NEW YORK, 30. März 2010 (ZENIT.org).- Der Ständige Beobachter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen, Erzbischof Celestino Migliore, hat in einer Ansprache in der vergangenen Woche vor der 64. Sitzung der UN-Generalversammlung einen Notfallplan für die Armen gefordert. Zugleich rief er zu einem umfassenden Reformprogramm der globalen Entwicklungshilfe sowie zu einem forcierten Umbau von Währungsfonds und Weltbank auf.

„Wir dürfen nicht vergessen, dass dieselbe Welt, die innerhalb weniger Wochen Billionen von Dollar finden kann, um Banken und Investment-Einrichtungen zu retten, es noch nicht geschafft hat, nur ein Prozent dieser Summe für die Bedürfnisse Hungernder aufzubringen, angefangen von drei Milliarden US-Dollar, um hungernden Schulkindern Mahlzeiten zu bieten, oder etwa fünf Milliarden US-Dollar, um den Notfall-Nahrungsfonds des Welternährungsprogramms zu unterstützen", mahnte der Vatikandiplomat.

Seine Ansprache hielt Erzbischof Migliore aus Anlass des vierten hochrangigen Dialogs zu Finanzen und Entwicklung unter dem Motto „Der Monterrey Konsens und die Doha Erklärung zu Finanzen und Entwicklung: Durchführungsstatus und bevorstehende Aufgaben". Der Erzbischof betonte, dass die verheerenden Auswirkungen der jüngsten Finanzkrise auf die schwächsten Bevölkerungen der Welt eine Angelegenheit sei, die Regierungen und Bürger auf dem ganzen Erdball angehe.

Als positiv stellte er heraus, dass die Krise zu einer internationalen politischen Zusammenarbeit geführt habe, die so zuvor noch nicht da gewesen sei, und sich bei den drei erfolgreichen hochrangigen G-20-Treffen in Washington, London und Pittsburgh im Laufe des vorigen Jahres gezeigt habe. „Diese Zusammenkünfte waren in der Lage, Notfallmaßnahmen festzulegen, um die Weltwirtschaft wiederzubeleben, unter Einbeziehung von Vereinbarungen über finanz- und geldpolitische Anregungen, die eine globale Katastrophe verhinderten", betonte Erzbischof Migliore.

Jedoch bedeute die Stabilisierung einiger Volkswirtschaften oder die Erholung anderer nicht, dass die Krise vorüber sei. Die gesamte Weltwirtschaft, in der die Staaten äußerst unabhängig seien, werde nie in der Lage sein, reibungslos zu funktionieren, wenn die Ursachen, die die Krise hervorgerufen haben, nicht behoben werden, „besonders wenn fundamentale Ungleichheiten beim Einkommen und Wohlstand zwischen Individuen und Nationen fortbestehen", betonte er.

Der Vertreter des Heiligen Stuhls meinte, dass die internationale Gemeinschaft nicht eine definitive und dauerhafte Erholung der Weltwirtschaft abwarten könne, bevor sie handelt. Die Wiederbelebung der Volkswirtschaften der ärmsten Länder der Erde werden Migliore zufolge sicher helfen, einen universellen und nachhaltigen Aufschwung zu garantieren. „Aber der wichtigste Grund ist die moralische Notwendigkeit, nicht über eine ganze Generation beinah ein Fünftel der Weltbevölkerung in extremer Armut zu lassen."

Er betonte, es bedürfe dringend einer Reform, um das gesamte Unterstützungssystem für Entwicklungsländer zu stärken und zu modernisieren, ebenso wie auch die UNO-Programme, spezialisierte Vertretungen und regionale Organisationen, um sie wirksamer zu machen, transparenter und äußerst koordiniert, sowohl international als auch lokal.

Die Krise habe zudem aufgezeigt, wie dringend die Reform des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank fortgesetzt werden müsse. Strukturen und Abläufe müssten die Wirklichkeiten der Welt von heute und nicht mehr die der Nachkriegszeit widerspiegeln. „Die internationale Gemeinschaft, mittels Weltbank und relevanter multilateraler Vertretungen, sollte weiterhin dem Kampf gegen die Armut Vorrang einräumen", erklärte er.

Nach dem Zweiten Weltkrieg habe die internationale Gemeinschaft ein umfassendes System entwickeln können zur Sicherung des Friedens sowie zur Vermeidung eines weiteren weltweiten wirtschaftlichen Zusammenbruchs. „Die gegenwärtige globale Krise bietet eine ähnliche Gelegenheit, die eine umfassende Herangehensweise erfordert, basierend auf Ressourcen, Wissenstransfer und auf Institutionen." Dabei müssten sich alle Nationen ausnahmslos einem erneuerten Multilateralismus öffnen, einer Gleichberechtigung aller beteiligten Staaten. (mk)