Vatikan fordert Schutz von Migrantenrechten

Erzbischof Vegliò beklagt tragischen Tod von mehr als 70 Flüchtlingen

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ROM, 24. April 2009 (ZENIT.org).- Nach einem neuerlichen Flüchtlingsdrama vor der Mittelmeerinsel Lampedusa mit dutzenden Toten rief der Vatikan die EU-Staaten zur Achtung der Menschenrechte von Migranten auf. Die europäischen Gesellschaften dürften sich gegenüber Menschen, die wegen Hunger und Verfolgung nach Europa kommen, nicht „aus Egoismus verschließen“, betonte Kurienerzbischof Antonio Maria Vegliò, Präsident des Päpstlichen Rates der Seelsorge für die Migranten und Menschen unterwegs.


 
Nach langer Bootsfahrt von Libyen nach Italien sollen in der vergangenen Woche mindestens 73 eritreische Flüchtlinge aufgrund von Entkräftung ums Leben gekommen sein. Dies gaben die einzigen fünf Überlebenden bekannt. Mittlerweile wurden im Mittelmeer treibende Leichen gesichtet, die die Angaben der Flüchtlinge bestätigen dürften.
 
Gegenwärtig schieben sich Italien und Malta gegenseitig die Schuld für das Unglück in die Schuhe: Laut italienischem Innenministerium habe die maltesische Marine das Boot bereits am Dienstag gesichtet, den Überlebenden aber lediglich Wasser, Brot und Schwimmwesten zugeworfen. Erst zwei Tage später habe die italienische Küstenwacht die verbliebenen Flüchtlinge gerettet. Die maltesischen Behörden wiesen die Vorwürfe zurück. Nun fordert der Vatikan, solche Ereignisse durch international verbindliche Übereinkünfte zum Schutz von Migranten zu verhindern.

„Unsere so genannten zivilen Gesellschaften haben gegenüber Ausländern eine starke Ablehnung entwickelt, die nicht nur in der Unkenntnis des anderen begründet ist, sondern auch im Egoismus und in der fehlenden Bereitschaft, das Eigene mit dem Fremden zu teilen“, erklärte Erzbischof Vegliò gegenüber Radio Vatikan. Zum Teil nehme die Haltung schon „extreme Ausmaße an, so dass viele ihren Wohlstand lieber mit Haustieren als mit Flüchtlingen teilen. Deren Zahl wächst aber leider dramatisch. Laut der jüngsten Statistiken sind seit 1988 fast 15.000 Menschen an den Grenzen zu Europa gestorben. Der Päpstliche Rat für die Migranten ist bestürzt angesichts dieser anhaltenden Tragödien und betont das, was auch Papst Benedikt in seiner Enzyklika Caritas in veritate festgehalten hat: ‚Jeder Migrant genießt fundamentale, unveräußerliche Menschenechte, die es in jeder Situation zu achten gilt.‘“

Im Hinblick auf die illegale Zuwanderung meinte der Erzbischof: „Zwar ist es auf der einen Seite wichtig und legitim, dass Staaten die Grenzen auf dem Meer überwachen, um Einwanderung zu regulieren und humanitäre Einsätze zu leisten. Aber auf der anderen Seite gibt es Menschenrechte, die geachtet und geschützt werden müssen, und das ganz besonders in extremen Notsituationen, wenn zum Beispiel Boote mit Flüchtlinge hilflos auf dem Meer treiben oder in Seenot geraten“. Der Papst fordere deshalb, die verschiedenen Gesetzesordnungen besser aufeinander abzustimmen, damit die Bedürfnisse der emigrierenden Personen und Familien geachtet würden.