Vatikan: Für eine humanitäre Entwicklungspolitik!

Erzbischof Migliore: Bevölkerungskontrolle ist die falsche Antwort auf Armut

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NEW YORK, 4. April 2009 (ZENIT.org).- Kritik an den Maßnahmen zur Erreichung der UN-Millenniums-Entwicklungsziele übte Erzbischof Celestino Migliore, Ständiger Beobachter des Heiligen Stuhls beim Hauptsitz der Vereinten Nationen in New York. In Schwellenländern werde Bevölkerungswachstum anscheinend als Hindernis für die Erreichung der Millenniumsziele angesehen, stellte der Vertreter des Papstes vor der Kommission für Bevölkerung und Entwicklung des UN-Wirtschafts- und Sozialrats in New York fest.

Wachsende Geburtenraten in Afrika hätten die Bevölkerung mit Arbeitskräften versorgt, was für den Kontinent Vorteile bringe gegenüber jenen Ländern, „deren alternde Bevölkerung eine immer größere wirtschaftliche Herausforderung darstellt". Fast zynisch sei es, dass die Industrieländer versuchten, ihr eigenes Bevölkerungswachstum anzukurbeln und zugleich das der Entwicklungsländer zu reduzieren. Statt in der globalen Entwicklungspolitik auf Bevölkerungskontrolle zu setzen, sollten die Industrienationen ihren Verpflichtungen gegenüber Drittländern in Bereichen wie Bildung, Arbeit, Gesundheitswesen, Zugang zu Wasser und Infrastruktur nachkommen. Eine humanitäre Entwicklungspolitik müsse sich auf diese Aufgaben besinnen und die Bevölkerung vor Ort aktiv mit einbeziehen, bekräftigte Erzbischof Migliore.

Die Millenniumserklärung („Millenium Development Goals") sieht bis 2015 unter anderem die Halbierung der Zahl jener Menschen vor, die unter dem Armutsgrenzwert leben. Die internationale Staatengemeinschaft hat sich zumindest theoretisch darauf verständigt, bis zum Jahr 2015

-- den Anteil der Weltbevölkerung, der unter extremer Armut und Hunger leidet, zu halbieren;


-- allen Kindern eine Grundschulausbildung zu ermöglichen;
-- die Gleichstellung der Geschlechter und die politische, wirtschaftliche und soziale Beteiligung von Frauen vor allem im Ausbildungsbereich zu fördern;
-- die Kindersterblichkeit zu verringern;
-- die Gesundheit der Mütter zu verbessern;
-- HIV/AIDS, Malaria und andere übertragbare Krankheiten zu bekämpfen;
-- den Schutz der Umwelt zu verbessern und
-- eine weltweite Entwicklungspartnerschaft aufzubauen.

Von Stefan Beik und Dominik Hartig