Vatikan: Intelligenter Tourismus ist grün

Unternehmungen im Fremdenverkehr können helfen, Armut zu beseitigen

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ROM, 25. Februar 2009 (ZENIT.org).- Intelligenter Tourismus sei „ethisch, ‚grün’ und qualitativ anspruchsvoll in allen seinen Bereichen“, so der Päpstliche Rat der Seelsorge für die Migranten und Menschen unterwegs. „Der Klimawandel ist zur einer großen Sorge auf globaler Ebene geworden. Es ist ein Problem, das uns alle betrifft, die wir in dieser gemeinsamen Wohnung leben, welche die Erde für uns ist“.

In der Tat seien alle Menschen auf unterschiedliche Weise für den Klimawandel verantwortlich, und alle litten gemeinsam unter seinen Folgen, heißt es nach Angaben der Päpstlichen Nachrichtenagentur Fides in der Botschaft des Rates an die Teilnehmer der Konferenz der Kirche im Rahmen der Internationalen Tourismus-Messe („Borsa Internationale del Turismo“, BIT), die vom 19. bis 22. Februar in Mailand stattfinden wird. Das Motto dieser Großveranstaltung lautet: „Tourismus und die Herausforderung des Klimawandels“.

Der Fremdenverkehr sei eine Aktivität des Menschen, der „zum Klimawandel beiträgt und unter dessen Folgen leidet. Mit dem Ausstoß von schädlichen Gasen durch Transportmittel (die 5 Prozent des gesamten Schadstoffausstoßes weltweit ausmachen), die unkontrollierte Zementierung natürlicher Räume und die Vergeudung natürlicher Ressourcen hat der Tourismus ein starkes negatives Gewicht“, heißt es in der Botschaft, die Kardinal Raffaele Martino, Präsident des Rates, und sein Sekretär, Erzbischof Agostino Marchetto, unterzeichnet haben. Darüber hinaus leide der Tourismus aber auch unter den Folgen des Klimawandels, da er - genauso wie die Landwirtschaft - von meteorologischen und klimatischen Bedingungen abhänge.

Allerdings dürfe nicht vergessen werden, dass „die Fremdenverkehrsindustrie der Volkswirtschaft der Länder auch viele Vorteile bringt, die Entstehung von Arbeitsplätzen, die Entwicklung von Infrastrukturen, die Förderung der Kultur und den Schutz von Naturgebieten begünstigt. Sie ist damit eine wichtige Kraft, wenn es darum geht, die Armut zu bekämpfen und die Lebensbedingungen einzelner und ganzer Länder zu verbessern.“

Damit der Fremdenverkehr eine wahre Antriebskraft des Wirtschaftswachstums sein könne, müsse er den Kriterien des Umweltschutzes entsprechen, die im Kompendium der Kirchlichen Soziallehre enthalten sind: „Die Resultate der Fremdenverkehrspolitik und touristischer Projekte werden nur erfolgreich sein, wenn sie von einer soziale und ökologischen Vision zusammen mit der wirtschaftlichen begleitet werden. Sie werden eine fortwährende Quelle des Reichtums sein, wenn sie sich auf der Linie eines nachhaltigen Fremdenverkehrs entfalten… Für viele Länder mit begrenzten Ressourcen ist der Tourismus eine wichtige Einkommensquelle und eine ernsthafte Möglichkeit des Wirtschaftswachstums, wenn ihm Strategien der Nachhaltigkeit, Verantwortlichkeit und Solidarität zugrunde liegen… Diese möglichen Vorteile können angesichts der gegenwärtigen Umweltkrise ins Schwankten geraten, und es sind gerade die ärmsten Länder, die am meisten unter den Folgen leiden, obschon sie nicht die Hauptverantwortlichen der Schadstoffausstöße sind“.

In der Botschaft wird auch auf den Einfluss des Klimawandels auf die religiöse Erfahrung hingewiesen: „Der Tourismus, der den Kontakt des Menschen mit der Natur begünstigt, kann auch Gelegenheit sein, den Reichtum der Schöpfung kennen zu lernen, der uns die unendliche Güte und Barmherzigkeit ihres Schöpfers zeigen… Doch heute spiegelt die Natur, wenn sie durch das Eingreifen des Menschen verändert wurde, nicht immer das Antlitz des Schöpfers wider. Allzu oft handelt die zerstörerische Hand des Menschen im Widerspruch zum Finger des Schöpfers, der mit großer Ausdruckskraft in der Sixtinischen Kapelle dargestellt ist. Das menschliche Eingreifen ist Ursprung des Klimawandels, dessen Auswirkungen vor allem durch das Ansteigen des Meeresspiegels, den Rückzug der Küstenlinie, die häufigen heftigen Regenfälle, lange und intensive Dürrezeiten, die schrittweise Ausdehnung der Wüste, den Rückgang der biologischen Vielfalt und das Schmelzen der polaren Eisdecke sichtbar werden… Der Garten ist zu einer Wüste geworden.“

Aufgrund dieser Entwicklungen sollten schützende Maßnahmen ergriffen und ein „korrektes Umweltkonzept" umgesetzt werden, das die Schöpfung „als ein Geschenk Gottes für alle betrachtet, als gemeinsames Erbe der Menschheit“. Sie sei „ein Geschenk, das wir empfangen haben, das wir aber auch an die künftigen Generationen weitergeben sollen“. Deshalb müsse „der Fortschritt im Bereich des Fremdenverkehrs wie auch in den anderen Sektoren, die eigenen Grenzen berücksichtigen. Er steht im Dienst der Schöpfung, nicht umgekehrt.“

Für den Tourismus sei es von entscheidender Bedeutung, so betont der Päpstliche Rat der Seelsorge für die Migranten und Menschen unterwegs, „die geistliche Dimension der Beziehung zur Schöpfung neu zu entdecken und sie nicht nur als Gegenstand der Ausbeutung zu betrachten, sondern sich dafür einzusetzen, das zu verwirklichen, was man heute ‚intelligenten Tourismus’ nennt, d.h. ethisch, ‚grün’ und qualitativ anspruchsvoll“.