Vatikan: Kardinal Kasper zum gegenwärtigen Stand der Ökumene

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ROM, 23. Januar 2007 (ZENIT.org).- Innerhalb der Veranstaltungen zur „Gebetswoche für die Einheit der Christen“ (18.-25. Januar) fand am Dienstagvormittag im Pressesaal des Vatikans ein Gespräch mit Kardinal Walter Kasper, dem Präsidenten des Rates zur Förderung der Einheit der Christen statt. An dem Austausch über den gegenwärtigen Stand der ökumenischen Einheitsbemühung nahmen neben Kardinal Kasper auch Bischof Brian Farrell, Sekretär des genannten Rates, und Untersekretär P. Eleuterio F. Fortino teil.



Kardinal Kasper betonte, dass das soeben zu Ende gegangene Jahr mit der Reise Benedikts XVI. in die Türkei unter dem Gesichtspunkt der Ökumene besonders fruchtbar gewesen sei. Er verwies auf die Unterzeichnung der Gemeinsamen Erklärung mit dem ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomaios I., sowie auf die Wiederaufnahme der Arbeiten der Gemischten Internationalen Kommission für den theologischen Dialog zwischen der katholischen Kirche und den orthodoxen Kirchen.

Einer der Hauptdiskussionspunkte sei im Augenblick der petrinische Primat, dies im Zusammenhang mit allen Problemen theologischer, kanonischer und emotionaler Art, die sich daraus ergäben. Es sei notwendig, weiterhin zu beten und Geduld zu haben, fuhr Kardinal Kasper fort. „Bis zum jetzigen Zeitpunkt sind die Antworten analysiert und diskutiert worden, die aus den verschiedenen Kirchen eingelangt sind.“

Hinsichtlich einer möglichen Begegnung zwischen Papst Benedikt XVI. und dem Patriarchen der russisch-orthodoxen Kirche sei bis dato nichts Konkretes zu sagen. Die Beziehungen mit Moskau hätten sich jedoch verbessert. Es gäbe auch mit einigen Dikasterien der römischen Kurie und verschiedenen Diözesen eine enge Zusammenarbeit.

Kardinal Kasper verneinte, dass der Heilige Stuhl die Beziehungen mit den protestantischen Gemeinschaften aufgegeben hätte. Aussagen dieser Art seien nur „grundlose Unterstellungen“. Während des vergangenen Jahres seien diverse ökumenische Delegationen vom Papst empfangen worden, erklärte er. Einige davon hätten an den Mittwochsaudienzen teilgenommen.

Hinsichtlich der bevorstehenden ökumenischen Ereignisse erinnerte der Kardinal an die dritte Europäische Ökumenische Versammlung (vgl. www.oekumene3.eu), die im September 2007 in Sibiu (Rumanien) stattfinden wird, sowie an die Vollversammlung der Gemischten Internationalen Kommission für den theologischen Dialog zischen der katholischen und den orthodoxen Kirchen in Ravenna (Italien). Es sei möglich, dass bei dieser Vollversammlung auch Benedikt XVI. anwesend sein werde. Als drittes Ereignis erwähnte Kardinal Kasper den Zweiten Ökumenischen Kongress „Zusammen für Europa“ der geistlichen Bewegungen und Gemeinschaften, der im Mai dieses Jahres in Stuttgart stattfinden wird.

Am Ende der Begegnung mit der Presse stellte Kardinal Kasper sein neues Buch „Der geistliche Ökumenismus. Leitlinien für seine Verwirklichung“ vor, das soeben auf Italienisch, Französisch und Englisch erschienen ist. Die deutsche Fassung Wegweiser Ökumene und Spiritualität wird im März im Herder-Verlag erscheinen.

Der Band liefert praktische und pastorale Ratschläge, um den „geistlichen Ökumenismus“ zu stärken, der „die Seele der ganzen ökumenischen Bewegung ist“. Das Buch ist nach Worten Kardinal Kaspers an diejenigen gerichtet, die in den Diözesen und Pfarreien für die Ökumene arbeiten. Alle Christen aber seien dazu berufen, ihren persönlichen Beitrag zu leisten, vor allem durch ihr Gebet.