Vatikan lädt Christen und Muslime ein, die Armut gemeinsam zu überwinden

Grußbotschaft zum Ende des Fastenmonats Ramadan

| 2885 klicks

ROM, 11. September 2009 (ZENIT.org).- Die weltweite Armut fordere Christen und Muslime gleichermaßen heraus; vor allem aber lade sie alle dazu ein, zur Erreichung eines edlen Ziels zusammenzuarbeiten. Mit diesem Aufruf wendet sich die heute veröffentlichte traditionelle Botschaft des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog anlässlich des Endes des Fastenmonats Ramadan an die Muslime in aller Welt.



Das Dokument, das der Präsident des Rates, Kardinal Jean-Louis Tauran, unterzeichnet hat, trägt den Titel „Christen und Muslime: vereint, um die Armut zu besiegen“.

Die Armut sei demütigend und rufe unerträgliches Leid hervor, heißt es in dem Dokument. Diese Leiden „sind oft die Ursache von Absonderung, Zorn, ja sogar Hass und vom Wunsch nach Rache“. So könne die Armut zu feindseligen Handlungen verleiten und zur Versuchung, diese Handlungen religiös zu rechtfertigen.

Aus diesem Grund erfordere die Ablehnung der Phänomene des Extremismus und der Gewalt notwendigerweise den Kampf gegen die Armut durch die Förderung einer ganzheitlichen Entwicklung, die Papst Paul VI. „den neuen Namen für Frieden“ genannt habe.

Die Hilfe, die den Armen erwiesen werde, um ihnen ihren Platz in der Gesellschaft der Menschen zurückzugeben, „ist ein lebendiger Beweis für die Liebe des Allerhöchsten, da es der Mensch als solcher ist, den zu lieben und dem zu helfen er uns ruft, ohne Unterschied der Zugehörigkeit“.

Kardinal Tauran ruft zudem in Erinnerung, dass die letzte Enzyklika Papst Benedikts XVI., Caritas in veritate, aufzeige, wie dringend notwendig eine neue humanistische Synthese sei: Eine echte Entwicklung müsse nämlich auf den ganzen Menschen und auf alle Menschen hingeordnet sein.

In der Grußbotschaft des Vatikans zum Fastenmonat Ramadan wird zwischen zwei Formen von Armut unterschieden: Die eine gelte es zu „bekämpfen“, die andere aber „anzunehmen“. Die zu bekämpfende Armut sei für alle Menschen weithin sichtbar: Sie bestehe im Mangel an kulturellen und erzieherischen Systemen, im Analphabetismus – ohne damit das Auftreten neuer Formen von Armut verschweigen zu wollen; jene Armut, die man annehmen müsse, lade dagegen dazu ein, einen bescheidenen Lebensstil zu pflegen, der auf das Wesentliche ausgerichtet sei, Verschwendung meide und die Umwelt und alle Güter der Schöpfung achte. Wie Kardinal Tauran erläutert, handelt es sich hierbei um eine Armut, „die uns bereit macht, aus uns selbst herauszugehen und das Herz zu weiten“.

Der Wunsch nach Zusammenarbeit, um gemeinsam gerechte und dauerhafte Lösungen für die Geißel der Armut zu finden, bedeute für alle Gläubigen, auch über die großen Probleme der heutigen Zeit nachzudenken und sich – wo immer dies möglich sei – um gemeinsame Antworten zu bemühen. Dafür sei es allerdings erforderlich, dass „der Bezug zu jenen Aspekten der Armut, die mit der Globalisierung unserer Gesellschaften verbunden sind, einen geistlichen und moralischen Sinn annimmt“.

Christen und Muslime teilten die Berufung zum Aufbau einer einzigen Menschheitsfamilie, in der alle – Einzelpersonen, Völker und Nationen – ihr Verhalten entsprechend den Prinzipien der Brüderlichkeit und der Verantwortung regeln, bekräftigt Kardinal Tauran.

Was die Beziehung zwischen Christen und Muslimen angehe, so wird in der Botschaft abschließend angemerkt, sei ein „wichtiges Ziel“ erreicht worden. An verschiedenen Orten sei es ausgehend von einer gemeinsam gelebten Erfahrung und gemeinsam geteilten Sorgen dazu gekommen, dass man von der „Toleranz“ zur „Begegnung“ übergehe.