Vatikan: Neue Leitlinien für den interreligiösen Dialog

Kardinal Tauran kündigt neues Dokument auf der Grundlage der Zehn Gebote an

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ROM, 5. Juni 2008 (ZENIT.org).- In diesen Tagen findet in Rom die Vollversammlung des Päpstlichen Rates für den interreligiösen Dialog statt. Der diesjährige Kongress widmet sich dem Thema: „Dialog in Wahrheit und Liebe – pastorale Orientierungen“. Gegenstand der Diskussionen der Vollversammlung ist auch die Erarbeitung eines neuen Dokuments zu den Leitlinien für den Dialog mit den nichtchristlichen Religionen.



Für den Präsidenten des Rates, Kardinal Jean-Louis Tauran, ist die Zeit reif, um den Priestern und Gläubigen allgemeine Orientierungshilfen für die Begegnung mit Vertretern anderer Religionen zu geben. Dabei gehe es in erster Linie darum, dass Christen ihre eigene geistliche Erfahrung und Überzeugung glaubwürdig mitteilen können und fähig sind, die der anderen wahrzunehmen.

In seinem einführenden Referat hob Tauran hervor, dass wir als Gläubige wüssten, dass Gott „der einzige ist, der unserem Leben und der menschlichen Geschichte den letzten Sinn verleiht“. „Perfectio intellectus est verum – die Vervollkommnung der Vernunft ist das Wahre“, zitierte der Kardinal den heiligen Thomas von Aquin. In diesem Sinn seien die Christen darum bemüht, die Wahrheit zu suchen und sie zu lieben, zu verteidigen und weiterzugeben.

„Wir werden über die zahlreichen Herausforderungen bezüglich der Wahrheit über den Menschen, die Welt und Gott nachdenken“, so Kardinal Tauran. Hinsichtlich des interreligiösen Dialogs solle der besondere Akzent auf die Wahrheit über Gott gesetzt werden, auf den alles zurückgeführt werden müsse.

Christen wüssten, dass der Heilige Geist in jedem Menschen wirke, unabhängig davon, welcher Religion er angehöre. Andererseits sei es die Pflicht der Christen zu verkünden, dass Christus „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ ist. Diese Wahrheit dürfe nicht „unter den Scheffel gestellt werden“, so Tauran. Die Wahrheit sei von der Liebe nicht zu trennen: „Gott ist Liebe und Wahrheit.“

Kardinal Tauran erklärte anschließend, dass die Hauptarbeit der diesjährigen Vollversammlung in der Erarbeitung der Leitlinien für den interreligiösen Dialog bestehe. „Nach vielen Jahren des Zögerns hinsichtlich der Angemessenheit eines derartigen Dokuments ist die Zeit gekommen, den Hirten und Gläubigen einige allgemeine Orientierungen zu bieten, die selbstverständlich an die jeweiligen örtlichen Situationen angepasst werden müssen.“

Grundlage der Leitlinien seien die Zehn Gebote. Tauran bezeichnete sie als „eine Art universale Grammatik, die alle Gläubigen in ihrer Beziehung zu Gott und zum Nächsten benutzen können“.

Kardinal Tauran hält es für wichtig, die Gläubigen darauf vorzubereiten, anderen ihre eigenen geistlichen Überzeugungen mitzuteilen und jene der anderen in Betracht zu ziehen. Es müsse klar werden, dass alle Gläubigen ein gemeinsames Erbe besitzen: den Glauben an den einen Gott, die Heiligkeit des Lebens, die Notwendigkeit der Brüderlichkeit, die Erfahrung des Gebetes, das die „Sprache der Religion“ sei.

Die diesjährige Vollversammlung des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog ist die zehnte seit dem Bestehen dieser Einrichtung und die erste unter Leitung von Kardinal Tauran, dessen Bischofswahlspruch „Vertitate et Caritate – In Wahrheit und Liebe“ lautet. Die Arbeiten der Vollversammlung werden ihren Abschluss und Höhepunkt am Samstag, den 7. Juni, mit der Audienz bei Papst Benedikt XVI. finden.