Vatikan: Neue Leitlinien für die Kirche in Irland

Nach Abschluss der Apostolischen Visitation ist es Zielvorstellung, endgültig den von Klerikern verübten Missbrauch an Minderjährigen zu überwinden

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VATIKANSTADT, Mittwoch, den 21. März 2012 (ZENIT.org) – Die Apostolische Visitation in den Bistümern Irlands, ist beendet und vom Vatikan wurde deutlich die Notwendigkeit eines radikalen Wandels zum Ausdruck gebracht.

Aus der „Zusammenfassung der Ergebnisse der Apostolischen Visitation in Irland“, die am 20. März vom Heiligen Stuhl veröffentlicht worden ist, gehen alle kritischen Aspekte hervor, die mit Missbrauchsvorfällen maßgeblich in Verbindung stehen, die von Priestern und Ordensleuten an Minderjährigen verübt worden sind. Ausgehend davon werden Verhaltensweisen und Wege aufgezeigt, die das Vertrauen zur Kirche in Irland und ihre Glaubwürdigkeit wiederherstellen sollen.

Wie dies Papst Benedikt XVI. schon in seinem Schreiben an die Katholiken in Irland tat, bringt der Heilige Stuhl in dem besagten Dokument in erster Linie seine „Betroffenheit“ zum Ausdruck und versichert, dass der Heilige Vater allen Opfern dieser durch Priester und Ordensleute begangenen „sündhaften und kriminellen Taten“ nahe ist.

Weiterhin wird im Text das Bedauern über die „Schwere der in der Vergangenheit verübten Vergehen“ zum Ausdruck gebracht sowie über die Tatsache, dass „das abscheuliche Phänomen des Missbrauchs an Minderjährigen nicht ausreichend verstanden und vonseiten der Bischöfe und Ordensoberen auf dieses unzureichend reagiert worden war“.

Gleichzeitig jedoch werden die “entscheidenden Fortschritte” zur Kenntnis genommen, die seit den 1990er Jahren gemacht worden seien und die zu einem „stärkeren Bewusstsein für die Problematik“ geführt hätten. Der Heilige Stuhl empfiehlt daher, dass „die Bischöfe und Ordensoberen ihren Einsatz bei der Aufnahme und Unterstützung von Missbrauchsopfern fortsetzen“.

Beim Schutz der Minderjährigen in der Kirche hätten sich demnach die in dem 2008 erstellten Dokument „Safeguarding Children“ („Kinder Schützen“) enthaltenen Leitlinien, welche eine sorgfältige Miteinbeziehung der Gläubigen und eine enge Zusammenarbeit mit den zivilen Behörden vorsehen sowie die Empfehlung aussprechen, sich an die Weisungen der Kongregation für die Glaubenslehre zu halten, „als ein wirksames Mittel erwiesen“.

Der Heilige Stuhl empfiehlt daher, die Leitlinien in allen Bistümern und Ordensinstituten mit Sorgfalt anzuwenden und die hiermit verbundenen Überprüfungen „in regulären Abständen zu wiederholen“.

„Ausgehend von dem vor kurzem veröffentlichten Dokument „Interim guidance“ („Vorläufige Anweisung“)“ – liest man in der Erklärung – „müssen Bischöfe und Ordensobere in Zusammenarbeit mit dem „National Board“ („Nationaler Vorstand“), Vorschriften ausarbeiten, um jene Fälle von Priestern und Ordensleuten behandeln zu können, über die Anklagen vorliegen, wobei die zivilen Behörden aber beschlossen haben, das Verfahren einzustellen“.

Schließlich müssen Priester, gegen die falsche Anklagen vorgebracht worden sind, geschützt und wieder eingegliedert werden. Ebenso ist den unter Verdacht stehenden oder des Missbrauchs an Minderjährigen für schuldig befundenden Priestern eine „angemessene pastorale Fürsorge“ anzubieten.

Der Heilige Stuhl nimmt weiterhin das „gute Niveau akademischer, menschlicher und geistlicher Ausbildung“ zur Kenntnis, dass sie bei der Visitation in den Priesterseminaren vorgefunden hat. Ebenso wird empfohlen, der Sorge um die Heranbildung einer „authentisch priesterlichen Identität”, wie auch einer größeren Verantwortung der Bischöfe bei der Leitung der Priesterseminare und bei der Einführung spezifischer Fächer über den Schutz von Minderjährigen in den Studienplan weitere Aufmerksamkeit zu widmen.

Trotz der „vielen Wunden“, die aufgrund der Geschehnisse der letzten Jahre in Irlands katholischer Gemeinschaft entstanden sind, ist bei der Apostolischen Visitation erkennbar geworden, dass „der Glaube des irischen Volkes von dauerhafter Lebendigkeit ist“. In diesem Zusammenhang ruft der Heilige Stuhl zur „kirchlichen communio“ unter den Bischöfen auf, zu deren Verbundenheit mit dem Nachfolger Petri und zur gegenseitigen Verbundenheit der ganzen kirchlichen Gemeinschaft.

Schließlich spricht der Text einige Empfehlungen aus und erwähnt „pastorale Prioritäten“, wie z.B.: „Ausbildung in den Glaubensinhalten, Wertschätzung des Einsatzes der Laien, Rolle der Religionslehrer, Offenheit für den Beitrag der Bewegungen und Vereinigungen, Treue gegenüber dem Lehramt“.

In der Folge wurde dann zwischen dem Heiligen Stuhl und den Bischöfen Irlands eine „gemeinsame Reflexion über die aktuelle Struktur der Bistümer“ angestoßen, „mit dem Ziel, die diözesanen Strukturen so zu gestalten, dass sie der heutigen Mission der Kirche in Irland besser entsprechen können“.

[Übersetzung des italienischen Originals von P. Thomas Fox LC]