Vatikan: Neues Dokument zur Priesterausbildung in Vorbereitung

Einführung eines propädeutischen Jahres vor dem Eintritt ins Seminar

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ROM, 20. August 2009 (ZENIT.org).- Die Kongregation für das Katholische Bildungswesen (für die Seminare und Studieneinrichtungen) bereitet ein Grundsatzpapier zur Priesterausbildung vor. Dabei soll es sich um einen knappen und sehr klar gehaltenen Text handeln, der zum Abschluss des im Juni 2010 zu Ende gehenden Priesterjahres erscheinen soll. Dies erklärte der Sekretär der Kongregation, Erzbischof Jean-Louis Bruguès, in einem Interview mit der vatikanischen Zeitung „Osservatore Romano“ (Mittwoch, 19. August). Ziel des neuen Dokuments sei es, die Rolle des Priesters in Kirche und Gesellschaft zu verdeutlichen.



In den kommenden Monaten wird der Präfekt der Kongregation eine ständige Kommission einberufen, die sich aus Mitgliedern der verschiedenen Dikasterien der römischen Kurie zusammensetzt, die für die Ausbildung der Priesteramtskandidaten zuständig sind.

Die Kongregation wolle den Priesteramtskandidaten, so Erzbischof Bruguès, diese Botschaft vermitteln: „Ihr seid erwählt worden. Es ist eine Ehre, seid glücklich darüber, Priester zu sein!“ Die Ausbildung sollte den Priesteramtskandidaten vor allem eine christliche Kultur vermitteln, insbesondere angesichts der Tatsache, dass sie oft auch höhere Universitätsabschlüsse mitbrächten, allerdings zunehmend aus dem naturwissenschaftlich-technischen, dem musischen oder wirtschaftlichen Bereich.

Um diesem Anliegen zu entsprechen, schlägt Bruguès ein propädeutisches Jahr zu Beginn der Ausbildung der Seminaristen vor. Darüber hinaus müsse die Priesterausbildung auf die Eigenheit der neuen Generationen zugeschnitten werden.

Für die Diözesen Bayerns ist ein derartiges propädeutisches Jahr bereits seit September 2008 Wirklichkeit. In der Erzdiözese Bamberg werden die Priesteramtskandidaten an das Leben im Seminar herangeführt, bevor sie in die Seminare ihrer Diözesen eintreten.

Es handelt sich bei der Forderung von Erzbischof Bruguès um die Aufnahme eines Anliegens des Zweiten Vatikanischen Konzils, auf das Papst Benedikt XVI. 2006 in seiner Ansprache an die deutschen Bischöfe zu ihrem Ad-limina-Besuch verwiesen hatte.

Für die Priesterausbildung, so der Papst damals, „hat das Zweite Vatikanische Konzil in seinem Dekret Optatam totius wichtige Normen erlassen, die leider noch nicht voll verwirklicht sind. Dies gilt insbesondere von der Einrichtung des so genannten Einführungskurses vor Beginn des eigentlichen Studiums. Dieser sollte nicht nur die für das Studium von Philosophie und Theologie mit Nachdruck zu fordernde solide Kenntnis der klassischen Sprachen vermitteln, sondern auch die Vertrautheit mit dem Katechismus, mit der religiösen, liturgischen und sakramentalen Praxis der Kirche.“

„Angesichts der zunehmenden Zahl von Interessenten und Kandidaten, die nicht mehr von einem traditionellen katholischen Hintergrund herkommen“, so Benedikt XVI. weiter, „ist ein solches Einführungsjahr dringend notwendig. Darüber hinaus kann der Student in diesem Jahr bereits größere Klarheit über seine Berufung zum Priestertum gewinnen. Andererseits erhalten die für die Priesterausbildung Verantwortlichen die Möglichkeit, sich ein Bild vom Kandidaten, von seiner menschlichen Reife und seinem Glaubensleben zu machen. Hingegen sind gruppendynamische Rollenspiele, Selbsterfahrungsgruppen und andere psychologische Experimente weniger dazu geeignet und können eher Verwirrung und Unsicherheit schaffen.“

Das Konzil hatte festgestellt: „In dieser Einführung soll das Heilsmysterium so dargelegt werden, dass die Alumnen den Sinn, den Aufbau und das pastorale Ziel der kirchlichen Studien klar sehen; dass ihnen zugleich geholfen werde, ihr ganzes persönliches Leben auf den Glauben zu gründen und mit ihm zu durchdringen; dass sie endlich in der persönlichen und frohen Hingabe an ihren Beruf gefestigt werden“ (Optatam totius 14).

Zuvor hatte das Konzil bereits gefordert, dass die Seminaristen jenen „Grad humanistischer und naturwissenschaftlicher Bildung erreichen, der in ihrem Land zum Eintritt in die Hochschulen berechtigt. Sie sollen zudem soviel Latein lernen, dass sie die zahlreichen wissenschaftlichen Quellen und die kirchlichen Dokumente verstehen und benutzen können. Das Studium der dem eigenen Ritus entsprechenden liturgischen Sprache muss als notwendig verlangt werden; die angemessene Kenntnis der Sprachen der Heiligen Schrift und der Tradition soll sehr gefördert werden“ (13).

Der Kirchengeschichtler und Präsident des Päpstlichen Komitees für Geschichtswissenschaften, Prälat Walter Brandmüller, stellte in diesem Zusammenhang in einem ZENIT-Beitrag fest: „Ein Vorteil dieses dem eigentlichen Seminareintritt vorgeschalteten Jahres bestünde darin, dass eine weitere Klärung der Frage nach der Echtheit der Berufung zum Priestertum erfolgen könnte. Sollte der eine oder andere diese Frage am Ende negativ beantworten, so hätte er eigentlich nichts verloren, sondern einen Zuwachs an Bildung, und wohl auch religiösen Gewinn erfahren.

Wird hingegen die Entscheidung bis zum Ende des Studiums in der Schwebe gehalten, dann ist bei einem Wechsel des Berufszieles viel verloren. Nicht wenige denken in dieser Lage an einen kirchlichen Beruf als Pastoralassistent etc. Wie problematisch eine solche Lösung sowohl für den Betroffenen als auch für die Kirche ist, sollte nicht verkannt werden.

Für die Seminarvorstände böte das Vorbereitungsjahr auch die Möglichkeit, dass sie die jungen Leute während eines ganzen Jahres immer besser kennen lernen könnten, was für eine seriöse Beurteilung der Kandidaten nur hilfreich wäre.“