Vatikan: Sorge um menschlich ausgeglichene Priester

Ein neues Dokument mahnt zu sorgfältiger Auswahl und Ausbildung

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ROM, 30. Oktober 2008 (ZENIT.org).- „Leitlinien für die Anwendung der Psychologie bei der Aufnahme und Ausbildung von Priesterkandidaten“: So lautet der Titel des neuen Dokuments der Kongregation für das Katholische Bildungswesen (für die Seminare und Studieneinrichtungen) zur Priesterausbildung, das heute Vormittag im Vatikan vorgestellt wurde. Der Text umfasst 15 Seiten und wurde auf Englisch, Französisch Italienisch, Spanisch, Deutsch und Portugiesisch veröffentlicht.



Die Leitlinien der Kongregation fordern die Diözesen und Ordensgemeinschaften in aller Welt zur Sorgfalt bei der Auswahl und Ausbildung von Priesteramtskandidaten auf. Zu diesem Zweck sollten der Seminarleiter und Ausbilder auch geeignete Psychologen als Berater heranziehen.

In seinen einleitenden Ausführungen erklärte der Präfekt der Kongregation, Kardinal Zenon Grocholewski, dass das neue Dokument den aktuellen soziokulturellen Kontext in Erinnerung rufe, der mehr oder minder auf die Mentalität der Seminaristen Einfluss nehme. Dieser bereite in gewissen Fällen Wunden, die noch nicht geheilt seien, oder besondere Schwierigkeiten, die die Fähigkeit zu einem Fortschreiten auf dem Ausbildungsweg zum Priestertum beeinträchtigen könnten.

Für die Priesterausbildung sei der notwendige menschliche Reifungsprozess von entscheidender Bedeutung, „damit der Priesteramtskandidat sich selbst kennt und um seine Möglichkeiten und seine Schwächen weiß. Daher ist klar, dass der menschliche Reifungsprozess nicht vom spirituellen getrennt werden kann.“

In dem Dokument werde die fundamentale Rolle der Ausbilder hervorgehoben, so der Kardinal, und damit auch die Notwendigkeit ihrer angemessenen Ausbildung in der Berufungspädagogik. Allerdings dürfe die geistliche Begleitung in keiner Weise durch Formen oder Mittel psychologischer Analyse ersetzt werden.

Der Einsatz von Psychologen in der Priesterausbildung dürfe „weder eine verpflichtende noch eine gewohnheitsmäßige Praxis sein. Deswegen heißt es auch in dem Dokument, dass die psychologischen Fachleute nicht zur Hausleitung gehören dürfen.“ Auf psychologische Mittel dürfe nur in Ausnahmefällen zurückgegriffen werden, wenn besondere Probleme vorhanden seien. Diese müssten sich in den Rahmen des Ausbildungsprogramms einfügen, aber nicht die geistliche Begleitung behindern.

Kardinal Grocholewski betonte im Gespräch mit den Journalisten erneut, dass Homosexuelle nicht zu Priestern geweiht werden könnten. Wer diese „tief verwurzelte Neigung“ habe, dürfe gerade aufgrund der Natur des Priestertums nicht zum Priestertum zugelassen werden. Es handle sich in gewisser Weise um eine Wunde, die einen in der Seelsorge behindere. Dabei gehe es auch um die Frage, wie man Beziehungen eingehe, und nicht nur einfach um die Frage der Enthaltsamkeit.

Wichtig sei, dass die Kandidaten den Zölibat und die sexuelle Enthaltsamkeit nicht nur als aufgezwungene Pflicht betrachteten. „Die Keuschheit um des Himmelreiches willen“ sei mehr als „das bloße Fehlen sexueller Beziehungen“. Hierbei könnten sich psychologische Beratungen in einigen Fällen als hilfreich erweisen. Es sei zu bedenken, dass der Kandidat den Zölibat nicht als eine so schwere Verpflichtung erleben dürfe, dass sein emotionales und beziehungsmäßiges Gleichgewicht gestört werde.

Zuständig für Auswahl und Erziehung der neuen Priestergenerationen seien der Ortsbischof und der Regens des Seminars, wird in den „Leitlinien für die Anwendung der Psychologie bei der Aufnahme und Ausbildung von Priesterkandidaten“ betont. Sie müssten darauf achten, dass die theologische und moralische Eignung der Kandidaten einhergehe mit einer menschlichen, psychischen und emotionalen Ausgeglichenheit. Dazu gehöre auch eine innere Bejahung des Zölibats. Die menschliche Dimension sei in dieser Hinsicht gleichsam das Fundament der gesamten Priesterausbildung.

Die Psychologen, die bei der Priesterausbildung oder -auswahl tätig sind, sollten nach Worten des Kardinals von einem Menschenbild geleitet sein, das die christliche Sicht vom Menschen, von der Sexualität, der Priesterberufung und vom Zölibat teile. Bei etwaigen Tests müssten der Schutz und die Persönlichkeitsrechte der Kandidaten gewahrt sein. Falls eine Psychotherapie angeraten sei, sollte sie in jedem Fall vor der Aufnahme ins Seminar oder in die Ausbildungseinrichtung erfolgen.

„Das frühzeitige Erkennen eventueller Probleme, die den Berufungsweg behindern könnten – exzessive affektive Abhängigkeit, erhöhte Aggressivität, unzureichende Fähigkeit zur Treue in den übernommenen Aufgaben und zu festen Beziehungen in Offenheit, Vertrauen und brüderlicher Zusammenarbeit und mit Autoritäten sowie eine konfuse und noch nicht eindeutig festgelegte sexuelle Identität – kann für die betroffene Person selbst, für die Ausbildungseinrichtungen und für die Kirche nur von großem Vorteil sein.“