Vatikan-Sprecher sieht in Lefebvre-Krise auch eine Chance

Lombardi sprach über Kommunikationsprobleme der letzten Wochen

| 1076 klicks

MADRID, 17. Februar 2009 (ZENIT.org).- Der „Fall Williamson" könne noch positive Effekte nach sich ziehen, meinte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi SJ beim jährlichen Treffen mit Medienvertretern in Spanien. Richard Williamson ist einer jener vier Bischöfe der Piusbruderschaft, deren Exkommunikation am 24. Jänner von Papst Benedikt aufgehoben wurde. Zur selben Zeit wurde in der Öffentlichkeit ein Fernsehinterview Williamsons bekannt, in dem der Bischof die massenhafte Vergasung der Juden in Frage stellte.



Lombardi bezeichnete das zeitliche Zusammentreffen der beiden Ereignisse als „dramatisch". In der Folge sei „eine Situation starker Verwirrung und Anspannung entstanden". Dazu habe auch die allgemeine Unkenntnis darüber, was eine Exkommunikation ist und bedeutet, beigetragen.

Tatsächlich sei es um zwei völlig verschiedene Fragen gegangen. Einerseits habe man klarstellen müssen, dass das Dekret die Wiederherstellung der Beziehungen „zu einer bestimmten Gruppe, nicht zu bestimmten Personen" anstrebe, andererseits habe man deutlich machen müssen, dass eine Person „inakzeptable Dinge" gesagt hätte, die nun einen Schatten auf den Versuch eines Dialogs warfen. Die zentrale Herausforderung bestand laut Lombardi aber darin zu erklären, dass der Papst überhaupt nicht die Intention hatte, „das II. Vaticanuum zu zerstören, sondern ein Hindernis beim Wiederaufbau einer Gemeinschaft innerhalb der Kirche zu beseitigen".

Im Hinblick auf die Beziehungen zum Judentum verwies Lombardi auf das Treffen des Heiligen Vaters mit führenden Vertretern des Judentums aus den USA in der vergangenen Woche. „Sie verstanden nicht nur, dass die Position des Papstes immer klar gegen jegliche Leugnung des Holocausts war", so Lombardi. Auch die „Wärme und persönliche Zuneigung" des Papstes zum jüdischen Volk sei verstärkt deutlich geworden.

Der Vatikan-Sprecher hofft nun, die Anspannungen könnten zum Anlass für einen Fortschritt der jüdisch-christlichen Beziehungen werden. So seien auch in Folge des Tumults um die Regensburger Rede die Kontakte zur islamischen Welt vertieft worden. Darüber hinaus habe die Krise aber auch bei der Vorbereitung des Dialogs mit der Piusbruderschaft geholfen, da nun von Seiten der Bruderschaft eine Klarstellung der eigenen Positionen noch dringlicher sei.