Vatikan tritt für Ureinwohner ein

Vatikandiplomat wendet sich gegen Vorherrschaft und Unterwerfung

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Michaela Koller

NEW YORK, 21. Oktober 2009 (Zenit.org).- Der Heilige Stuhl hat bei den Vereinten Nationen darauf gedrängt, Menschenrechtsverletzungen bei indigenen Völkern durch Aufklärung über die Menschenwürde jedes Einzelnen entgegen zu treten. Erzbischof Celestino Migliore, ständiger Beobachter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen, sagte am Montag in einer Ansprache vor der 64. Sitzung der UN-Generalversammlung, diese Angelegenheit sei für die katholische Kirche mehr als eine geistige Übung.

Die Kirche argumentiere auf der Grundlage eines langen Einsatzes für die sozialen, persönlichen und spirituellen Bedürfnisse von mehr als 370 Millionen Ureinwohnern weltweit. Der Vatikandiplomat betonte die Notwendigkeit, die Identität und Kultur von indigenen Völkern zu achten. Deren kulturelle Traditionen, ihr religiöses Bewusstsein und ihre bewährte Fähigkeit, über ihre Entwicklungsprogramme selbst zu entscheiden und diese zu kontrollieren, müssten verstanden und respektiert werden. Nur so verbessere sich die Zusammenarbeit zwischen den Völkern und Regierungen.

Die Anerkennung der Menschenwürde und die Förderung der Menschenrechte seien die wirksamsten Strategien zur Durchsetzung einer umfassenden Entwicklung. „Wir müssen härter daran arbeiten, bei den indigenen Völkern ein Bewusstsein für ihre Menschenwürde zu wecken und ihre Gemeinschaften zu befähigen, ihr Leben ihren Traditionen gemäß zu gestalten." Initiativen von Ureinwohner zur Verteidigung ihrer Rechte müssten honoriert werden.

„Interkulturelles Handeln ist an sich wertvoll, aber es sollte durch Dialog zwischen den Kulturen und nicht durch Vorherrschaft und Unterwerfung gekennzeichnet sein", sagte der Erzbischof. Er appellierte an die internationale Gemeinschaft, den indigenen Völkern moderne Agrartechnologie stärker zu verbreiten und mehr Gesundheitsaufklärung in Bezug auf HIV/AIDS zu ermöglichen. Zugang zu Wasser und Nahrung seien zudem als universelle Rechte aller Menschen ohne Unterschied öffentlich anzuerkennen.

„Die Offenheit für das Leben stand zudem lange im Mittelpunkt der Spiritualität indigener Völker" betonte Migliore. „Wenn das persönliche und gesellschaftliche Feingefühl hinsichtlich der Annahme neuen Lebens verloren geht, werden auch andere gesellschaftlich wertvolle Formen der Anerkennung verkümmern," warnte der Erzbischof.